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Was macht denn. . . ? Part II

Immer noch sind es für uns vier Tage bis zum Rückrundenstart. Die Mitgliederversammlung liegt hinter uns aber so ganz zu Ende ist die „saure Gurkenzeit“ noch nicht. Bis zum Dortmund – Spiel ein weiterer Blick auf unsere ehemaligen Spieler. Was ist aus ihnen geworden? Wie ist es ihnen beim neuen Verein ergangen? Sind sie Stammspieler? Nachfolgend die ausstehenden Antworten.

Eines der jungen Eigengewächse von dem viele dachten er gehöre ganz sicher zur Zukunft des HSV war Tunay Torun. Jedoch konnte er sich nicht entschließen die Offerte zur Vertragsverlängerung in Hamburg anzunehmen. Stattdessen gab er dem Werben der Hauptstädter nach und wechselte. In einigen Zeitungen äußerte er seinen Unmut über seine Situation beim HSV und wie sich der HSV jeweils dazu verhalten hat. Fakt ist er war bei uns kein Stammspieler auch wegen zu stark schwankender Leistungen, einiger Verletzungen – darunter auch ein Kreuzbandriss – und nicht zuletzt sahen die vielen Trainer seine Spielweise recht unterschiedlich. Torun ging also. In eine bessere Zukunft? Er absolvierte 11 Bundesligaspiele (5 Ein- und 5 Auswechslungen mit 583 Spielminuten) und zwei DfB – Pokal – Spiele mit 170 Spielminuten. Er erzielte dabei 2 Tore und keinen Assist. Ich bezweifle, dass sich seine Situation beim HSV in dieser Saison verbessert hätte. Es ist auch müßig darüber zu spekulieren ob Fink ihn besser gemacht hätte. Wahrscheinlich, aber ob es für den Kader gereicht hätte? Viel Glück für den Hamburger Jung in der Hauptstadt. Vielleicht kann er sich unter Skibbe mehr in Szene setzen.

Auch von Markus Babbel verpflichtet wurde Änis Ben Hatira. Als U 19 Spieler für 25.000 € von Tennis Borussia Berlin im Januar 2006 verpflichtet spielte er zunächst in der 2. Mannschaft und wechselte zur Saison 2006/2007 zu den Profis. Schon im Januar 2006 verzückte er viele HSVer bei einem Hallenturnier. Vom Sommer 2006 bis Dezember 2009 absolvierte Ben Hatira allerdings nur 10 Bundesligaspiele mit insgesamt 304 Spielminuten. Er wurde an den MSV Duisburg ausgeliehen. Insgesamt für eineinhalb Jahre. Zwischenzeitlich wurde er mit der deutschen U 21 Nationalmannschaft Europameister. Und er wechselte zur Saison 2010/2011 zurück zum HSV. In seiner letzten Spielzeit für den HSV brachte er es auf 18 Spiele mit 1.044 Spielminuten. Dabei erzielte Ben Hatira 3 Tore, 2 Assists und wurde 6 mal ein- und 6 mal ausgewechselt. Der Vertrag lief bis 30.06.2012 und sollte verlängert werden. Ben Hatira entschloss sich in buchstäblich letzter Sekunde für eine Ablösesumme von 600.000 € zu den Berlinern und in seine Heimat zu wechseln. Für Hertha BSC spielte er schon bis 30.06.2003 bevor er zu Tennis Borussia wechselte. Für Hertha BSC spielte er in dieser Saison 8 Mal und wurde dabei 5 mal ein – und 4 mal ausgewechselt. Im Spiel in Bremen wurde Ben Hatira in der 46. Minute eingewechselt und musste den Platz in der 66. Minute wieder verlassen. Insgesamt spielte er bisher für Hertha 301 Minute in der Bundesliga.

Der nächste Hamburger Jung und einstige Hamburger Sturmhoffnung war Eric Maxim Choupo Moting. In Hamburg geboren hatte er beste Startvoraussetzungen für eine lange und erfolgreiche Karriere beim HSV. Außerdem bot er als Hamburger ein hohes Maß an Identifikation. Aber, es kam alles ganz anders. Zunächst machte sein Vater und gleichzeitig Berater mehr Schlagzeilen als sein Sohn. Für den HSV schoss er in 48 Spielen 7 Tore in der Bundesliga. Insgesamt war das zu wenig und er konnte sich unter keinem Trainer wirklich durchsetzen und wurde wie so viele junge Spieler in den vergangenen Jahren ausgeliehen um Spielpraxis zu sammeln. Eric Maxim ging für ein Jahr nach Nürnberg und schoss dort in 27 Spielen einschließlich der Relegation 6 Tore und ein Assist. Anzumerken ist hier noch, dass er in den beiden Relegationsspielen überdurchschnittlich erfolgreich war. Zum Klassenerhalt der Nürnberger steuerte er 1 Tor und ein Assist bei. Damit war er an zwei von drei Nürnberger Toren beteiligt. In der Saison 2010/2011 spielte er wieder für den HSV. Im Winter sollte er nach Köln wechseln, allerdings kam dieser Transfer wegen eines defekten  FAX – Gerätes nicht zustande. Zur aktuellen Spielzeit wechselte er nach Mainz. Hier spielte er in allen 17 Partien insgesamt 993 Minuten. Dabei erzielte er 4 Tore. Er wurde 8 mal ein – und 2 mal ausgewechselt. Wir erinnern uns an seine Großzügigkeit im Spiel gegen uns als er mehrere hochkarätige Chancen ungenutzt ließ.

Collin Benjamin, das Urgestein, der HSV – Spieler der am längsten im Verein war. Der, der sich sogar für die Verpflichtung eines weiteren nicht europäischen Spielers reamateurisieren ließ. Der, der nie maulte wenn er auf der Bank oder der Tribüne Platz nehmen musste. Der, der ganz wesentlich zur guten Stimmung in der Mannschaft beitrug. Dieser Collin Benjamin der mit seiner frischen, fröhlichen und offenen Art viele Freunde in Hamburg gewonnen hat, war mehr oder weniger plötzlich zu alt. Collin wurde vom Hamburger Publikum phantastisch verabschiedet, was er sich in 10 Jahren im HSV Trikot mehr als redlich verdient hat. Ich hoffe, Collin kehrt z. B. als Jugendtrainer zum HSV zurück. So lange alles Gute für Collin bei den Sechzigern.

David Rozehnal einst für 5 Millionen € von Lazio Rom nach Hamburg in einer Lastminute Aktion transferiert. Der HSV und der als launisch geltende Lazio Boss konnten sich lange Zeit nicht über die Ablösesumme einigen. Damit hatte Rozehnal schon mal keine Vorbereitung mit dem HSV und wenn er spielte, spielte er oft unglücklich war auch maßgeblich an einigen Gegentoren beteiligt. Er wurde an den OSC Lille ausgeliehen und wurde mit diesem Französischer Meister. In der aktuellen Saison hat er 15 Spiele bestritten wobei zu berücksichtigen ist, dass er den Saisonbeginn durch eine Verletzung verpasst hat.

Ze Roberto ist in die Wüste gegangen nach dem er für den HSV zu teuer und zu alt (36 J.) geworden war. In den zwei Jahren beim HSV spielte er immer dann gut, wenn die äußeren Bedingungen (Sonnenschein) es „zu ließen“. Insgesamt machte 72 Spiele (wettbewerbsübergreifend) für den HSV und erzielte dabei 8 Tore und 20 Assists. Wie man rund um das „Match against Poverty“ hören konnte ist er in Katar als Kapitän beim Al Gharafa Sports Club unzufrieden und fühlt sich nicht genügend gefordert. Gott sei Dank, hat Thorsten Fink das aufkommende Gerücht (Ze zum HSV) sofort beendet mit der Aussage: „Wir haben kein Interesse.“

Guy Demel kam zur Saison 2005/2006 von Borussia Dortmund zum HSV. Er war auf Anhieb die erhoffte Verstärkung auf der rechten Außenverteidigerposition. Auch als Innenverteidiger und als defensiver Mittelfeldspieler ist Demel erfolgreich eingesetzt worden. Leider wurde seine Spielweise immer nachlässiger, seine oft gefährlichen Vorstöße wurden seltener und in den beiden letzten Jahren beim HSV war er auch an der Entstehung wichtiger Tore für den Gegner beteiligt. Anspruch und reale Leistung klafften immer weiter auseinander. Ein Jammer wenn man die nachgewiesenen Fähigkeiten des Guy Demel als Maßstab nimmt. Als Last Minute Transfer wechselte er zu West Ham United in die zweite englische Liga. Dort bestritt er in dieser Saison nur zwei Spiele mit insgesamt 81 Spielminuten.

Was macht denn. . . ?

Im Grunde sind Spielpausen im Ligabetrieb für den eingefleischten Fußballfan sterbenslangweilig. Im Fall des HSV gibt es inzwischen die Ansage des Sportdirektors Frank Arnesen, dass es in dieser Transferperiode keine Neuverpflichtung geben wird. Somit zumindest aktuell kein wirkliches Thema, es sei denn Frau/Mann stellt sich seine Wunschmannschaft auf. Selbstredend kann man natürlich auch Kritik und Lob zur Hinrunde diskutieren, ist im Angesicht von „vier“ Trainern auch nicht wirklich ergiebig. Auch kann man über den anvisierten siebten Platz nachdenken und darüber sinnieren ob dieser noch für die Europa League reichen könnte. Oder man fragt sich: Was ist aus unseren ehemaligen Spielern geworden? Wie ist es ihnen beim neuen Verein ergangen? Sind sie Stammspieler geworden? Nachfolgend einige Antworten dazu.

Publikumsliebling Frank Rost hat es in der Major League Soccer (MLS) bei New York Red Bulls auf Anhieb zum Stammkeeper gebracht und spielte in der abgelaufenen Saison unter anderem mit Thiery Henry zusammen. Leider war für ihn und seine Red Bulls im Viertelfinale gegen den späteren US – Champion im Viertelfinale das Ende gekommen. Ob Frank noch für eine weitere Saison in New York bleibt ist ungewiss.

Ein einstiges Sorgenkind des HSV war Jonathan Pitroipa. Pfeilschnell ist er nach wie vor, aber hat er inzwischen bei Stade Rennes das Tore schießen gelernt? Es fing ja in der Ligue 1 verheißungsvoll für den Burkinaben an. In den ersten vier Pflichtspielen (Europa League Qualifikation, Europa League und Ligue 1 erzielte er ja für ihn stolze vier Tore. Inzwischen sind es 30 Pflichtspiele für ihn geworden, was ihn als absoluten Stammspieler bei Stade Rennes ausweist, aber in den weiteren 24 Spielen erzielte er nur noch 2 magere Tore.

Von seinen Fähigkeiten her war Eljero Elia wohl der talentierteste HSV – Spieler seit vielen, sehr vielen Jahren. Gewiss er war und ist immer noch ein junger Profi, aber mir scheint ein wenig zu viel zu träumen. Zum Beispiel von Real Madrid und dem FC Barcelona. Er beschwerte sich ja auch schon mal wenn er seiner Meinung nach zu wenige spielte. Nun ja. Für den HSV absolvierte er bis zum 31.08.2011 noch 120 Minuten bei vier Einsätzen in der Bundesliga, in Turin, für die „alte Dame“ Juventus spielte er gerade mal 166 Minuten in vier Spielen. Wenn ich diese Daten lese tut es mir einerseits sehr weh, wenn ich daran denke wie er in seinen ersten fünf sechs Spielen für den HSV auftrumpfte. Er war schnell, trickreich, durchsetzungsfähig und torgefährlich. Leider scheiterten alle Versuche beim HSV ihn wieder an diese Leistungen heran zuführen. Zeitweise war ich auch der Meinung, dass es unter anderem an den Trainerwechseln gelegen hätte, dass er seine Leistung nicht abrufen konnte. Einige waren schon lange der Meinung, dass sein Berater ihn nicht auf dem Boden der Tatsachen zurück holt, sei eine Ursache für seine nicht befriedigenden Leistungen. Neuer Verein, neues Glück? Ganz und gar nicht. Auch in Turin kommt er nicht zum Zug. Noch weniger als zuvor beim HSV. Schade, es ist für mich einfach nur ein Jammer, dass er sein Talent, seine Fähigkeiten die für mich ohne Zweifel hat so vergeudet.

Joris Mathijsen hat sich in Malaga in der Stammformation festgespielt. Dort wird mit deutlich mehr Geld als beim HSV je zur Verfügung stand und steht, das Model „Erfahrung“ erneut praktiziert. Ziel ist ein internationaler Startplatz, der nach 17 Spieltagen realistisch erscheint. Gegenwärtig sind sie Tabellensechster.

Für Ruud van Nistelrooy läuft es hingegen gar nicht in Malaga. Jedenfalls nicht nach seinem Maßstab. In 14 Ligaspielen kam er über 715 Spielminuten nicht hinaus. In drei Pokalspielen erreichte er immerhin 222 Minuten. Insgesamt wurde er sechsmal ein- und siebenmal ausgewechselt. Er erzielte dabei 2 Tore und ein Assist.

Der Hamburger Jung, der Dribbelkünstler, der Unverstandene. Er hat viele Beinamen der Piotr Trochowski. Er sei nicht zielstrebig genug hieß es immer wieder. Er müsse mit seiner herausragenden Schusstechnik sowohl aus dem Spiel heraus als auch bei Standardsituationen für mehr Torgefahr sorgen. In Hamburg ist man lange sehr nachsichtig mit ihm in diesen Punkten gewesen. Bis zu zu dem Zeitpunkt an dem er selbst eine neue Herausforderung für sich gesucht und gefunden hat. Läuft es besser? Bisher stehen für ihn in der Premiera Division, der Copa del Rey und der Europa League 20 Einsätze zu Buche. Dabei ist er einmal ein- und elfmal ausgewechselt worden. Tore und Assists Fehlanzeige.

Es stehen noch einige Spieler wie die Hamburger Nachwuchsspieler Torun, Choupo Moting oder Ben Hatira aus, auch ein Rozehnal und ein Benjamin fehlen noch. Sie werden nachgereicht. Für heute mag sich jede/r seine eigene Meinung über erfolgreiche oder weniger erfolgreiche Wechsel machen.

Die Hinrunde

Im Grunde begann die Hinrunde mit der Verpflichtung Frank Arnesens als neuem Sportchef bei unserem HSV. Bernd Hoffmann hatte diese Zusammenarbeit eingefädelt – eigentlich Aufgabe des Aufsichtsrates sich um Personalien des Vorstandes zu kümmern – die der selbige dann diesmal ohne voreilige Veröffentlichungen unter Dach und Fach brachte. Artig freute sich auch der neue Vorstand auf die Zusammenarbeit mit dem Neuen. Als Reputation brachte er die Entdeckung einiger späterer Weltstars wie Ronaldo oder Ruud van Nistelrooy mit. Auch hat er als Spieler der Vereine Fremad Amaga, Ajax Amsterdam, FC Valencia, RSC Anderlecht und PSV Eindhoven zwischen 1974 und 1988 einige Erfolge aufzuweisen. In dieser Zeit spielte er 52 Mal für die dänische Nationalmannschaft und schoss dabei 14 Tore. Darüber hinaus war er als Co-Trainer von 1991 – 1994 beim PSV Eindhoven tätig. In Kürze seine weiteren Stationen als Nachwuchskoordinator, Chefanalytiker, Sportdirektor und Manager. Bei Vereinen wie PSV Eindhoven, Tottenham Hotspurs und dem FC Chelsea. Eine Vita die gewiss eine Empfehlung für den HSV ist. 37 Jahre im Profifußball, die dazu führten ihn schon lange vor Amtsantritt zum Heilsbringer, zum Messias werden und erklären zu lassen.

In den Medien und den verschiedensten Foren bekam er die ersten Kratzer an seinem tadellosen Image als er der weiteren Zusammenarbeit mit Michael Oenning zustimmte und nicht seinen Kandidaten Stale Solbakken (jetzt 1. FC Köln) verpflichten konnte. Einerseits hieß es, dass er mit Oenning über die zukünftige HSV – Philosophie völlig übereinstimme und er in Oenning den richtigen Trainer für den HSV sehe und andererseits wurde kolportiert, dass die Verpflichtung an einer Ablösesumme und dem Jawort für den norwegischen Verband gescheitert sei. Oenning jedenfalls machte seit seinem 6 : 2 Einstandserfolg als Cheftrainer keine erfolgreiche Figur mehr und gewann bekanntlich weder in der letzten Rückrunde noch in den ihm verbleibenden Spielen der neuen Saison ein Spiel. Lediglich ein Punkt aus sechs Spielen stand bei seiner Demission zu buche.

Schon vor Beginn der Spielzeit 2011/2012 kamen die ersten negativen Kommentare über die Einkaufspolitik Frank Arnesens auf. Es wurde gemunkelt, dass er wohl nur die „gescheiterten“ Spieler aus der zweiten und dritten Reihe des FC Chelsea kenne. In der Tat kamen mit Bruma (Vertrag 2 Jahre auf Leihbasis mit Rückrufrecht für Chelsea nach einem Jahr), Mancienne, Sala und Töre gleich vier Youngster vom FC Chelsea zum HSV. Auch der fünfte Neuzugang kam von dort. Jedoch spielte er von 2007 bis 2011 jeweils auf Leihbasis für PSV Eindhoven, FC Twente und Vitesse Arnheim in der niederländische Eredevisie. Zugang Nr. 6 war schließlich und endlich der Norweger Per Siljan Skjelbred von Rosenborg Trondheim. Drei ehemalige Leihspieler kamen zum HSV zurück. Bertram spielt für die zweite Mannschaft, Tolgay Arslan wurde als offensiver Mittelfeldspieler nach einer guten Saison bei Alemannia Aachen für die erste zurückgeholt und Markus Berg für den Angriff.

Das Thema des Sommers hieß Umbruch bei unserem HSV. Zuweilen auch mal spöttisch, mal ernst Abbruch genannt. Wen sollten die neuen, jungen und relativ gesehen unerfahrenen Spieler ersetzen? Der HSV gab Spieler wie Ze Roberto, Frank Rost, Piotr Trochowski, Ruud van Nistelrooy, Collin Benjamin, Eljero Elia, Eric Maxim Choupo Moting, Tunay Torun, Änis Ben Hatira, Joris Mathijsen, Alex Silva, Guy Demel, David Rozehnal, Jonathan Pitroipa, Mickael Tavares, Kai Fabian Schulz und Wolfgang Hesl ab. Insgesamt 18 Spieler. Zwar nicht alle aus der ersten Mannschaft, aber der Aderlass war mehr als erheblich und hatte nicht nur finanzielle Gründe. Die Altstars wie van Nistelrooy und Ze Roberto waren nicht nur zu teuer sondern brachten auch nur noch sehr bedingt gute Leistungen. Junge Spieler wie Choupo Moting oder Torun hatten den Durchbruch beim HSV nicht geschafft und ein Trochowski kam über die Rolle des nach der richtigen Position suchenden Dauertalentes und „Dribbelkünstlers“ nicht hinaus.

Zu erwarten, dass der HSV trotzdem um die internationalen Plätze mitspielen würde kam zwar in der Öffentlichkeit vor, war allerdings kaum realistisch. Meine Erwartungshaltung brachte ich am 03.08. in dem Artikel Kaltz, Kargus und Co. zum Ausdruck. Ich schrieb von einer harten Saison, die mit der Saison 19721973 zu vergleichen sein wird. Das sich die Pleiten, Pech und Pannen – Serie von Michael Oenning ungebremst in den ersten sechs Ligaspielen fortsetzen würde war trotz des schwierigen Startprogramms nicht unbedingt zu erwarten. Die Konsequenz aus den teils desaströsen Auftritten wie z. B. in München war den berühmten und noch berüchtigteren Gesetzen der Branche folgend die Entlassung Oennings. Man sollte zwar nicht froh über den Arbeitsplatzverlust eines Menschen sein, aber im Interesse des HSV und seiner bis zu 1.700 Mitarbeiter bei Heimspielen – die im Falle eines Abstiegs mehrheitlich um ihren Arbeitsplatz bangen müssten – war es die richtige und einzig mögliche Maßnahme frühzeitig die Reißleine zu ziehen.

Interimscoach Nr. 1 wurde der HSVer Rodolfo Esteban Cardoso. Um es vorweg zu nehmen: Er machte seinen Job ausgezeichnet. Sein erstes Spiel war ein Auswärtssieg  beim VfB Stuttgart. Mindestens genauso wichtig war, dass er den Spielern von der ersten Trainingseinheit an wieder Freude und Spaß am Fußball vermittelte. Diese waren bei Oenning abhanden gekommen. Ständig richtete sich Oenning nach dem jeweiligen Gegner statt seine Mannschaft stark zu machen ging es um die Stärken des Gegners. Da ein Trainer auch für die Stärken seiner Truppe zuständig und verantwortlich ist, eine schwere Unterlassungssünde. Mit Cardoso wurde ein Wechsel in dieser Hinsicht deutlich. Auf Grund der noch fehlenden Trainerlizenz durfte Rodolfo nur zwei Spiele auf der Bank Platz nehmen. Leider verlor seine Mannschaft als besseres Team mit 1 : 2 gegen Schalke. Sein bisher einmaliges Gastspiel als verantwortlicher Trainer gab am 9. Spieltag Frank Arnesen. Beim SC Freiburg gab es den zweiten (Auswärts-) Sieg der Saison. Seit dem 10. Spieltag ist Thorsten Fink der verantwortliche Cheftrainer.

Und der brachte schon bei seiner Vorstellung deutlich zum Ausdruck mit welch breiter Brust er nach Hamburg gekommen ist und dass er der Trainer ist, der der Mannschaft neues Selbstbewusstsein und –vertrauen wieder einhauchen wird. Er wolle der Mannschaft zeigen, dass sie besser ist als ihr Tabellenplatz und die geringe Punktausbeute. Während der Trainersuche lehnte Arnesen unter anderen den um den HSV verdienten ehemaligen „Retter“ Huub Stevens als Nachfolger Oennings ab. Die Begründung war zumindest für einige nicht einsehbar oder vermittelbar. Er, Arnesen, wolle einen Trainer für den HSV bei dem er das Gefühl habe, dass es zu 100 Prozent passt. Einen der mit seinem Herzen in Hamburg beim HSV ist. Stevens verhandelt in etwa zeitgleichmit Schalke 04. Verständlich und nachvollziehbar, wenn man bedenkt, dass Stevens zu diesem Zeitpunkt arbeitslos war. Für Arnesen kein Grund Stevens abzulehnen. Die Suche zog sich hin und in Öffentlichkeit gab es die ersten Stimmen, die Trainersuche mit der Sportdirektorensuche verglichen. Arnesen suchte nach dem Trainer bei dem es einfach passt. Er wollte keine Kompromisse mehr eingehen. Kompromisse a la Oenning. In Thorsten Fink hat er ihn gefunden. Zwar hat Fink den Baslern von Anfang an gesagt, dass sein Traum ein Verein in der Bundesliga sei, aber der HSV musste ihn aus einem laufenden Vertrag heraus kaufen. Dies bei einem Verein der zwei Mal hintereinander Schweizer Meister geworden war und gerade zu dem Zeitpunkt ein vielbeachtetes 3 : 3 mit dem FC Basel in Manchester bei United errungen hatte. Dies nach einem 3 : 1 Rückstand. So gesehen sprach eigentlich alles für einen Verbleib Finks in Basel. Aber Fink entschied sich schnell für den HSV. Aus verschiedenen Interviews konnte man entnehmen, dass dafür zwei Gründe wesentlich gewesen sind. Zum einen ist der HSV ein Traditionsverein mit einem richtig guten Namen in der Fußballwelt und zum anderen ist er von dem riesigen Potenzial des HSV absolut überzeugt. Bleibt für einige noch der Beigeschmack ihn aus einem laufenden Vertrag heraus gekauft zu haben. But that´s business. Tust du es nicht, tut es ein anderer.

Arnesen startete mit einem Remis im Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg. Dabei war der HSV die bessere Mannschaft. Selbst der „Kicker“ attestierte „über weite Strecken ansehnlichen Fußball“ des HSV. So sollte es noch öfter kommen. Ob in Leverkusen oder Hannover: unterschiedliche Ursachen und Spielverläufe, mit identischen Ergebnis: Remis. Unentschieden in denen Siege nicht nur möglich gewesen wären, sondern auch verdient. Andererseits gab es unter Fink auch die beiden ersten Heimsiege. Endlich und Gott, sei Dank. Trotzdem es wurden auf dem Weg in die kurze Winterpause einige Punkte liegengelassen. Punkte die schon jetzt eine deutlich bessere Platzierung zur Folge gehabt hätten. Der Abstand zu Platz 7 beträgt nur vier Punkte, auf Platz 6 sind es sieben. Die Zielrichtung für den HSV in der Rückrunde ist klar: So schnell wie möglich ins gesicherte Mittelfeld vorstoßen. So lange gilt es den Blick nach hinten zu richten. Angesichts der Schwere der ersten sechs Aufgaben kein einfaches Unterfangen. Als kleine Vorschau: zunächst ein Heimspiel gegen den BVB, dann Hertha in Berlin und haben am 20. Spieltag in der Volksparkarena Bayern München zu gast. Es folgt der 1. FC Köln auswärts, danach das große Nordderby und am 6. Rückrundenspieltag geht es zur Borussia aus Mönchengladbach.

Wie sang Xavier Naidoo schon zur WM 2006: „Dieser Weg wird kein leichter sein. Dieser Weg wird steinig und schwer.“ Trotzdem gibt sich Thorsten Fink weiterhin selbstbewusst. Und ich finde es richtig. Entscheidend ist doch zu gucken was man selbst tun kann um erfolgreich zu sein. Um nichts anderes geht es. Es geht nicht darum: „Um Gottes Willen, bloß nicht absteigen.“ Es geht darum realistische, für diese junge Mannschaft realistische Ziele zu setzen. Laut Fink ist es mindestens Rang 10. In seinen Worten: . . . unter die Top Ten kommen.

Am 03. Januar startet der HSV mit seinem Training und fliegt am 04.01. nach Marbella um sich dort auf die kommende Rückrunde vorzubereiten. Bis zum Rückrundenstart werden noch Testspiele gegen folgende Mannschaften ausgetragen: SC Lokeren (06. Januar), Christoph Daums FC Brügge (08. Januar) und ADO den Haag (10. Januar). Nach der Rückkehr gastiert der HSV bei Arminia Bielefeld (14. Januar).

Diese Testspiele benötigt die Mannschaft ganz sicherlich, denn Trainer Thorsten Fink hat angekündigt einiges, auch im personellen Bereich auszuprobieren. Er habe einige Ideen im Kopf. Andererseits soll die Mannschaft Finks Spielsystem und Selbstverständnis besser kennenlernen und umsetzen. Dazu gehören auch die Automatismen, wie Lauf- und Passwege zu verinnerlichen. Dringend notwendig scheint dies auf jeden Fall zu sein, nicht zuletzt um die Zahl der Missverständnisse während eines Spiels zu verringern und damit auch die Fehlpassquote zu senken.

Zum Schluss noch ein Blick in die nähere Transferzukunft. Fink wiederholte in einem Interview vor der Winterpause, dass es in derselben keine Neuverpflichtungen geben wird. Was die Gerüchteküche nicht wirklich bremst. Siehe auch: HSV – Transfergerüchte Weihnachten 2011. Im Gegenteil. Frank Arnesen befeuert die Gerüchte noch zusätzlich mit der öffentlich gewordenen Bitte, dass sich die Aufsichtsräte auch während der Winterpause bereit halten mögen. Die Aufsichtsräte müssen bei Abschlüssen über 500.000 € ihre Zustimmung geben. Nun warten wir ab und harren der Dinge, die auf uns zukommen. Und ganz sicher kommt vor dem Rückrundenauftakt am 22. Januar 2012 am 15. 01. die Mitgliederversammlung des HSV. Unter anderem mit der Wahl des Vorstandsmitgliedes für Mitgliederfragen. Kandidaten sind der aktuelle Vorstand Oliver Scheel und Christian „Büdi“ Blunck. Auch geht es um richtungweisende Satzungsänderungsanträge, die am 15.01. ab 11.00 diskutiert und beschlossen werden sollen.

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