Tagesarchive: 10. September 2011

Wieder keine Punkte

Die Punkte bleiben nach dem 95. Bundesliga-Derby zwischen dem HSV und Werder wieder mal in Bremen. Dieses wohl auch nicht zu unrecht. Insgesamt muss man feststellen, dass der HSV zu harmlos war, weil er seine Spitzen nicht einsetzte beziehungsweise einsetzen konnte. Mithin also kaum Torchancen kreiert wurden. Die drei besten und auch einzigen Chancen hatte der HSV in der zweiten Halbzeit. Unmittelbar nach dem 0 : 1 sowie die kurz nach dem 0 : 2 und in der 86. Minute. Alle drei hatte Petric. Zweimal reagierte Wiese richtig, einmal verzog Petric und übersah dabei den besser postierten Jansen, der kurz darauf angeschlagen ausgewechselt für Kacar wurde.

Wieder mal Drobny im Gespräch und ich denke dieses Mal zu Unrecht, auch wenn er eine unglückliche Figur beim ersten Gegentor machte. Der Ball flog an den Pfosten und sprang hinter seinem Rücken parallel zur Linie in Richtung langes Eck, dort reagierte Pizarro am schnellsten und nicht ein HSV-Verteidiger. Beim zweiten Gegentor war Aogos Abwehr gegen Pizarro nicht einmal halbherzig zu nennen. Die Bremer hatten insgesamt mehr Spielanteile und auch die besseren Chancen. Solange es noch 0 : 0 stand konnte der HSV das Spiel offener gestalten. Mit dem 0 : 1 aus Hamburger Sicht änderte sich die Ausgangslage und der HSV musste das Spiel machen und offensiver agieren. Dieses Unterfangen gelang nicht und offenbarte zum wiederholten Male, dass dem HSV ein Spielgestalt, ein Regisseur, einer wie van der Vaart, Gündogan oder Ekici fehlt. Auch ein Kagawa oder ein Großkreutz könnten für Abhilfe sorgen. Skjelbred spielte auf der rechten Außenbahn und fiel somit in der zentralen Position aus, die Oenning zugunsten eines zweiten Stürmers aufgelöst hatte. Damit spielte Oenning zum zweiten Mal in dieser Saison mit einem 4 – 4 – 2 System. Der große Unterschied zum Bayern-Spiel besteht für mich darin, dass die Mannschaft mit großen Kämpferherzen angetreten ist und auch nach dem 2 : 0 noch nach vorne spielte und sich nicht wehrlos ergab. Leider wurde mit zunehmender Spielzeit deutlich, dass sich die Offensive am heutigen Abend als suboptimal erwies.

Dagegen zeigte sich die mannschaftliche Geschlossenheit in der Defensivarbeit stark verbessert. Nicht weil es „nur“ Gegentore waren, sondern weil alle defensiv mitgearbeitet haben und man sich in den Zweikämpfen zur Wehr gesetzt hat. Manchmal etwas übereifrig, aber besser so als zu zuschauen. Vorgestern schrieb ich: „Das Spiel kann richtig positiv zu Buche schlagen wenn unser HSV mit einer mutigen, couragierten und engagierten Leistung aufwartet.“ Für mich ist es keine Frage, dass die Mannschaft mutig (es hätte gern noch etwas davon sein können), couragiert und engagiert zu Werke gegangen ist. Auch wird für mich erkennbar, dass eine Steigerung – zumindest im Defensivverhalten – erkennbar ist. Positiv ist auch, dass die Mannschaft nicht auseinandergebrochen ist, wie noch in München und sich auch nicht hat vorführen lassen. Problematisch bleibt weiterhin, dass Abwehrverhalten bei Standards. Beide Tore vielen nicht aus dem Spiel heraus. Auch wenn es dem Einen oder Anderen zu langsam geht und Oenning deshalb lieber heute als morgen gehen sollte, ist Oenning für mich nach wie vor der richtige Trainer. Na klar, wird auch Oenning so schnell wie möglich punkten müssen, am besten gegen Gladbach, aber bis zu diesem Spiel hat er wieder eine Woche Zeit um mit der Mannschaft weiter zu arbeiten um sich nun der Offensive zu widmen. Die Mannschaft muss dringend mehr Torchancen herausspielen um selbst erfolgreich sein zu können und um den Gegner nicht vor das eigene Tor kommen zu lassen.

Einzelkritik:

Drobny: Mit Licht und Schatten, sehr stark bei einem Arnautovic Freistoß, unglücklich beim 1 : 0

Mancienne: Frühe sehr dunkel gelbe Karte mit anschließender Ermahnung. Eigentlich spätestens zur Pause raus. Dafür hat er seine Sache über neunzig Minuten gut gemacht.

Rajkovic: Ein wirklicher Gewinn für die Abwehr. Er setzt auch das „schmutzige“ Signal für seine Mitspieler. Auch immer wieder an Standards im gegnerischen Strafraum beteiligt. Gut.

Westermann: Mal abgesehen von schwachen Diagonalpässen, die nicht ankamen, scheint er im Fahrwasser von Rajkovic besser zu werden.

Aogo: Leider hat er zur Zeit nicht die Form, die ihn zum Nationalspieler gemacht hat. Dieser läuft er offenkundig hinterher. Ganz schwach vor dem 2 : 0.

Jarolim: Kämpferisch immer ein Vorbild. Leider nicht mit dem Mut ausgestattet auch mal aus zwanzig Metern Vollspann abzuziehen.

Tesche: Neben Jarolim wirkte er farblos, unauffällig. Ihm wünsche ich mehr zutrauen in seine Fähigkeiten.

Jansen: Hat gekämpft und hat die linke Außenbahn beackert. Leider noch immer ein gutes Stück von seiner Bestform entfernt. Kämpferisch tadellos, aber das Spielfeld ist 15 – 20 Meter länger.

Guerrero: Wurde erst ungestraft umgesenst, bekam später für meckern die gelbe Karte und musste nach einem herberen Einsteigen froh sein zu Ende spielen zu lönnen. Er wirkte so, als sei er mehr mit sich als dem Spiel beschäftigt gewesen.

Petric: Hatte die einzigen HSV-Chancen auf dem Fuß, konnte sie allerdingsnicht nutzen. Trat sonst kaum in Erscheinung.

Töre: Nicht zu bewerten.

Kacar: Nicht zu bewerten.

Fazit: Am Freitag schrieb ich, dass in Bremen eine neue Mannschaft, die diesen Titel auch verdient geboren werden könnte. Insgesamt habe ich eine sich teuer verkaufende und sich stark wehrende HSV-Mannschaft gesehen. Es kommt jetzt darauf an, dass sie dieses Auftreten in den kommenden Wochen und Monaten bestätigt. Ich erwarte in dieser Saison kein schönes Spiel vom HSV, aber absoluten Willen das Beste für den HSV zu geben. Dann klappt es auch mit den Punkten und dem frühzeitigen Klassenerhalt.

Kopf hoch HSV! Nur der HSV.

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