Tagesarchive: 22. Oktober 2011

Ein hochverdienter Teilerfolg

Eine knappe Woche Zeit hatte Thorsten Fink Der Mannschaft zwei grundlegende Dinge zu vermitteln: 1. Wir Sprechen nur über unsere Stärken und handeln danach und 2. Wir wollen das Spiel dominieren, wir wollen mehr Ballbesitz und wir wollen jedes Spiel gewinnen. In den bisherigen Übungseinheiten unter Fink ging es im wesentlichen darum, dass Passspiel zu üben und zu verbessern. Es sollten vermehrt die Außenbahnspieler angespielt werden. So die graue Theorie.

Als das Spiel vor 54.378 Zuschauern pünktlich um 18.30 h angepfiffen worden war dauerte es exakt 1 Minute und fünf Sekunden bis die Theorie noch grauer geworden war. Ein Ball aus dem Wolfsburger Mittelfeld auf den völlig frei im Raum laufenden Ochs, der mit dem Ball am Fuß mit Begleitschutz von Aogo fast bis zur Grundlinie durchlaufen konnte und da Aogo nicht daran dachte den Sicherheitsabstand zu Ochs aufzugeben oder gar zu verringern, sah Ochs keine andere Möglichkeit mehr als sich mit einer äußerst präzise geschlagenen Flanke in den Hamburger Strafraum des Leders zu entledigen. Im Strafraum kam auch nur ein Wolfsburger an den Ball. Mandzukic wollte den Ball auch nicht lange haben und köpfte ihn voller Verzweiflung aus kürzester Distanz und unhaltbar knapp unter die Latte. Dieses Tor war so überflüssig wie nur irgendwas. Und leider war es ein Fehler von Aogo den er seit dem er in Hamburg für den HSV Fußball spielt immer und immer wieder macht. Das er es auch anders kann hat er in der Vergangenheit und auch im weiteren Verlauf des heutigen Spiels mehr fach bewiesen. Genau aus diesem Grund sind solche Gegentore so unglaublich bitter und überflüssig. Ich bemerkte es schon.

Die Mannschaft brauchte etwa bis zur 15. Minute um sich wieder zu fangen und in Tritt zu kommen. Dies trotz der beiden Chancen von Guerrero und Töre die jeweils knapp am Gehäuse von Benaglio vorbei gingen. Und dann zeigte sie auch ansatzweise was sie im Training gearbeitet hat. Es wurde der Ball gehalten wenn sich keine Anspielstationen fanden, aus der Mitte wurden die Außenspieler gesucht und gefunden. Hier tat sich ein um das andere Mal Thomas Rincon hervor. Einfach Klasse wie er die Bälle auf beide Außenbahnen verteilte und das mit langen diagonalen Bällen, die im Regelfall auch ankamen und weiterverarbeitet werden konnten. Es kamen immer wieder gefährliche Flanken in den Wolfsburger Strafraum. Gleichzeitig ließen die HSVer kaum noch Chancen der Gäste zu. Allein Petric hätte in der ersten Hälfte zum Matchwinner werden können. Er hatte drei glasklare Chancen. Drei Mal frei vor dem Tor, einmal verzogen, einmal überheblich abgeschlossen, so dass eine Rückgabe daraus resultierte und ein Mal gut gehalten. Sehr schade, denn es hätte auch mit einer HSV – Führung in die Pause gehen können, wenn nicht müssen.

An dieser Stelle ein Wort über Schiedsrichter Perl. Ich kann nicht nachvollziehen weshalb ein einziger Wolfsburger Spieler mehrfach den Ball wegschlagen darf, sich mit dem Schiedsrichter anlegen darf und dazu nach einer glasklaren Schwalbe im Strafraum sich noch beschweren kann, dass es keinen Elfmeter für ihn gab ohne auch nur eine Ermahnung dafür zu bekommen. Bei Anwendung der geltenden Regeln wäre Dejagah schon vor der Pause berechtigter Weise mit gelb-rot in der Kabine verschwunden. Auch sonst gab es einige nicht nachvollziehbare Entscheidungen.

Glück hatte auch Slobodan Rajkovic der in der Pause schwer Rotgefährdet ausgewechselt wurde. Für ihn kam Diekmeier ins Spiel auf die rechte Außenverteidigerposition, Westermann rückte in die Innenverteidigung. Unter dieser erforderlichen Umstellung litt das HSV – Spiel ganz und gar nicht. Im Gegenteil. Der HSV erhöhte die Schlagzahl kräftig und spielte zwischen der 50. Und der 70. Minute einen beeindruckenden offensiven Fußball. In dieser Phase gelang es den Wölfen kaum einmal den Ball aus der eigenen Hälfte zu befördern. Die gesamte HSV – Mannschaft arbeitete und spielte und lief nach dem Motto Jeder für Jeden. Kein Ball wurde verloren gegeben, es waren immer wieder schöne zielgerichtete Kombinationen zu sehen, die in der 56. Minute belohnt wurde. Petric erzielte nach feinem Zuspiel von Gojko Kacar den hochverdienten Ausgleich. In den folgenden 15 Minuten hätte der Siegtreffer fallen müssen. So dominant wie der HSV in dieser Phase auftrat war es eigentlich nur eine Frage der Zeit bis das 2 : 1 hätte fallen müssen. Schon im ersten Angriff nach erfolgtem Wiederanstoß hätte es erneut bei den Wölfen klingeln können. Aber leider sollte kein Treffer mehr gelingen. Wenn ich richtig mitgezählt habe, hatten Magaths Truppe in der zweiten Halbzeit gerade mal zwei wirkliche Torchancen die beide vom gut aufgelegten Drobny vereitelt wurden.

Ab der 70. Minute verflachte das Spiel bei beiden Mannschaften und die Torchancen für den HSV wurden seltener. Trotzdem hatte ich bis zum Abpfiff stets das Gefühl, dass hier noch der Siegtreffer für unseren HSV fallen kann.

Insgesamt hat die deutlich bessere Mannschaft nicht gewonnen, aber wir haben einen hochverdienten Punkt eingefahren, der immerhin bewirkt, dass wir die „Rote Laterne“ an Freiburg abgegeben haben. Was heute schon nach nur vier Trainingstagen mit Fink auf dem Platz vom HSV zusehen war, war mehr als hocherfreulich. Es macht ganz einfach Laune auf mehr. Ich bin überzeugt davon, dass wir die Abstiegsplätze demnächst verlassen haben werden. Vorher – nach dann 224 Tagen ohne Heimsieg – wird der nächste Schritt zum Verlassen der Abstiegsränge getan. Am 225. Tag ist dann der 1. FC Kaiserslautern Gast im Volkspark.

Seit dem Cardoso die Mannschaft übernommen hat geht die Leistung stetig nach oben. Auch wenn das heutige Ergebnis noch keine große Euphorie auslöst, so war es heute für mich das beste Saisonspiel. Und noch etwas gilt es zu betonen: Es steht endlich wieder eine Mannschaft auf dem Platz. Das wurde heute wieder über neunzig Minuten deutlich sichtbar. So z. B. keine Vorwürfe an Aogo auf dem Platz von seinen Mitspielern. Das war gut.

Nur der HSV!

Statistik:

HSV: Drobny – Westermann, Bruma, Rajkovic (46.Diekmeier), Aogo – Kacar (79.Tesche), Rincon – Töre, Jansen (86.Lam) – Petric, Guerrero

VfL Wolfsburg: Benaglio – M. Schäfer, Kyrgiakos, Thoelke, Hasebe – Träsch, Josué (79.Hitzlsperger) – Ochs, Koo, Dejagah (55.Salihamidzic) – Mandzukic

Tore: 0:1 Mandzukic (2.), 1:1 Petric (56.)

Zuschauer: 54.378

Schiedsrichter: Günter Perö (Pullach)

Gelbe Karten: Rajkovic (28.), Kacar (38.) / Träsch (79.)

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