Monatsarchive: April 2011

Auswärtssieg, Auswärtssieg

So skandierten die HSV-Fans in der Volksparkarena etwa zehn Minuten vor Schluss. Die Stimmung war bestens im Stadion, die äußeren Bedingungen für einen gelungen Fußballnachmittag waren optimal. Der Gegner beschäftigte in der ersten Halbzeit unsere Defensive lediglich vier Mal ernsthaft. Insgesamt dreimal konnte der Rückstand und ab der 16. Minute der höhere Rückstand verhindert werden. Aber in der 18. Minute schlug Papiss Demba Cissé aus etwa 18 Metern zu. Vorausgegangen war eine Vorarbeit von Makiadi. Bis dahin plätscherte das Spiel so vor sich hin. Wobei die Freiburger Bemühungen konzentrierter, zielstrebiger wirkten und waren. Unsere Mannen verloren spätestens auf Höhe des Strafraums die Duelle Mann gegen Mann oder vertändelten zum Teil grob fahrlässig den Ball oder schenkten ihn freiwillig per Fehlpass den Breisgauern.

In der zweiten Halbzeit ging es genauso weiter wie in Halbzeit eins. In der 56. Minute kam Jonathan Pitroipa für Änis Ben Hatira. Jonathan ist einfach ein ganzes Stück schneller als Ben Hatira, aber sonst änderte sich wenig im HSV-Spiel. So bettelte der HSV mehrmals um das längst fällige 0 : 2. Diesen Gefallen erfüllte ihnen wiederum Cissé in der87. Minute. Es war die Entscheidung. War die Stimmung für eine Weile in der zweiten Halbzeit auf dem Tiefpunkt, so besannen sich die Fans mit zunehmender Spielzeit diesen herrlichen und sonnigen Frühlingstag im Hamburger Volkspark.

Die Mannschaft hatte wie vor nahezu jedem Spiel dieser Saison Wiedergutmachung, diesmal für das unterirdische 0 : 3 von Stuttgart angekündigt und verlauten lassen, dass sie wissen was uns Fans schuldig sind. Ja, dem kann ich nur vollstens zustimmen. Die Mannschaft, die sogenannte Mannschaft lies absolut keinen Zweifel daran aufkommen, dass wir Fans noch einmal einen Nachmittag im Gruselkabinett des Fußballs verbringen sollten. Unter dieser Prämisse ist das Spiel als gelungen zu bezeichnen. Unglücklich nur, dass sich der Trainer – dessen „Handschrift“ die hochkarätigen Einzeldarsteller seiner Abteilung überhaupt nicht lesen können/wollten – und zum anderen die Fans, die einfach jede gelungene Ballstafette der Freiburger mit Applaus bedachten und Freudengesänge anstimmten sowie La Ola durch das Stadion kreisen ließen, darauf folgte „Auswärtssieg, Auswärtssieg“.

Als der Schiedsrichter dann Abpfiff bekamen die Einzeldarsteller des HSV ihren verdienten und leicht zu begründenden Lohn. Ein Pfeifkonzert von exquisiter Qualität war bestimmt nicht zu viel des Guten.

Heute Kann und will ich mir eine Einzelkritik nicht verkneifen, schon gar nicht unter dem Gesichtspunkt, dass heute viele Spieler auf dem Platz standen mit denen Michael Oenning nächste Saison weiterarbeiten möchte.

Frank Rost: gut, faltete völlig zu recht aber zu leise Eljero Elia zusammen, der im wesentlichen die Vorarbeit für das Freiburger 2 : 0 leistete.

Dennis Diekmeier: gute Flankenläufe, nicht so effektiv, defensiv verbesserungswürdig.

Collin Benjamin: mehrfacher Unglücksrabe, trotzdem, an ihm lag es wohl am wenigsten.

Heiko Westermann: Wenn er bisher zu den Auserwählten gehörte, so sollte er seit heute zu den Erlöskandidaten gehören. Unterirdisch.

Dennis Aogo: Leider weit, sehr weit unter seinen Möglichkeiten.

Änis Ben Hatira: Schlechter Tag, noch schlechterer Abgang. Könnte teuer werden.

Ze Roberto: Ist mir eine halbe Stunde lang nicht aufgefallen. Als mein Nachbar mich auf ihn aufmerksam machte, war es negativ, daran hat sich bis Spielende nicht geändert. Vertrag auf absolut keinen Fall verlängern.

David Jarolim: Wackerer Kämpfer allein auf weiter Flur. Auch ihm konnte natürlich nicht alles gelingen.

Eljero Elia: Gegen Hannover verstolperte er noch Bälle. Gegen Freiburg zeigte er nur zwei Mal das er an den Ball wollte. Verkaufen! Sofort! Bisher hatte diesbezüglich noch Zweifel ob seiner ersten Spiele unter Trainer Labbadia. Seit heute vollständig ausgeräumt.

Heung Min Son: Neben Jarolim der einzige HSVer der wirklich wollte. Manchmal übereifrig. Aber, das wird.

Paolo Guerrero: Das wird hoffentlich ein ganz schneller Abgang. Arbeitsverweigerung mit der Pose des verärgerten Kollegen zu garnieren ist eine Unverschämtheit ohne Gleichen. Für ihn heißt es in Hamburg nur: Raus.

Jonathan Pitroipa: Durfte sich eine halbe Stunde beweisen. Schnell ist er. Zu schnell für sich selbst.

Piotr Trochowski: Durfte noch für Jarolim mitmachen.

Von den heute eingesetzten dreizehn Spielern möchte ich nächste Saison noch Diekmeier, Aogo, Jarolim mit Fragezeichen, eventuell Ben Hatira und auf jeden Fall Heung Min Son sehen. Allen anderen ein herzliches: „In Hamburg sagt man tschüss“.

Pro goldene Ananas

Was gibt es aus sportlicher Sicht wichtiges zu berichten. Zunächst die mögliche Mannschaftsaufstellung: mögliche Startelf: Rost – Diekmeier, Kacar (Demel), Westermann, Aogo – Ben-Hatira, Jarolim, Zé Roberto, Elia – Guerrero, Son.

Weiter im Kader: Drobny, Demel, Besic, Benjamin, Tesche, Trochowski, Rincon, Pitroipa.

Dann natürlich die allenthalben zu lesenden Absichten der Mannschaft und des Trainers, die ich hier nicht wiederholen werde, weil ich ohnehin einem Teil der Protagonisten diese längst nicht mehr abnehme.

Trotzdem: pro goldene Ananas

Aus Vereins- und Mitgliedersicht dürfte das morgige erste öffentliche Zusammentreffen der Initiative PRO HSV sein. Das Treffen findet am 30.04.2011 ab 12.30 statt. Ort der Veranstaltung ist: „Das Bauernhaus“, Nansenstraße 82, 22525 Hamburg (http://www.dasbauernhaus.de/) die Wegbeschreibung findet ihr hier: http://maps.google.de/maps?f=q&source=s_q&hl=de&geocode=&q=Nansenstra%C3%9Fe+82+22525+Hamburg&sll=51.151786,10.415039&sspn=23.588564,60.820312&ie=UTF8&hq=&hnear=Nansenstra%C3%9Fe+82,+Hamburg+22525+Hamburg&ll=53.583844,9.905849&spn=0.010866,0.029697&t=h&z=16

Die Initiative hofft auf zahlreiches Erscheinen. Neues über das Spiel gegen den SC Freiburg hier ab dem späten Abend.

Der HSV wird verplant

In einem Morgenpost – Interview sagte unser Trainer Michael Oenning: „Die Kaderplanung nimmt Fahrt auf. Jetzt müssen wir Fakten schaffen. Wir wollen die Dinge, die wir selbst in der Hand haben, regeln. Wir werden sehr, sehr schnell sehen, mit wem die Reise weitergeht und mit wem nicht.“

Aber was passiert wirklich? Es entsteht langsam aber sicher der Eindruck, dass der HSV das Gesetz des Handelns nicht in Händen hält. Es sind allem Anschein nach die Spieler, die die Entscheidungen treffen. Eine der Letzten mir bekannten Entscheidung des HSV datiert auf Anfang Januar 2011. Da wurde mit Dennis Aogo verlängert. Und zur Erinnerung damals war noch Bernd Hoffmann Klubchef. Seit dem – anfänglich auch noch unter Bernd Hoffmann – trafen und treffen die Spieler die relevanten Entscheidungen.

Nach Aogos Verlängerung die Arie um den Wechsel von Ruud van Nistelrooy und seinem Wunsch wieder zu Real zurückkehren zu dürfen. Dem wurde bekanntlich nicht stattgegeben seitens der Vereinsleitung. Was sich im Nachhinein als Fehler erweist. Wahrscheinlich ist, dass der wohl auch diese Saison mit Gewinn abgeschlossen hätte, wäre der Deal zustande gekommen. Auch so fällt das Minus laut dem Interimschef Carl Edgar Jarchow moderat aus. Dass zur kommenden Saison gespart werden müsse verkündete schon Hoffmann, als er noch der Strippenzieher war.

Nach dem gescheiterten Wechsel von Nistelrooy nach Madrid traf dieser Ende Januar die Entscheidung, dass zum Saisonende in Hamburg Schluss ist. Dieses hat er bis heute ausreichend oft medienwirksam bestätigt. Angesichts seiner Gesamtleistung für den HSV füge ich hinzu: Und das ist auch gut so.

Danach (im März) wurde mit Collin Benjamin gesprochen und ihm ein Angebot unterbrietet, dass er nicht akzeptierte. Anschließend verkündeten Jarchow und Frank Rost, dass man sich trennen würde. Im Anschluss sickerte durch, dass Frank Rost diese Entscheidung schon zu Saisonbeginn für sich getroffen habe.

Wenige Tage später erklärte Piotr Trochowski, dass er seinen auslaufenden Vertrag nicht verlängern werde, sondern zum FC Sevilla wechseln werde. Danach war es einige Tage relativ ruhig. Oenning befeuerte die Hoffnung auf ein großes Talent (Ilkay Gündogan) damit, dass er ja sein Entdecker sei, in guten Kontakt und sich Ilkay noch nicht entschieden habe. Das tat dieser jüngst und leider behielten Pessimisten unter uns recht. Gündogan entschied sich für den BVB.

Als sei diese Entwicklung noch nicht deutlich genug sagte gestern auch Tunay Torun die angebotene Vertragsverlängerung ab und wechselt zu Hertha BSC Berlin. Bis heute Morgen ist dies die vorerst letzte bekannte Personalie. Wieder hat der Spieler entschieden. Und wieder muss der HSV tatenlos zu schauen. Wir alle sind sehr gespannt darauf zu lesen oder zu hören welcher Spieler welche Entscheidung trifft.  Da unser Trainer angekündigt hat in den letzten drei Saisonspielen noch ein Mal ganz genau zu schauen zeichnet sich für mich ganz klar ab, dass wir auch weiterhin eine passive Vereinsführung erleben werden. Mindestens bis zur Auswertung des letzten Heimspiels gegen Borussia Mönchengladbach.

Dies bedeutet, dass vor dem 15.05.2011 keine weiteren Entscheidungen vom HSV zu erwarten sind. Während dessen schaffen die Konkurrenten aus der Bundesliga Fakten und holen sich ihre Wunschspieler. Das sind in der Regel hoffnungsvolle junge Spieler mit großen Potential und Talent. Junge Spieler die hungrig auf Erfolge sind. Spieler die unser HSV dringender denn je bräuchte.

Stattdessen bekundet Herr Jarchow, dass er ein realistischer Optimist sei und er in fünf Jahren mit dem HSV einen Titel (wenigstens den DFB-Pokal) gewinnen möchte und irgendwann ein Mal dauerhaft um die Champions League Plätze in der Bundesliga mitspielen möchte.

So klingt jemand, der es nicht schaffen wird den HSV in eine Aufbrauch- in eine jetzt geht´s los –Stimmung mit zu reißen. Ganz sicher klingt so jemand, wie einer dem die Entscheidungen aus der Hand genommen werden, nicht zuletzt weil keine Gegenwehr zu erwarten ist. Wenn denn die Zustandsbeschreibung während des Kündigungsprozesses von Hoffmann/Krauss je richtig gewesen ist, dass sie eine lame duck sind, was erleben wir dann gegenwärtig für eine HSV Führung. Eine Führung die sich den Wünschen einer Minderheit im Verein beugt (Spielabsagen), die a la Don Quixote De La Mancha zwar nicht gegen Windmühlen kämpft, aber partout nicht anerkennen will, dass der HSV eine bestens eingeführte Marke ist (war?). Gegenwärtig wird von einer Rekordzahl von gekündigten Logen und Business-Seats berichtet. Die neue Führung schafft schon nach wenigen Wochen große Alarmzeichen. Wer im Profi-Fußball nicht anerkennt, dass es ohne Kommerz nicht geht, riskiert seine 1. Mannschaft dem Verfall preiszugeben.

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