Tagesarchive: 17. September 2011

Eine Erfahrung reicher

Ich habe es mir abgewöhnt gegenwärtig mit hoffungsvollen Erwartungen ins Stadion zu fahren. Man ist, ich bin nach dem jeweiligen Spiel dann nicht maßlos enttäuscht. Trotzdem, die Ergebnisse sind und bleiben, vor allem aufgrund ihres Entstehens einfach nur erschütternd. Ein einfacher Freistoß aus dem Halbfeld zwei unachtsame HSV – Spieler (heute Tesche und Son), ein die Situation richtig einschätzender de Camargo mit einem platzierten Kopfball und fertig ist der Auswärtssieg der Borussia.

Die Zeit vor und nach dem Tor war mit Ausnahme weniger Torschüsse (lt. ARD-Videotext 8 für die Gladbacher und 2 für den HSV) Geplänkel zwischen den Strafräumen wobei deutlich auffiel, dass die Borussen dieses Spiel leicht mitgingen während der HSV schon kämpfen musste, nicht zuletzt um seine Totalausfälle halbwegs kompensieren zu können. Dieses gelang in der zweiten Halbzeit nicht mehr. Folgerichtig wechselte Oenning auch aus. Einmal traf es mit dem schwachen Jansen den richtigen. Einmal und im Gegensatz zum ARD-Kommentator mit Skjelbred sicher nicht den richtigen. Exakt eine Minute vor dem Tor wechselte auch Favre er brachte Bobadilla und Nordtveit in der 65. Minute. Und mir kommt der Verdacht, dass diese Wechsel den HSV – Spielern die Zuordnung beim folgenden Freistoß, der dass 1 : 0 einleitete erschwerte, sie weiter verunsicherte. Ich weiss nicht ob es solche Zusammenhänge überhaupt gibt, klar ist dass mit Son ein eingewechselter Spieler nicht bei seinem Gegenspieler de Camargo war und mit einiger Entfernung hinter ihm stand. Alibimäßig sprang er ohne jede Chance an den Ball kommen zu können mit hoch, aber mit Sicherheitsabstand.

Obwohl der HSV deutlich mehr Ballbesitz hatte ging von ihm keinerlei Gefahr aus. Der erste Torschuss in der 21. Minute kam von Rincon und ging weit am Gehäuse vorbei. Insgesamt war die erste Halbzeit – von zwei schlechten – noch die bessere aus HSV – Sicht. Nach dem Spiel äußerte sich Favre sinngemäß wie folgt: „In der ersten Halbzeit haben sehr schlecht gespielt und in der zweiten sehr gut.“ Aus Gladbacher Sicht durchaus nach vollziehbar. Arnesen bestätigte nach dem Spiel, dass es Seitens des HSV keinen Trainerwechsel vor dem Spiel in Stuttgart am Freitagabend geben wird mit den Worten: „Am Donnerstag sitzen wir mit Michael Oenning im Flieger nach Stuttgart.“ Was die Option offen lässt: Kein Erfolg in Stuttgart, dann KÖNNTE Oenning zur Disposition gestellt werden. Gegenwärtig, da sicher ist, dass Oenning mindestens noch eine Woche Trainer bei unserem HSV bleibt, halte ich jede Trainerdiskussion für verfrüht. Allerdings würde es den Verantwortlichen des HSV gut zu Gesicht stehen sich präventiv für den wahrscheinlichen Fall der Fälle zu wappnen und unter der Woche Sondierungsgespräche zu führen. Es könnte hilfreich sein.

Einzelkritik:

Oenning: Ihm ist es unter der Woche nicht gelungen effektiv und wirkungsvoll gegen den schleichenden Prozess der Verunsicherung anzukämpfen. Die Verunsicherung der Mannschaft war heute überaus deutlich von Beginn an zu spüren. Dass dann nach der Führung der Gladbacher Fohlen nichts mehr ging ist nur logisch.

Drobny: Rettete zwei drei Mal sehr gut, war beim Tor chancenlos. Trotzdem Wackler in einigen Aktionen. Auch an ihm geht die allgemeine Verunsicherung nicht spurlos vorbei.

Mancienne: Erneut als rechter Außenverteidiger aufgeboten. Anfänglich noch solide, spätestens ab der zweiten Halbzeit oft allein gelassen und mit einfachen Doppelpässen leicht auszuspielen. In anderen Situationen schlicht überfordert.

Westermann: Kämpferisch wieder sehr gut. Stopfte Löcher und defensiv eine Bank.

Rajkovic: Attackierte wesentlich früher als Westermann, zeitweise glich sein Spiel einer Kombination aus Sechser und Innenverteidiger. Richtig gut. Sein Wille alles zu geben war stets zu spüren. Auch war er der erste HSV-Spieler der zur Nordtribüne kam. Da zeigte sich einer auch in schwerer Stunde. Bravo!

Aogo: Dass Dennis seiner früheren guten Form hinterherläuft ist bekannt, heute hatte er auch noch einen megagebrauchten Tag erwischt.

Jarolim: Ihn zog es von seiner rechten Außenbahn immer wieder zur Mitte, was zur Folge hatte, dass die offensive Ausrichtung rechts nicht oder nur bedingt stattfand. Aber läuferisch und kämpferisch und für die Struktur des HSV-Spiels wertvoll. Nach seiner Auswechslung merkte man sein Fehlen  auf unangenehmste weise.

Tesche: Unauffällig über weite Strecken des Spiels. Offensiv habe ich ihn auch schon deutlich mutiger und entschlossener gesehen. Defensiv mitverantwortlich für das Fohlentor.

Rincon: Auffällig als erster HSV – Spieler der auf das Gladbacher Tor schoss. Rincon ist ein Spieler der sich auf das Kämpfen versteht und das zeigte er heute. Defensiv ordentlich, offensiv zu wenig Akzente.

Jansen: Fit mag er sein, unter Beweis gestellt hat er es heute nicht. Auch sonst einer der Spieler die mitgeschleppt werden mussten. Auswechslung folgerichtig aber zu spät.

Skjelbred: Der ARD – Kommentator sah ihn schlecht, ich fand ihn deutlich verbessert. Selbstverständlich mit viel Luft nach oben. Vor allem muss er lernen zielstrebiger in Richtung gegnerisches Tor zu arbeiten/spielen.

Petric: In der ersten Hälfte noch sichtlich an der Defensivarbeit in der „ersten Reihe“ beteiligt baute er immer ab. Zwar beklagte er zu Recht, dass es einen Handelfmeter nicht gegeben hat, aber Diskutieren schafft keine Chancen bzw. Tore. Fiel in der zweiten Halbzeit deutlich ab. Wurde allerdings auch nicht wirklich von den anderen Offensivspielern unterstützt.

Töre (ab 56. Min.): Sorgte sofort für den bis dahin vermissten Zug zum Tor. Durchsetzungswillig, aber nicht mit der notwendigen Unterstützung. Eine Belebung im Offensivspiel.

Son (ab 56. Min.): Wollte, konnte aber nicht so viele Akzente setzen. Verlor viele Zweikämpfe viel zu leicht und zu schnell. Ohne Wirkung und am Gegentor beteiligt.

Berg (ab 69. Min.): Sein erster Ligaeinsatz in diesem Jahr. Ähnlich auf sich allein gestellt wie Petric, obwohl dieser noch im Spiel war. Leider genauso wenig durchsetzungsfähig wie in seinem ersten HSV – Jahr. Kein gewonnener Zweikampf.

Fazit: Diese Mannschaft ist völlig verunsichert. Im Moment erscheint es mir als größte Aufgabe wieder etwas Selbstvertrauen in die Mannschaft zu bekommen. Aber wie? Hier sind Arnesen, Oenning und der HSV-Psychologe gefordert. Ob sie es gemeinsam schaffen bleibt abzuwarten – bis Stuttgart. Allerdings ist nach dem heutigen Spiel eine große Portion Skepsis angesagt. Momentan fehlt mir der Glaube an eine Wandlung bis Freitag. Hinzu kommt, dass mit jedem Spieltag, der ungenutzt verstreicht, der sich noch langsam anbahnende Abstiegskampf klarere und deutlichere Konturen bekommt. Was nicht dazu beiträgt, dass die allgemeine Verunsicherung geringer wird.

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