Kategorie-Archiv: Vorstand

Nordderby

Zum 97. Mal steht das Nordderby auf der Tagesordnung der Bundesliga und ist somit das traditionsreichste der Bundesliga. Kein anderes Derby hat es in der Bundesligageschichte häufiger gegeben. Und dennoch steht es am Donnerstag noch immer nicht im Mittelpunkt des Interesses. Ebenso wenig wie die erfreulichen Neuverpflichtungen des HSV Milan Badelj (Trikot – Nr. 14) und Petr Jiracek (Trikot – Nr. 19), die beide von Beginn an am Weserbogen ran dürfen.

Das größte Interesse hat nach wie vor die Verpflichtung Rafael van der Vaarts. Noch sind sich die Vereine über die Ablösesumme für die ehemalige Nr. 23 des HSV nicht näher gekommen. Das Angebot des HSV lautet 12 Millionen während Tottenhams Präsident Levy noch immer 18 Millionen fordert. Angeblich gibt es eine Bedingung von Kühne für sein Engagement auch beim Gehalt, dass die Ablösesumme nicht über 12 Millionen liegen darf. Jarchow schätzt die Wahrscheinlichkeit eines Transfers mit 70 : 30 gegen ein neues Engagement van der Vaarts ein. Gleichzeitig hat Marketingvorstand Hilke mit dem Anwalt van der Vaarts einen unterschriftreifen Vertrag ausgearbeitet. Rafael van der Vaart hat heute – Medienberichten zufolge – mit Levy gesprochen und seinen Wechsel in einem etwa halbstündigen Gespräch vorangetrieben. Levy ist für Transfers in den letzten möglichen Minuten der Transferperiode bekannt. So verpflichtete er van der Vaart vor zwei Jahren auch erst in den letzten Minuten vor Transferschluss als niemand mehr mit dem Transfer rechnete und er „nur noch“ 10 Millionen bezahlen musste. Tottenham seinerseits hat bereits aufgerüstet und sowohl Spieler für die Nachfolge von Luca Modric als auch Rafael van der Vaarts verpflichtet. Ist personell also auf den Abgang van Vaarts vorbereitet.

Weitere Transferspekulationen gibt es um einen möglichen kurzfristigen Transfer gibt noch für die Position des Stürmers. Einerseits wird schon seit längerem Yannick Sagbo aus Evian gehandelt und er schien fast konkurrenzlos zu sein – bis heute. Heute hat Sporting Lissabon dem HSV angeboten den bulgarischen Nationalspieler Valeri Bojinov unentgeltlich für die laufende Saison auszuleihen. Lediglich das Gehalt wäre vom HSV zu bezahlen. Bojinov war als 21 – jähriges Talent 2007 schon einmal Thema beim HSV.

Zum Spiel:

Alle Welt redet über die Krise des HSV. Durchwachsenen Vorbereitung, Erstrundenaus im DFB – Pokal und Heimpleite gegen Nürnberg mit wenigstens zum Teil katastrophalen Auftreten. Ganz klar das war nicht herzerfrischend und schon gar nicht bundesligatauglich. Doch dem Gegner von der Weser erging es von den reinen Ergebnissen nicht einen Deut besser. Allerdings waren ihre gezeigten Leistungen deutlich ansprechender. Dennoch gibt es keinen Anlass unseren HSV schlechter zu machen. Trainer Thorsten Fink krempelt die Mannschaft auf sieben Positionen um und bringt dabei fünf neue in die Startelf. Auf der rechten Außenverteidigerposition wird Bruma gegen Elia spielen, der mal wieder versucht verbal gegen sein schlechtes Image anzureden. Dafür rückt Heiko Westermann Innenverteidigung in die Innenverteidigung. Auf der Doppelsechs werden Badelj und Jiracek debütieren. Auf der rechten offensiven Außenbahn wird voraussichtlich Beister beginnen. Ilicevic wird zentral offensiv beginnen und links wird Jansen aufspielen. Der neue Stürmer heißt Artjoms Rudnevs, der Berg nicht nur nach dessen schlechten Spiel gegen Nürnberg sondern auch aufgrund der Trainingsleistungen verdrängt hat.

Bei einem Auswärtssieg bleibt die Krise an der Weser. Aber bis Freitag 18.00 h warten wir nicht nur auf das Ende der Transferperiode sondern auch auf den Vollzug des van der Vaart Transfers. Dieser könnte dann noch einmal die Mannschaftaufstellung verändern. Aber dazu wollte sich Trainer Fink auf der Pressekonferenz zum Spiel nicht konkret äußern. Verständlich.

Statistiken: Vorsaison: 2:0. Die Bilanz aus Werder-Sicht: 33 S, 33 U, 30 N; 142:145 Tore.

Aufstellungen:

Werder Bremen: Mielitz – Gebre Selassie, Prödl, Sokratis, Schmitz – Fritz – Arnautovic, de Bruyne, Hunt, Elia – Petersen

Reservebank: Wolf (Tor), Affolter, Lukimya, Bargfrede, Ekici, Ignjovski, Junuzovic, Akpala, Füllkrug

Trainer: Schaaf

Hamburger SV: Adler – Bruma, Westermann, Mancienne, Aogo – Jiracek, Badelj – Beister, Ilicevic, Jansen – Rudnevs

Reservebank: Drobny (Tor), Lam, Arslan, Sala, Skjelbred, Tesche, Berg, Son

Trainer: Fink

Es fehlen:

Werder Bremen: A. Stevanovic (Schulterverletzung), Strebinger, Vander, Hartherz, Röcker, Aycicek, Kroos, P. Stevanovic, Trinks, Trybull, Öz. Yildirim, Wurtz (alle nicht berücksichtigt)

Hamburger SV: Rincon (Knochenhautentzündung), Kacar (Aufbautraining), Scharner (Innenbandriss), Mickel, Neuhaus, Besic, Sowah, Sternberg, Ingreso, Nörgaard, Steinmann (alle nicht berücksichtigt) Rajkovic (suspendiert),

Spielinfos:

Anstoß: Sa. 01.09.2012 15:30, 2. Spieltag – 1. Bundesliga

Stadion: Weserstadion

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Trainer, Mannschaft und System

Es ist gute zehn Monate her da präsentierte der HSV seinen neuen Wunschtrainer Thorsten Fink. Heraus gekauft aus einem laufenden und gültigen Vertrag. Dieser sollte die Mannschaft und jeden einzelnen Spieler besser machen und für ein hohes Maß an Identifikation mit dem Verein.

Schon nach kurzer Zeit musste Thorsten Fink einsehen, dass er sein favorisiertes Spielsystem (4 – 2 – 3 – 1) mit dieser verunsicherten HSV – Mannschaft nicht umsetzen konnte. Er verstärkte die Defensive, reaktivierte für das defensive Mittelfeld Jarolim und schaffte letztendlich den Klassenerhalt. Immer wieder wechselten gute und starke Auftritte der Mannschaft mit leidenschaftslos abgespulten und lästig wirkenden Pflichtaufgaben ab. Dem entsprechend fielen die Ergebnisse aus.

Nach der Saison wollte die sportliche und die Vereinsführung die Saison generalsstabsmäßig analysieren und die entsprechenden Konsequenzen unter Berücksichtigung der wirtschaftlichen und finanziellen Rahmenbedingungen prüfen und umsetzen. Dabei kam heraus: „Erst muss verkauft werden, dann können wir investieren. Auf die Rolle die Mitgliederversammlungen und Satzungsänderungsanträge in diesem Zusammenhang gespielt haben will ich hier nicht eingehen. Dass sie Einfluss hatten steht für mich jedoch außer Frage.

Schon früh in der Planung stand fest, dass David Jarolim und Mladen Petric – um nur die prominentesten zu nennen – Hamburg verlassen mussten. Später gesellten sich dann noch Guerrero und Töre dazu. Damit war erst einmal ein wenig Spielraum da um neue Spieler zu verpflichten. Es kamen Adler, Rudnevs und der Rückkehrer Beister wurde mit einem langfristigen Vertrag ausgestattet. Danach gerieten sowohl die Verkaufs – als auch die Einkaufsaktivitäten ins stocken. Der nächste Schritt war die Verpflichtung von Milan Badelj, der erst ab dem 29.08.2012 zur Verfügung stehen darf, da er noch das Rückspiel in der CL – Qualifikation für Dinamo Zagreb absolvieren muss. Wohl zu spät für einen Einsatz in Bremen.

Parallel dazu verkündete der geschäftsführende Vorstand, dass der HSV für die Philosophie stehe mit Nachwuchskräften aus den eigenen Reihen den Weg an die Spitze antreten zu wollen. Um dieses zu unterstreichen wurde das Projekt „Campus“ aus der Taufe gehoben. Hier sollen ab dem 29.09. 2012 Mitglieder und Fans dem HSV zu einer Summe von 12,5 Millionen € verhelfen, die mit 6 bis / Prozent verzinst werden sollen. Im Prinzip eine gute Idee das Nachwuchszentrum von Norderstedt in den Volkspark zu verlegen. Im Prinzip auch eine gute Idee den Nachwuchs verstärkt in die Kaderplanung der Zukunft einzubeziehen. Jedoch hilft es den letztjährigen Tabellen 15. aktuell nicht.

Zwar gibt es mit Steinmann und Norgaard zwei 17 bzw. 18 jährige Talente die mit den Profis trainieren und mit Norgaard war einer von ihnen im Kader gegen den 1. FC Nürnberg, aber es fehlt dem Trainer der Mut diese jungen Spieler auch einzusetzen.

Wenn ich von den ersten beiden Pflichtspielen in dieser Saison als Grundlage ausgehe sehe ich keine positive Veränderung zur Vorsaison. Im Gegenteil. Nach 112 Tagen Sommerpause hat sich an der Einstellung vieler Spieler zu ihrem Beruf (Job) nichts zum Positiven verändert. Es wirkt geradezu so, als sei es eine lästige Angelegenheit dem gut bezahlten Job eines Fußballprofis nach zu gehen. Der, dass sei hier einmal kurz angemerkt, im Verhältnis zu anderen Berufen wie Krankenschwester, Arzt und vielen anderen keinerlei wirkliche Verantwortung mit sich bringt.

Nun kann man seiner Arbeit immer auf zweierlei Weise Nachkommen: So dass gerade reicht oder so, dass einem selbst Spaß macht: Ich frage mich, während ich diese Zeilen schreibe, wie es sich für einen Fußballprofi anfühlt wenn er nach lustlos absolvierter Arbeit nachhause geht. Einsatz, Engagement und Leidenschaft für seinen Beruf erwartet jeder Arbeitgeber. Fordert der HSV in Person von Fink, Arnesen und Jarchow oder auch Otto und Ertel dieses in ausreichendem Maß ein? Leider kann ich diese Frage nicht beantworten. Berücksichtige ich die in dieser Saison abgelieferten Leistungen einiger Spieler komme ich zu dem Ergebnis, dass dieses nicht der Fall sein kann. Es ist ohne Zweifel richtig, dass der Trainer für die Einstellung der Spieler verantwortlich ist. Allerdings hat kein Trainer der Welt bei einem Spieler eine realistische Chance, diese zu positiv zu verändern wenn er der Spieler es nicht will. Also eine Charakterfrage.

Unser Trainer Thorsten Fink möchte mit seiner Mannschaft – unserem HSV – sein System spielen. Dieses soll auch in allen Mannschaften des HSV gespielt werden, die dem profibereich zuarbeiten. Soweit, so gut. Aber ist das System für den bestehenden Profikader realistisch umsetzbar? Antwort: Nein. Siehe Resultate.

Trotz einer personell stark ausgelegten Defensive fallen regelmäßig mehr Gegentore als wir selbst schießen. Wie in der letzten Saison geht es auch in dieser munter damit weiter, dass sie besonders häufig nach Standardsituationen erzielt werden. Wenn ich es richtig gezählt habe vier von fünf in dieser Saison. Unser System, dass über die Dominanz kommen soll, zum Torerfolg führen soll und schließlich den Sieg zum Ziel hat, benötigen wir eine sichere Ballbehandlung von der Annahme bis zur Weiterverarbeitung. Sicheres Passspiel. Habe ich mindestens seit Monaten nicht mehr von unserem HSV gesehen. Gestern gegen den FCN war es eher zufällig wenn ein Zuspiel ankam. Da drängt sich nicht nur eine Frage auf. Die wichtigste scheint mir zu sein: Was hat Fink mit der Mannschaft trainiert?

Sollte es daran liegen, dass unsere Spieler technisch noch so unfertig sind? Zuspiele über zwei Meter waren gegen Nürnberg keine sichere Sache. Vielleicht ist der Kader von dem verlangten Spielsystem aber auch einfach nur überfordert und es muss ein einfacheres System gespielt werden. Eines, das alle kennen. Vielleicht ein 4 – 4 – 2 oder auch ein 4 – 3 – 3. Zwar spielt u. a. die deutsche Nationalmannschaft das „finksche System“  Trainer Thorsten Fink muss sich hinterfragen ob das 4 – 2 – 3 – 1 das System ist, dass er von seinem Kader spielen lassen kann. Ist der vorhandene Kader dazu befähigt es umzusetzen? Meiner Meinung nach ist er es nicht. Personelle Veränderungen können da vielleicht noch etwas bewegen. Mit dem vorhandenen Personal und den schnellen Leuten im Kader sollte der Schwerpunkt des Spiels nicht auf Dominanz, Kontrolle und Ballbesitz ausgerichtet sein, sondern auf das Erfolgsmodell der Vereine die in der vergangenen Saison in Hamburg gewonnen haben. Die wesentlichen Bausteine waren eine sichere Defensive und bei eigenem Ballbesitz (blitz-) schnelles Umschalten auf Offensive mit einem schnellen Abschluss. Eine simple Kontertaktik. Für den Gegner schwerer zu bespielen als ein Team, dass Dominanz ausüben will, statt Tore zu schießen.

Die gestrige Startelf mit Adler, Diekmeier, Bruma, Mancienne, Aogo, Westermann, Skjelbred, Sala, Son, Jansen, Berg hat mich schon sehr gewundert, aber es gibt wohl kaum etwas zwischen Erde und Himmel was nicht noch überraschender gestaltet werden kann. Da wird für den sicherlich nicht guten Sala in der 58. Minute von Fink der theoretisch ausgemusterte Tesche eingewechselt. Das passt von der Position her nicht und die Aufgabe wurde auch in der folgenden guten halben Stunde Einsatzzeit nicht deutlich. War es der Versuch den Verantwortlichen zu zeigen, dass es mit diesem Kader für die Bundesliga nicht reicht? Die Pfiffe die nach der Einwechslung durchs Rund gingen galten nach meiner Wahrnehmung jedenfalls nicht Tesche, sondern Fink. Vielleicht lag es daran, dass viele Beobachter des Spiels ein offensives Signal von der Trainerbank an die Mannschaft erwartet hatten. Also Beister oder Rudnevs z. B. für den von Beginn an völlig überforderten Son. Aber Son musste erst nach der Nürnberger Führung gehen, ebenso wie Skjelbred. Dafür kamen dann Beister und Rudnevs. Und dieser Rudnevs hatte in zwanzig zwei gute Szenen in denen er mit etwas mehr Glück hätte einnetzen können. Sicherlich benötigen beide Spieler genauso wie Son noch viel Spielerfahrung und müssen stetig dazu lernen, aber wenn sie nicht spielen (Rudnevs, Beister) können sie sie nicht gewinnen. Ich gebe zu, dass ich gegen den Club eine offensivere Aufstellung erwartet habe. Eine in der Rudnevs und Beister von Anfang an spielen.

Der HSV steht sich selbst im Weg

Ein Kommentar

Klaus Michael Kühne, Hamburger – in der Schweiz – lebende Unternehmer und HSV – Fan wehrt sich. Er wehrt sich dagegen vom Vorstand des HSV missachtet und ignoriert zu werden. Zunächst ließ er über seine Firma eine Pressemitteilung veröffentlichen und erläuterte diese wenig später in einer Telefonpressekonferenz.

Wenn ein seriöser Mann wie Herr Kühne sich an die Öffentlichkeit wendet um Sachverhalte um die Verpflichtung eines Toppregisseurs für den HSV mitzuteilen, um seine Befürchtungen hinsichtlich einer aus seiner Sicht Inaktivität des Vorstandes transparent zu machen und konkrete Ideen formuliert wie Mitinvestoren einbezogen werden können, dann ist das zunächst einmal nichts weiter als sein gutes Recht.

Leider bedient er damit gleichzeitig all jene im HSV die vor der Einflussnahme im Verein durch Geldgeber warnen. Aus welchen ehrenvollen Motiven sie es auch tun unter dem Strich wird dabei herauskommen, dass der HSV im besten Fall einen sehr langen Weg ohne jegliche reelle Chance auf eine Verbesserung seiner sportlichen und damit einhergehenden wirtschaftlichen Situation vor sich hat. Sicher ist aus Sicht vieler HSVer der gewählte Weg des Herrn Kühne nicht der geeignete um erfolgreich sein Anliegen zum Erfolg bringen zu können. Wobei ich mich frage welchen Weg er nach ausschöpfen anderer Möglichkeiten noch hätte wählen können um nicht noch mehr Zeit zu verlieren.

Mit seinem Anliegen einen Toppspieler für den HSV weitestgehend zu finanzieren und den in der Telefonkonferenz gemachten Angaben legt er zudem deutlich den Finger in die wirklichen Wunden des HSV. Schon 2010 stieß das Investorenmodell Anstoß hoch ³ auf massive vereinsinterne Kritik. Wobei ich bis heute glaube, dass die vorgebrachte Kritik im wesentlichen Kritik an Hoffmann und nicht so sehr an dem Modell war. Leider kam es nicht dazu, dass drei Investoren gefunden wurden.

Auf der Mitgliederversammlungen am 15.01.2012 und der außerordentlichen Mitgliederversammlung am 20.05.2012 sagte Herr Jarchow, dass es mit ihm keine Investorenmodelle gibt und geben wird. Im Januar leistet Arnesen noch Widerstand und insgeheim hofft er wohl auch jetzt noch an einen Mäzen. Liest man aber die Reaktion Jarchows auf die Aussagen Kühnes im Hamburger Abendblatt vom 14.07.2012 so wird schnell klar, dass über den bestehenden Vertrag mit Herrn Kühne keine weitere Zusammenarbeit mehr möglich sein wird. Das Tischtuch ist offensichtlich zerschnitten.

Die Crux des HSV ist dabei, dass wieder einmal aus falsch verstandenen Traditionsbewusstsein eine große Chance freiwillig und wissend nicht genutzt wird. Im Verein steht nicht erst seit Hoffmann, sondern seit der Einführung des Aufsichtsrates eine grundsätzliche Klärung der Frage aus, ob der HSV nicht ebenso selbstverständlich wie er eine Stadiongesellschaft betreibt auch eine Fußballgesellschaft betreiben muss und will um in der ersten Bundesliga auf Dauer bleiben zu können.

Nachfolgend die Pressemitteilung und das Protokoll der Telefonpressekonferenz wie es am 13.07.2012 bei matz ab veröffentlicht wurde.

Zitat der Pressekonferenz nach „Matz ab“ vom 13.07.2012:

Kühne: “Es war eine schwere Saison, die ich nicht zuletzt durch meine Investition in sechs Spieler mit großer Besorgnis verfolgt habe. Denn mein Engagement war nicht von Erfolg gekrönt. Es gab eher den gegenteiligen Effekt. Dazu kam der Wechsel im Vorstand und dem Aufsichtsrat. Ich hatte plötzlich immer andere Ansprechpartner, nachdem ich vor 3,5 Jahren mal angesprochen wurde, um Rafael van der Vaart in Hamburg zu halten. Dann kam die zweite Welle mit den Neuzugängen Westermann, Diekmeier und noch ein paar Neuen, bei deren Finanzierung ich mich beteiligt habe. Und das war nicht von Erfolg geprägt. Ich habe auch damals immer wieder gesagt, ‘Ihr müsst Topspieler holen’. Ich habe immer wieder Empfehlungen gegeben, daran zu arbeiten, die Mannschaftschaft richtig zu formen. Fink kam als Trainer und war ein großer Hoffnungsträger, war aber auch nicht nur von Erfolg geprägt. Ich sympathisiere mit dem HSV. Aber es ist keine Mannschaft, es ist keine Regie da. Und jetzt ist Rafael van der Vaart plötzlich doch zu bekommen – wenn sich dort was bewegt. Und das stimuliere ich. Ich will, dass das Thema ernst genommen wird vom Vorstand und man sich echt darum bemüht.”

Frage: Wie würde Ihr Engagement konkret aussehen?

Kühne: Ich habe vernommen, dass er eine hohe Ablösesumme und ein hohes Gehalt kosten würde. Und ich bin der Meinung, das ist zu stemmen. Dafür würde ich auf meinen Anteil von 1,5 Millionen Euro des Verkaufs von Guerrero verzichten. Ich würde den Betrag für Neuverpflichtungen zur Verfügung stellen und darauf noch etwas draufsatteln.

Frage: Befürchten Sie, dass sich der HSV nicht wirklich um van der Vaart bemüht?

Kühne: Mir ist wichtig, dass mal ein Konzept vom Vorstand auf den Tisch kommt, wie die Verpflichtung von Rafael van der Vaart gestemmt werden kann. Die Vergütung ist so hoch, dass ich die Vorsicht des Vereines verstehen kann. Aber ich könnte mir sehr gut vorstellen, bei einem Vertrag von drei bis fünf Jahren jährlich meinen Beitrag beizusteuern.

Frage: Sie sprachen zuletzt davon, nur noch als ein Teil einer Investorengruppe agieren zu wollen. Gibt es schon weitere Investoren?

Kühne: Ja, es gibt welche, die auch von mir genannt wurden, die angesprochen werden können. Man darf nicht immer nur mich bedrängen, dass ich etwas tun sollte. Der Ganze Segen kommt nicht von mir allein. Es muss eine gemeinsame Bewegung sein.

Frage: Immerhin wurde Paolo Guerrero verkauft und somit Freiraum für weitere Verpflichtungen geschaffen.

Kühne: Der erste Schritt wurde gemacht – aber eben mit einem Verkauf. Es muss aktiver daran gearbeitet werden, da ist es einfach noch zu ruhig. Man muss sich jetzt rüsten, das Momentum nutzen. Man darf nicht warten, bis die gesamte Finanzierung steht. Ich wünsche mir da einen zielstrebigeren Vorstand. Das habe ich den Herren auch mehrfach gesagt.

Frage: Haben Sie Sorgen, der HSV könne absteigen?

Kühne: Ich will mich nicht einmischen. Aber dieses Jahr wird es nicht noch einmal drei Mannschaften geben, die schlechter sind als wir, so wie im letzten Jahr. Denn wenn man ehrlich ist, sind wir nur deshalb nicht abgestiegen. Verdienten hätten wir es – leider. Was da gespielt wurde, ging auf keine Kuhhaut.

Frage: Der Vorstand hat die Verjüngung des Kaders weit nach vorn gestellt. Rafael van der Vaart ist schon 29…

Kühne: Ein junger Spieler der gleichen Klasse wäre auch okay. Aber der wurde ja nie gefunden. Ein Rafael van der Vaart würde gut passen, der kann eine Leitfigur sein.

Frage: Aber die Finanzierung ist bei kolportierten fünf Millionen Euro per annum für den HSV nicht zu stemmen.

Kühne: Ich würde mich natürlich an den laufenden Bezügen nicht unmaßgeblich beteiligen. Darüber habe ich den Verein auch informiert. jetzt herrscht Klarheit. Ich warte auf konkrete Vorschläge des Vorstandes. Da ich sehr interessiert bin an einer Verpflichtung van der Vaarts, würde ich sicher über meinen Schatten springen und mehr geben als ursprünglich gedacht.

Frage: Warum werden Sie in dieser Form öffentlich? Vorstandsboss Carl Jarchow nannte ihren Vorstoß gerade “überraschend und in dieser Form nicht zielführend”?

Kühne: Ich habe Herrn Jarchow mehrfach vorher angerufen und nicht erreicht. Er scheint sehr schwer zu erreichen zu sein. Ich hatte ihm gestern Abend noch die Pressemitteilung avisiert und sie ihm heute Morgen noch zur Verfügung gestellt. Er hat leider erst reagiert, als die Pressemitteilung schon raus war. Zudem haben wir meine Vorschläge mehrfach erörtert.

Frage: Sie meinen Ihre Vorschläge, wie der HSV zu Geld kommen kann. Dabei nannten sie eine mögliche Streckung des Stadionkredites und Anleihen der Fans.
Kühne: Leider ist mir der HSV etwas zuvorgekommen mit dem Darlehen der Mitglieder. Damit sind die Mitglieder schon in eine Richtung gelenkt. Ich hatte den HSV-Groschen empfohlen. Wir wollen hier Spieler zusammen verpflichten. Und wenn 60000 Mitglieder im Schnitt 100 Euro geben würden, käme schon eine sehr stolze Summe zusammen. Selbst wenn es nur die Hälfte würde, wäre das mehr als beachtlich. Warum das nicht so gelaufen ist, weiß ich nicht.

Frage: Sollte Rafael van der Vaart nicht verpflichtet werden können, wie reagieren Sie? Ziehen Sie sich dann komplett zurück?

Kühne: So drastisch würde ich das nicht formulieren. Aber ich würde mir sicher meinen Anteil an Guerrero erbitten. Dennoch würde meine Sympathie ja nicht aufhören. Aber wenn ich weiter keine Resonanzen habe, muss ich sicher passiv bleiben. Der HSV hat sich zuletzt immer schwer getan. Es gab immer Listen mit tollen Namen, die dann aber alle nicht gekommen sind. Weil die Attraktivität zu gering ist, der HSV nicht international spielt. Wenn die Attraktivität höher wäre, und dazu würde so eine Personalie wie van der Vaart führen, dann wäre es auch leichter, jemanden zu holen. Man muss mal wieder einen Coup landen.

Frage: Wie bei Guerreros Verkauf nach Sao Paulo?

Kühne: Der Verkauf war sicher sehr gut. Guerrero war unberechenbar und auch nicht so erfolgreich. Das war der erste gute Schritt. Aber eben ein Verkauf.

Frage: Glauben Sie, der Vorstand will van der Vaart verhindern?

Kühne: Mir ist gesagt worden, man will ihn haben und der Trainer will van der Vaart. Aber das letzte Feuer brennt da nicht in den Augen. Dabei muss man auch mal etwas wagen, um wieder international zu spielen. Hier muss der Vorstand mal Mut haben, so wie ich es auch habe.

Frage: Dagegen steht das Argument der finanziellen Limitiertheit. Glauben Sie den Zahlen der Verantwortlichen in Hamburg nicht?

Kühne: Da wird im Verein zu tief gestapelt. So schlecht ist das nicht. Und ich würde doch auch einen substanziellen Anteil beisteuern, wenn die Gesamtfinanzierung angepackt wird. Aber da habe ich leider zu wenig Einblick. Dennoch muss der Vorstand Fantasie entwickeln, Ideen haben. Ich wäre auch zu anderen Modellen bereit, könnte beispielsweise ein Darlehen geben. Man muss mal alle Zahlen aufstellen, dann sehe ich, ob ich die Lücke komplett schließen kann oder ob ich vielleicht noch jemanden hinzuhole.

Frage: Gibt es Gespräche mit weiteren Investoren seitens des HSV?

Kühne: Das eher nicht. Aber ich habe von Dritten gehört, die Gespräche führen, auch Sympathisanten sind und mit mir in Verbindung stehen.

Ende des Zitats.

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