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Der HSV steht sich selbst im Weg

Ein Kommentar

Klaus Michael Kühne, Hamburger – in der Schweiz – lebende Unternehmer und HSV – Fan wehrt sich. Er wehrt sich dagegen vom Vorstand des HSV missachtet und ignoriert zu werden. Zunächst ließ er über seine Firma eine Pressemitteilung veröffentlichen und erläuterte diese wenig später in einer Telefonpressekonferenz.

Wenn ein seriöser Mann wie Herr Kühne sich an die Öffentlichkeit wendet um Sachverhalte um die Verpflichtung eines Toppregisseurs für den HSV mitzuteilen, um seine Befürchtungen hinsichtlich einer aus seiner Sicht Inaktivität des Vorstandes transparent zu machen und konkrete Ideen formuliert wie Mitinvestoren einbezogen werden können, dann ist das zunächst einmal nichts weiter als sein gutes Recht.

Leider bedient er damit gleichzeitig all jene im HSV die vor der Einflussnahme im Verein durch Geldgeber warnen. Aus welchen ehrenvollen Motiven sie es auch tun unter dem Strich wird dabei herauskommen, dass der HSV im besten Fall einen sehr langen Weg ohne jegliche reelle Chance auf eine Verbesserung seiner sportlichen und damit einhergehenden wirtschaftlichen Situation vor sich hat. Sicher ist aus Sicht vieler HSVer der gewählte Weg des Herrn Kühne nicht der geeignete um erfolgreich sein Anliegen zum Erfolg bringen zu können. Wobei ich mich frage welchen Weg er nach ausschöpfen anderer Möglichkeiten noch hätte wählen können um nicht noch mehr Zeit zu verlieren.

Mit seinem Anliegen einen Toppspieler für den HSV weitestgehend zu finanzieren und den in der Telefonkonferenz gemachten Angaben legt er zudem deutlich den Finger in die wirklichen Wunden des HSV. Schon 2010 stieß das Investorenmodell Anstoß hoch ³ auf massive vereinsinterne Kritik. Wobei ich bis heute glaube, dass die vorgebrachte Kritik im wesentlichen Kritik an Hoffmann und nicht so sehr an dem Modell war. Leider kam es nicht dazu, dass drei Investoren gefunden wurden.

Auf der Mitgliederversammlungen am 15.01.2012 und der außerordentlichen Mitgliederversammlung am 20.05.2012 sagte Herr Jarchow, dass es mit ihm keine Investorenmodelle gibt und geben wird. Im Januar leistet Arnesen noch Widerstand und insgeheim hofft er wohl auch jetzt noch an einen Mäzen. Liest man aber die Reaktion Jarchows auf die Aussagen Kühnes im Hamburger Abendblatt vom 14.07.2012 so wird schnell klar, dass über den bestehenden Vertrag mit Herrn Kühne keine weitere Zusammenarbeit mehr möglich sein wird. Das Tischtuch ist offensichtlich zerschnitten.

Die Crux des HSV ist dabei, dass wieder einmal aus falsch verstandenen Traditionsbewusstsein eine große Chance freiwillig und wissend nicht genutzt wird. Im Verein steht nicht erst seit Hoffmann, sondern seit der Einführung des Aufsichtsrates eine grundsätzliche Klärung der Frage aus, ob der HSV nicht ebenso selbstverständlich wie er eine Stadiongesellschaft betreibt auch eine Fußballgesellschaft betreiben muss und will um in der ersten Bundesliga auf Dauer bleiben zu können.

Nachfolgend die Pressemitteilung und das Protokoll der Telefonpressekonferenz wie es am 13.07.2012 bei matz ab veröffentlicht wurde.

Zitat der Pressekonferenz nach „Matz ab“ vom 13.07.2012:

Kühne: “Es war eine schwere Saison, die ich nicht zuletzt durch meine Investition in sechs Spieler mit großer Besorgnis verfolgt habe. Denn mein Engagement war nicht von Erfolg gekrönt. Es gab eher den gegenteiligen Effekt. Dazu kam der Wechsel im Vorstand und dem Aufsichtsrat. Ich hatte plötzlich immer andere Ansprechpartner, nachdem ich vor 3,5 Jahren mal angesprochen wurde, um Rafael van der Vaart in Hamburg zu halten. Dann kam die zweite Welle mit den Neuzugängen Westermann, Diekmeier und noch ein paar Neuen, bei deren Finanzierung ich mich beteiligt habe. Und das war nicht von Erfolg geprägt. Ich habe auch damals immer wieder gesagt, ‘Ihr müsst Topspieler holen’. Ich habe immer wieder Empfehlungen gegeben, daran zu arbeiten, die Mannschaftschaft richtig zu formen. Fink kam als Trainer und war ein großer Hoffnungsträger, war aber auch nicht nur von Erfolg geprägt. Ich sympathisiere mit dem HSV. Aber es ist keine Mannschaft, es ist keine Regie da. Und jetzt ist Rafael van der Vaart plötzlich doch zu bekommen – wenn sich dort was bewegt. Und das stimuliere ich. Ich will, dass das Thema ernst genommen wird vom Vorstand und man sich echt darum bemüht.”

Frage: Wie würde Ihr Engagement konkret aussehen?

Kühne: Ich habe vernommen, dass er eine hohe Ablösesumme und ein hohes Gehalt kosten würde. Und ich bin der Meinung, das ist zu stemmen. Dafür würde ich auf meinen Anteil von 1,5 Millionen Euro des Verkaufs von Guerrero verzichten. Ich würde den Betrag für Neuverpflichtungen zur Verfügung stellen und darauf noch etwas draufsatteln.

Frage: Befürchten Sie, dass sich der HSV nicht wirklich um van der Vaart bemüht?

Kühne: Mir ist wichtig, dass mal ein Konzept vom Vorstand auf den Tisch kommt, wie die Verpflichtung von Rafael van der Vaart gestemmt werden kann. Die Vergütung ist so hoch, dass ich die Vorsicht des Vereines verstehen kann. Aber ich könnte mir sehr gut vorstellen, bei einem Vertrag von drei bis fünf Jahren jährlich meinen Beitrag beizusteuern.

Frage: Sie sprachen zuletzt davon, nur noch als ein Teil einer Investorengruppe agieren zu wollen. Gibt es schon weitere Investoren?

Kühne: Ja, es gibt welche, die auch von mir genannt wurden, die angesprochen werden können. Man darf nicht immer nur mich bedrängen, dass ich etwas tun sollte. Der Ganze Segen kommt nicht von mir allein. Es muss eine gemeinsame Bewegung sein.

Frage: Immerhin wurde Paolo Guerrero verkauft und somit Freiraum für weitere Verpflichtungen geschaffen.

Kühne: Der erste Schritt wurde gemacht – aber eben mit einem Verkauf. Es muss aktiver daran gearbeitet werden, da ist es einfach noch zu ruhig. Man muss sich jetzt rüsten, das Momentum nutzen. Man darf nicht warten, bis die gesamte Finanzierung steht. Ich wünsche mir da einen zielstrebigeren Vorstand. Das habe ich den Herren auch mehrfach gesagt.

Frage: Haben Sie Sorgen, der HSV könne absteigen?

Kühne: Ich will mich nicht einmischen. Aber dieses Jahr wird es nicht noch einmal drei Mannschaften geben, die schlechter sind als wir, so wie im letzten Jahr. Denn wenn man ehrlich ist, sind wir nur deshalb nicht abgestiegen. Verdienten hätten wir es – leider. Was da gespielt wurde, ging auf keine Kuhhaut.

Frage: Der Vorstand hat die Verjüngung des Kaders weit nach vorn gestellt. Rafael van der Vaart ist schon 29…

Kühne: Ein junger Spieler der gleichen Klasse wäre auch okay. Aber der wurde ja nie gefunden. Ein Rafael van der Vaart würde gut passen, der kann eine Leitfigur sein.

Frage: Aber die Finanzierung ist bei kolportierten fünf Millionen Euro per annum für den HSV nicht zu stemmen.

Kühne: Ich würde mich natürlich an den laufenden Bezügen nicht unmaßgeblich beteiligen. Darüber habe ich den Verein auch informiert. jetzt herrscht Klarheit. Ich warte auf konkrete Vorschläge des Vorstandes. Da ich sehr interessiert bin an einer Verpflichtung van der Vaarts, würde ich sicher über meinen Schatten springen und mehr geben als ursprünglich gedacht.

Frage: Warum werden Sie in dieser Form öffentlich? Vorstandsboss Carl Jarchow nannte ihren Vorstoß gerade “überraschend und in dieser Form nicht zielführend”?

Kühne: Ich habe Herrn Jarchow mehrfach vorher angerufen und nicht erreicht. Er scheint sehr schwer zu erreichen zu sein. Ich hatte ihm gestern Abend noch die Pressemitteilung avisiert und sie ihm heute Morgen noch zur Verfügung gestellt. Er hat leider erst reagiert, als die Pressemitteilung schon raus war. Zudem haben wir meine Vorschläge mehrfach erörtert.

Frage: Sie meinen Ihre Vorschläge, wie der HSV zu Geld kommen kann. Dabei nannten sie eine mögliche Streckung des Stadionkredites und Anleihen der Fans.
Kühne: Leider ist mir der HSV etwas zuvorgekommen mit dem Darlehen der Mitglieder. Damit sind die Mitglieder schon in eine Richtung gelenkt. Ich hatte den HSV-Groschen empfohlen. Wir wollen hier Spieler zusammen verpflichten. Und wenn 60000 Mitglieder im Schnitt 100 Euro geben würden, käme schon eine sehr stolze Summe zusammen. Selbst wenn es nur die Hälfte würde, wäre das mehr als beachtlich. Warum das nicht so gelaufen ist, weiß ich nicht.

Frage: Sollte Rafael van der Vaart nicht verpflichtet werden können, wie reagieren Sie? Ziehen Sie sich dann komplett zurück?

Kühne: So drastisch würde ich das nicht formulieren. Aber ich würde mir sicher meinen Anteil an Guerrero erbitten. Dennoch würde meine Sympathie ja nicht aufhören. Aber wenn ich weiter keine Resonanzen habe, muss ich sicher passiv bleiben. Der HSV hat sich zuletzt immer schwer getan. Es gab immer Listen mit tollen Namen, die dann aber alle nicht gekommen sind. Weil die Attraktivität zu gering ist, der HSV nicht international spielt. Wenn die Attraktivität höher wäre, und dazu würde so eine Personalie wie van der Vaart führen, dann wäre es auch leichter, jemanden zu holen. Man muss mal wieder einen Coup landen.

Frage: Wie bei Guerreros Verkauf nach Sao Paulo?

Kühne: Der Verkauf war sicher sehr gut. Guerrero war unberechenbar und auch nicht so erfolgreich. Das war der erste gute Schritt. Aber eben ein Verkauf.

Frage: Glauben Sie, der Vorstand will van der Vaart verhindern?

Kühne: Mir ist gesagt worden, man will ihn haben und der Trainer will van der Vaart. Aber das letzte Feuer brennt da nicht in den Augen. Dabei muss man auch mal etwas wagen, um wieder international zu spielen. Hier muss der Vorstand mal Mut haben, so wie ich es auch habe.

Frage: Dagegen steht das Argument der finanziellen Limitiertheit. Glauben Sie den Zahlen der Verantwortlichen in Hamburg nicht?

Kühne: Da wird im Verein zu tief gestapelt. So schlecht ist das nicht. Und ich würde doch auch einen substanziellen Anteil beisteuern, wenn die Gesamtfinanzierung angepackt wird. Aber da habe ich leider zu wenig Einblick. Dennoch muss der Vorstand Fantasie entwickeln, Ideen haben. Ich wäre auch zu anderen Modellen bereit, könnte beispielsweise ein Darlehen geben. Man muss mal alle Zahlen aufstellen, dann sehe ich, ob ich die Lücke komplett schließen kann oder ob ich vielleicht noch jemanden hinzuhole.

Frage: Gibt es Gespräche mit weiteren Investoren seitens des HSV?

Kühne: Das eher nicht. Aber ich habe von Dritten gehört, die Gespräche führen, auch Sympathisanten sind und mit mir in Verbindung stehen.

Ende des Zitats.

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