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Was wirklich wichtig ist

Am vergangenen Montag startete unser HSV in die Saisonvorbereitung für die Jubiläumsspielzeit. Fünfzig Jahre Bundesliga werden im Mai 2013 hinter uns liegen und schon oder sollte ich richtiger schreiben noch immer machen sich die gleichen, nein dieselben Probleme beim HSV bemerkbar. Deutlich sichtbar für alle die in dieser Woche beim Training im volkspark dabei waren.

Schon seit mindestens vier bis fünf Jahren bricht sich beim HSV eine „Sache“ Bahn, die auch mit verantwortlich für das Saisonergebnis 2011/2012 zu machen ist. Und ich meine nicht den seit dem Abgang von Rafael van der Vaart fehlendem Spielgestalter, sondern von der in weiten Teilen der Mannschaft fehlenden Bereitschaft sich leidenschaftlich seinem Beruf als Fußballprofi zu widmen.

Wie oft haben wir in der Vergangenheit Spieler gesehen, die abwinkten wenn der Ball nicht wenigstens zentimetergenau in den Fuß gespielt worden ist. Einige zeigten sogar Einsatz in dem sie versuchten mit einem Spreitzschritt den Ball noch zu erreichen. Ich bin mir sicher, dass ich nicht der einzige bin der mal gelernt hat, dass z. B. ein Pass in die Tiefe, neufußballerisch ein vertikaler Pass, in den Lauf gespielt werden soll, wenn nicht sogar muss. Denn sonst verliert der Angespielte an Tempo und aus dem schnellen Angriff wird womöglich gar nichts mehr. Umso Fußball zu spielen bedarf es einiger Tugenden, die jeder Fußballer beherzigen muss. Zwingend umsetzen muss. Leitspruch 1: Fußball ist ein Laufspiel. Wer das nicht umsetzt wird grundsätzlich zweiter Sieger bleiben. Leitspruch 2: Ohne persönlichen Ehrgeiz sich im Wettbewerb mit Mannschaftskollegen (Training) und Gegnern durchsetzen zu wollen hat seine Zweikämpfe schon vorher verloren.

Schon der 16 jährige Wimbledon – Gewinner Boris Becker hatte seiner in einem Interview gesagt: „Ich wollte den Sieg mental mehr als mein Gegner.“ Leitsatz 3: Fußball ist nicht nur ein Mannschaftspiel, sondern es kommt auch auf den persönlichen Siegeswillen an. Davon war bei den Trainingseinheiten am Montagnachmittag und Donnerstagvormittag bei einem Großteil der Spieler wenig zu sehen, zu spüren oder wahr zu nehmen. Das indiskutable Ergebnis von Rosenheim – ein frisch aufgestiegener Regionalligist – spricht trotz aller Widrigkeiten eine deutliche Sprache in diese Richtung. Selbst wenn die Spieler am Selben Tag angereist sind und am Vortag eine Impfung für Südkorea über sich ergehen lassen mussten, so reicht mir dies nicht als Begründung für einen miesen Kick. Wenn manch einer auch sagen mag, was soll es, es war nur das erste Testspiel und es werden noch viele weitere folgen. Da kommt es nicht darauf an. Doch, genau darauf kommt es an. Auch diese Testspiele zeigen mit welcher Einstellung jemand an seine Arbeit geht.

Die Frage nach der Einstellung zur Arbeit, zum Verein und zur Leistungsbereitschaft, zur eigenen Motivation müssen die Spieler eindeutig in jeder Trainingseinheit, in jedem Testspiel und erstrecht in den Spielen im DFB – Pokal und der Bundesliga beantworten. Ebenso selbstverständlich ist es die Aufgabe des gesamten Trainerstabes, des Sportdirektors und der Masseure und Physiotherapeuten sowie der Mentalcoaches daraufhin zu wirken, dass die Spieler ihre bestmögliche Leistung abrufen. Was nützt „großes Potential“ wenn nicht einmal die Bereitschaft besteht es auch abzurufen.

In der vergangenen Saison und nicht nur in der haben wir es immer wieder erleben müssen, dass es in entscheidenden Spielen nicht gereicht hat. Wir immer wieder um bessere Resultate und Verein, Mannschaft und wir Fans keine Titel in Händen halten konnten. Jedem fällt dazu sicherlich mehr als nur ein Ereignis dazu ein. Obwohl der HSV vor der letzten Saison eine tiefe Zäsur im Kader durchgeführt hat und das Abschneiden in der vergangenen Saison dauerhaft beängstigend an der Abstiegsgrenze verlief scheinen einige Spieler nicht begriffen zu haben wofür unter anderem sie mitverantwortlich durch ihr Auftreten und ihre Spielweise waren. Und es geht schon wieder los. Thorsten Fink und alle anderen Verantwortlichen und Mitarbeiter sind aufgerufen, die immer noch faulen Früchte in der noch knapp zweimonatigen Wechselfrist auszusortieren. Andererseits ist insbesondere die sportliche Leitung jetzt (!) dazu aufgerufen diejenigen Spieler zu schützen, zu stärken und zu fördern die ganz offensichtlich gewillt sind ihr Bestes abzuliefern.

Wenn nicht jetzt, wann dann?

Was hat die diese erste Trainingswoche sonst noch gebracht?

Zunächst mal neue und alte Gerüchte über Spieler die noch gehen sollen. Die Liste beim HSV ja ziemlich lang. Drobny, Sowah, Chrisantus, Besic, Labus, Ingreso, Nagy, Sala, Skjelbred, Töre, Tesche, Berg und Guerrero. Und wäre er nicht verletzt Kacar. Dazu kommen die Spieler, die schon verabschiedet worden sind: Stepanek (Ziel unbekannt), Jarolim (voraussichtlich Ligue 1), Petric (FC Fulham) Tavares (Ziel unbekannt), Castelen (z. Zt. Probetraining in Salzburg), H. Behrens (Darmstadt 98), Brügmann und Bertram (VfL Bochum).

Schauen wir uns die Spieler mal und vor allem die Gründe, die dazu führen bzw. führten, dass sie den HSV verlassen bzw. verlassen haben oder mussten. Bei Jaroslav Drobny hat sich die Ausgangslage grundlegend geändert. Er ist wie in seinem ersten Jahr beim HSV nur noch die Nr. 2. Schon vor der Saison hat sich Thorsten auf Rene Adler als neue Nr. 1 (trotz Rückennummer. 15) festgelegt. Hatte Drobny vor seiner ersten HSV – Saison noch den Zweikampf mit Frank Rost knapp verloren, so gibt es jetzt nicht mal einen Zweikampf mit Adler in den sicherlich auch Tom Mickel eingreifen könnte. Drobny ist nahegelegt worden sich einen neuen Verein zu suchen, vor allem wohl auch deshalb weil er 1,7 Millionen € Jahresgehalt kostet. Das möchte verständlicher Weise Drobny weiterhin verdienen.

Das liebe Geld ist für den HSV auch bei einem eventuellen Verkauf Paolo Guerreros der ausschlaggebende Faktor. Sportlich heißt es, Paolo sei der beste Fußballer des HSV aber 4 bis 4,5 Millionen € Jahresgage inklusive einer jährlichen Signing Fee von einer Million € ist für die klammen Vereinskassen eine erhebliche Belastung. Anfragen soll es aus Valencia, Neapel und Kasan geben. Die Russen scheinen die finanzstärksten Interessenten zu sein.

Auf Grund ihrer sportlichen Leistung der abgeschlossenen Saison dürfen sich Tesche, Berg und Skjelbred den Verein verlassen, aber sie wollen – stand heute – bleiben. Wir dürfen gespannt sein ob es der sportlichen Leitung Frank Arnesen gelingt nicht nur diesen dreien neue Herausforderungen attraktiv zu machen.

Geht es bei Töre weiter wie in der ersten Hälfte der letzten Spielzeit ist er sicherlich ein Spieler, der nicht aus sportlichen Gründen gehen müsste. Allerdings kam er nach seiner schweren Verletzung im Wintertrainingslager nicht wieder an sein erreichtes Niveau heran. Zudem will er seinen Vertrag nicht vorzeitig verlängern. Unter diesen Gesichtspunkten ist auch er ein Wechselkandidat. Ebenso Sala der als schwer integrierbar gilt.

Die Talente Sowah, Chrisantus, Besic, Ingreso und Nagy konnten sich bisher  für die Profimannschaft nicht ausreichend in Szene setzen. Chrisantus war mindestens zwei Spielzeiten ausgeliehen und schaffte es in der zweiten Liga nicht zum Stammspieler. Zur Zeit trainiert er zwar mit den Profis, zeigt aber deutliche Schwächen im Training. Trotz selten aufblitzender Qualität ein sicherer Kandidat für einen Wechsel. Dies mal wohl kein Leihgeschäft mehr. Lennard Sowah hat sich beim HSV nicht Mal in der zweiten Mannschaft durchgesetzt und soll abgegeben werden. Besic hatte es sich schon vor rund einem halben Jahr auf Grund verschiedener Eskapaden bei Cardoso und Fink verdorben. Sein Probetraining bei Dynamo Dresden führte auch nicht zum gewünschten Erfolg. Sicher ist, dass gehen darf und soll. Ingreso und Nagy wie vielleicht auch Zhi Gin Lam sind Kandidaten für eine Ausleihe um Spielpraxis zu sammeln.

Erfreuliches hatte diese erste Trainingswoche auch zu bieten. Mit Rene Adler steht endlich wieder ein Torwart im HSV – Tor der seine Vorderleute mit klarer Sprache anweist, wie und was sie zu spielen haben. Selbst im Trainingspiel spricht er fast ununterbrochen mit ihnen. Das hat Klasse und noch mehr Klasse hat, dass ihm seine Verteidiger folgen und umsetzen was er von ihnen verlangt. Das hat Spaß gemacht und ich freue mich auf die kommenden Spiele mit ihm – trotz der guten Leistungen von Drobny im Abstiegskampf.

Negativ formuliert muss man wohl folgendes über den künftigen HSV – Angriff aussagen: Die Statik des HSV – Angriffsspiels der letzten Saison wird zusammenbrechen, einstürzen und so nicht mehr vorkommen. Mit Maximilian „Maxi“ Beister und Artjons „Rudi“ Rudnevs sind flinke, schnelle und äußerst bewegliche Offensivspieler zum HSV gekommen die beide vor Leistungswillen nur so sprühen. Rudnevs als Stürmer immer an der Grenze zur Abseitslinie agierend und ein richtig schneller Beister der sowohl links wie rechts und auch zentral offensiv spielen kann sind ein echtes Plus an Tempo, körperlicher Beweglichkeit und geistiger Handlungsfähigkeit. Wir dürfen alle miteinander gespannt sein wie die beiden miteinander harmonieren werden. Dabei darf ein dritter Mann keineswegs vergessen werden: Tolgay Arslan. Er kann und er füttert die beiden in den Trainingsspielen mit gut verwertbaren Bällen.

Abschließend noch ein paar kurze Worte zum Thema Neuverpflichtungen. Und da geht es zunächst um das liebe Geld. Arnesen hat in der Öffentlichkeit immer wieder betont, dass er zunächst verkaufen muss um Spielraum für neue Spieler zu bekommen. Lange sah es so aus als ob es keine Möglichkeiten für Veränderungen (wie oben geschrieben) geben würde. Inzwischen bestätigt Arnesen, dass es für einige Spieler zusätzlich zu Paolo Guerrero gibt. Gleichzeitig scheint sich der HSV auf vier Kandidaten für das Mittelfeld festgelegt zu haben. Angeblich zwei Sechser und zwei Zehner. Spätestens an dieser Stelle wird es richtig teuer und ein oder mehrere Investor/en  kommen ins Spiel. Kühne scheint bereit zu sein wieder in seine Schatulle greifen zu wollen. Aber dieses Mal nicht er alleine sondern nur in einer Gruppe gleichgesinnter und finanzstarker Unterstützer. Angeblich sind weit und breit keine weiteren Anleger auffindbar. Schafft es der HSV Vorstand dann Herrn Kühne davon zu überzeugen, sich auch allein für den HSV finanziell zu engagieren und das obwohl er keinerlei Lust darauf verspürt wieder Zielscheibe öffentlicher Angriffe ob seines Engagements zu werden. Wie auch immer, angeblich hat der HSV Vorstand schon eine Liste mit Spielernamen mit Herrn Kühne abgesprochen.

Zwei Spieler die darauf enthalten sein sollen sind Rasmus Elm und Rafael van der Vaart. Rasmus Elm gehört zu jener schwedischen U 21 Nationalmannschaft in der auch Berg und Toivonen bei der Heim EM der U 21 Nationalmannschaften mitgewirkt haben. Elm und Berg haben – so habe ich die EM – Spiele in Erinnerung – gut zusammengespielt. Bei der EM 2012 habe ich Elm gut gesehen und wäre aus meiner Sicht sicherlich eine Verstärkung für das Mittelfeld.

Nun zu van der Vaart. Ich muss es gestehen, ich habe bin völlig uneins was diesen Spieler angeht und das ist nicht etwa seine Trikotgeschichte von anno Tobak. Die mit dem heutigen handeln nichts zu tun und außerdem hat er sich in der darauffolgenden Saison für den HSV so eingesetzt wie es viele aktuelle HSV Spieler bisher noch nicht ansatzweise getan haben. Insofern ist die alte Geschichte kein Thema für mich.

Zugeben muss und will ich gerne, dass van der Vaart gerne im HSV Trikot habe spielen sehen und sehe ich sehe ihn auch heute noch gerne spielen. Das liegt zum Einen daran, dass er in meinen Augen einen Schuss Genialität besitzt und diesen auch immer wieder zeigt und so manchen Gegner düpiert. Seine Freistöße gehören zu den besseren in der Fußballwelt und sein Spielverständnis, seine Übersicht und seine Ideen auf dem Feld empfinde ich als große Bereicherung sollte ein Wechsel zum HSV über die Bühne gehen. Auch seine kämpferischen Qualitäten sind gegeben. Diese sind leider auch der Übergang zu den Qualitäten die er leider nicht in dem Maß besitzt wie sie heute von einem Spieler internationalen Zuschnitts gefordert werden. Van der ist zwar bissig im Zweikampf aber läuft seinem Widerpart im Mittelfeld nun mal nicht hinterher und ihm fehlt zu dem die läuferische Dynamik und Spritzigkeit für die heutige so wichtigen Sprints für Balleroberung und Ballbehauptung. Je nach dem wie Trainer Fink seine Mannschaft spielen lassen will ist läuferische Leistungsfähigkeit sehr wichtig bis unerlässlich. Die Frage die sich mir stellt ist ebenso simpel wie entscheidend. Passt van der Vaarts Spielweise zum HSV unter Arnesen und Fink oder eben nicht. Das können und müssen Arnesen und Fink beantworten. Ich würde mich freuen ihn wieder häufiger spielen zu sehen und habe dennoch Befürchtungen, dass er das zukünftige HSV – Spiel für die Gegner berechenbar macht weil auf ihn zugeschnitten und gleichzeitig verlangsamt.

Wir dürfen alle sehr gespannt sein wie sich der HSV zu seiner doppelten Jubiläumssaison präsentiert.

Die Hinrunde

Im Grunde begann die Hinrunde mit der Verpflichtung Frank Arnesens als neuem Sportchef bei unserem HSV. Bernd Hoffmann hatte diese Zusammenarbeit eingefädelt – eigentlich Aufgabe des Aufsichtsrates sich um Personalien des Vorstandes zu kümmern – die der selbige dann diesmal ohne voreilige Veröffentlichungen unter Dach und Fach brachte. Artig freute sich auch der neue Vorstand auf die Zusammenarbeit mit dem Neuen. Als Reputation brachte er die Entdeckung einiger späterer Weltstars wie Ronaldo oder Ruud van Nistelrooy mit. Auch hat er als Spieler der Vereine Fremad Amaga, Ajax Amsterdam, FC Valencia, RSC Anderlecht und PSV Eindhoven zwischen 1974 und 1988 einige Erfolge aufzuweisen. In dieser Zeit spielte er 52 Mal für die dänische Nationalmannschaft und schoss dabei 14 Tore. Darüber hinaus war er als Co-Trainer von 1991 – 1994 beim PSV Eindhoven tätig. In Kürze seine weiteren Stationen als Nachwuchskoordinator, Chefanalytiker, Sportdirektor und Manager. Bei Vereinen wie PSV Eindhoven, Tottenham Hotspurs und dem FC Chelsea. Eine Vita die gewiss eine Empfehlung für den HSV ist. 37 Jahre im Profifußball, die dazu führten ihn schon lange vor Amtsantritt zum Heilsbringer, zum Messias werden und erklären zu lassen.

In den Medien und den verschiedensten Foren bekam er die ersten Kratzer an seinem tadellosen Image als er der weiteren Zusammenarbeit mit Michael Oenning zustimmte und nicht seinen Kandidaten Stale Solbakken (jetzt 1. FC Köln) verpflichten konnte. Einerseits hieß es, dass er mit Oenning über die zukünftige HSV – Philosophie völlig übereinstimme und er in Oenning den richtigen Trainer für den HSV sehe und andererseits wurde kolportiert, dass die Verpflichtung an einer Ablösesumme und dem Jawort für den norwegischen Verband gescheitert sei. Oenning jedenfalls machte seit seinem 6 : 2 Einstandserfolg als Cheftrainer keine erfolgreiche Figur mehr und gewann bekanntlich weder in der letzten Rückrunde noch in den ihm verbleibenden Spielen der neuen Saison ein Spiel. Lediglich ein Punkt aus sechs Spielen stand bei seiner Demission zu buche.

Schon vor Beginn der Spielzeit 2011/2012 kamen die ersten negativen Kommentare über die Einkaufspolitik Frank Arnesens auf. Es wurde gemunkelt, dass er wohl nur die „gescheiterten“ Spieler aus der zweiten und dritten Reihe des FC Chelsea kenne. In der Tat kamen mit Bruma (Vertrag 2 Jahre auf Leihbasis mit Rückrufrecht für Chelsea nach einem Jahr), Mancienne, Sala und Töre gleich vier Youngster vom FC Chelsea zum HSV. Auch der fünfte Neuzugang kam von dort. Jedoch spielte er von 2007 bis 2011 jeweils auf Leihbasis für PSV Eindhoven, FC Twente und Vitesse Arnheim in der niederländische Eredevisie. Zugang Nr. 6 war schließlich und endlich der Norweger Per Siljan Skjelbred von Rosenborg Trondheim. Drei ehemalige Leihspieler kamen zum HSV zurück. Bertram spielt für die zweite Mannschaft, Tolgay Arslan wurde als offensiver Mittelfeldspieler nach einer guten Saison bei Alemannia Aachen für die erste zurückgeholt und Markus Berg für den Angriff.

Das Thema des Sommers hieß Umbruch bei unserem HSV. Zuweilen auch mal spöttisch, mal ernst Abbruch genannt. Wen sollten die neuen, jungen und relativ gesehen unerfahrenen Spieler ersetzen? Der HSV gab Spieler wie Ze Roberto, Frank Rost, Piotr Trochowski, Ruud van Nistelrooy, Collin Benjamin, Eljero Elia, Eric Maxim Choupo Moting, Tunay Torun, Änis Ben Hatira, Joris Mathijsen, Alex Silva, Guy Demel, David Rozehnal, Jonathan Pitroipa, Mickael Tavares, Kai Fabian Schulz und Wolfgang Hesl ab. Insgesamt 18 Spieler. Zwar nicht alle aus der ersten Mannschaft, aber der Aderlass war mehr als erheblich und hatte nicht nur finanzielle Gründe. Die Altstars wie van Nistelrooy und Ze Roberto waren nicht nur zu teuer sondern brachten auch nur noch sehr bedingt gute Leistungen. Junge Spieler wie Choupo Moting oder Torun hatten den Durchbruch beim HSV nicht geschafft und ein Trochowski kam über die Rolle des nach der richtigen Position suchenden Dauertalentes und „Dribbelkünstlers“ nicht hinaus.

Zu erwarten, dass der HSV trotzdem um die internationalen Plätze mitspielen würde kam zwar in der Öffentlichkeit vor, war allerdings kaum realistisch. Meine Erwartungshaltung brachte ich am 03.08. in dem Artikel Kaltz, Kargus und Co. zum Ausdruck. Ich schrieb von einer harten Saison, die mit der Saison 19721973 zu vergleichen sein wird. Das sich die Pleiten, Pech und Pannen – Serie von Michael Oenning ungebremst in den ersten sechs Ligaspielen fortsetzen würde war trotz des schwierigen Startprogramms nicht unbedingt zu erwarten. Die Konsequenz aus den teils desaströsen Auftritten wie z. B. in München war den berühmten und noch berüchtigteren Gesetzen der Branche folgend die Entlassung Oennings. Man sollte zwar nicht froh über den Arbeitsplatzverlust eines Menschen sein, aber im Interesse des HSV und seiner bis zu 1.700 Mitarbeiter bei Heimspielen – die im Falle eines Abstiegs mehrheitlich um ihren Arbeitsplatz bangen müssten – war es die richtige und einzig mögliche Maßnahme frühzeitig die Reißleine zu ziehen.

Interimscoach Nr. 1 wurde der HSVer Rodolfo Esteban Cardoso. Um es vorweg zu nehmen: Er machte seinen Job ausgezeichnet. Sein erstes Spiel war ein Auswärtssieg  beim VfB Stuttgart. Mindestens genauso wichtig war, dass er den Spielern von der ersten Trainingseinheit an wieder Freude und Spaß am Fußball vermittelte. Diese waren bei Oenning abhanden gekommen. Ständig richtete sich Oenning nach dem jeweiligen Gegner statt seine Mannschaft stark zu machen ging es um die Stärken des Gegners. Da ein Trainer auch für die Stärken seiner Truppe zuständig und verantwortlich ist, eine schwere Unterlassungssünde. Mit Cardoso wurde ein Wechsel in dieser Hinsicht deutlich. Auf Grund der noch fehlenden Trainerlizenz durfte Rodolfo nur zwei Spiele auf der Bank Platz nehmen. Leider verlor seine Mannschaft als besseres Team mit 1 : 2 gegen Schalke. Sein bisher einmaliges Gastspiel als verantwortlicher Trainer gab am 9. Spieltag Frank Arnesen. Beim SC Freiburg gab es den zweiten (Auswärts-) Sieg der Saison. Seit dem 10. Spieltag ist Thorsten Fink der verantwortliche Cheftrainer.

Und der brachte schon bei seiner Vorstellung deutlich zum Ausdruck mit welch breiter Brust er nach Hamburg gekommen ist und dass er der Trainer ist, der der Mannschaft neues Selbstbewusstsein und –vertrauen wieder einhauchen wird. Er wolle der Mannschaft zeigen, dass sie besser ist als ihr Tabellenplatz und die geringe Punktausbeute. Während der Trainersuche lehnte Arnesen unter anderen den um den HSV verdienten ehemaligen „Retter“ Huub Stevens als Nachfolger Oennings ab. Die Begründung war zumindest für einige nicht einsehbar oder vermittelbar. Er, Arnesen, wolle einen Trainer für den HSV bei dem er das Gefühl habe, dass es zu 100 Prozent passt. Einen der mit seinem Herzen in Hamburg beim HSV ist. Stevens verhandelt in etwa zeitgleichmit Schalke 04. Verständlich und nachvollziehbar, wenn man bedenkt, dass Stevens zu diesem Zeitpunkt arbeitslos war. Für Arnesen kein Grund Stevens abzulehnen. Die Suche zog sich hin und in Öffentlichkeit gab es die ersten Stimmen, die Trainersuche mit der Sportdirektorensuche verglichen. Arnesen suchte nach dem Trainer bei dem es einfach passt. Er wollte keine Kompromisse mehr eingehen. Kompromisse a la Oenning. In Thorsten Fink hat er ihn gefunden. Zwar hat Fink den Baslern von Anfang an gesagt, dass sein Traum ein Verein in der Bundesliga sei, aber der HSV musste ihn aus einem laufenden Vertrag heraus kaufen. Dies bei einem Verein der zwei Mal hintereinander Schweizer Meister geworden war und gerade zu dem Zeitpunkt ein vielbeachtetes 3 : 3 mit dem FC Basel in Manchester bei United errungen hatte. Dies nach einem 3 : 1 Rückstand. So gesehen sprach eigentlich alles für einen Verbleib Finks in Basel. Aber Fink entschied sich schnell für den HSV. Aus verschiedenen Interviews konnte man entnehmen, dass dafür zwei Gründe wesentlich gewesen sind. Zum einen ist der HSV ein Traditionsverein mit einem richtig guten Namen in der Fußballwelt und zum anderen ist er von dem riesigen Potenzial des HSV absolut überzeugt. Bleibt für einige noch der Beigeschmack ihn aus einem laufenden Vertrag heraus gekauft zu haben. But that´s business. Tust du es nicht, tut es ein anderer.

Arnesen startete mit einem Remis im Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg. Dabei war der HSV die bessere Mannschaft. Selbst der „Kicker“ attestierte „über weite Strecken ansehnlichen Fußball“ des HSV. So sollte es noch öfter kommen. Ob in Leverkusen oder Hannover: unterschiedliche Ursachen und Spielverläufe, mit identischen Ergebnis: Remis. Unentschieden in denen Siege nicht nur möglich gewesen wären, sondern auch verdient. Andererseits gab es unter Fink auch die beiden ersten Heimsiege. Endlich und Gott, sei Dank. Trotzdem es wurden auf dem Weg in die kurze Winterpause einige Punkte liegengelassen. Punkte die schon jetzt eine deutlich bessere Platzierung zur Folge gehabt hätten. Der Abstand zu Platz 7 beträgt nur vier Punkte, auf Platz 6 sind es sieben. Die Zielrichtung für den HSV in der Rückrunde ist klar: So schnell wie möglich ins gesicherte Mittelfeld vorstoßen. So lange gilt es den Blick nach hinten zu richten. Angesichts der Schwere der ersten sechs Aufgaben kein einfaches Unterfangen. Als kleine Vorschau: zunächst ein Heimspiel gegen den BVB, dann Hertha in Berlin und haben am 20. Spieltag in der Volksparkarena Bayern München zu gast. Es folgt der 1. FC Köln auswärts, danach das große Nordderby und am 6. Rückrundenspieltag geht es zur Borussia aus Mönchengladbach.

Wie sang Xavier Naidoo schon zur WM 2006: „Dieser Weg wird kein leichter sein. Dieser Weg wird steinig und schwer.“ Trotzdem gibt sich Thorsten Fink weiterhin selbstbewusst. Und ich finde es richtig. Entscheidend ist doch zu gucken was man selbst tun kann um erfolgreich zu sein. Um nichts anderes geht es. Es geht nicht darum: „Um Gottes Willen, bloß nicht absteigen.“ Es geht darum realistische, für diese junge Mannschaft realistische Ziele zu setzen. Laut Fink ist es mindestens Rang 10. In seinen Worten: . . . unter die Top Ten kommen.

Am 03. Januar startet der HSV mit seinem Training und fliegt am 04.01. nach Marbella um sich dort auf die kommende Rückrunde vorzubereiten. Bis zum Rückrundenstart werden noch Testspiele gegen folgende Mannschaften ausgetragen: SC Lokeren (06. Januar), Christoph Daums FC Brügge (08. Januar) und ADO den Haag (10. Januar). Nach der Rückkehr gastiert der HSV bei Arminia Bielefeld (14. Januar).

Diese Testspiele benötigt die Mannschaft ganz sicherlich, denn Trainer Thorsten Fink hat angekündigt einiges, auch im personellen Bereich auszuprobieren. Er habe einige Ideen im Kopf. Andererseits soll die Mannschaft Finks Spielsystem und Selbstverständnis besser kennenlernen und umsetzen. Dazu gehören auch die Automatismen, wie Lauf- und Passwege zu verinnerlichen. Dringend notwendig scheint dies auf jeden Fall zu sein, nicht zuletzt um die Zahl der Missverständnisse während eines Spiels zu verringern und damit auch die Fehlpassquote zu senken.

Zum Schluss noch ein Blick in die nähere Transferzukunft. Fink wiederholte in einem Interview vor der Winterpause, dass es in derselben keine Neuverpflichtungen geben wird. Was die Gerüchteküche nicht wirklich bremst. Siehe auch: HSV – Transfergerüchte Weihnachten 2011. Im Gegenteil. Frank Arnesen befeuert die Gerüchte noch zusätzlich mit der öffentlich gewordenen Bitte, dass sich die Aufsichtsräte auch während der Winterpause bereit halten mögen. Die Aufsichtsräte müssen bei Abschlüssen über 500.000 € ihre Zustimmung geben. Nun warten wir ab und harren der Dinge, die auf uns zukommen. Und ganz sicher kommt vor dem Rückrundenauftakt am 22. Januar 2012 am 15. 01. die Mitgliederversammlung des HSV. Unter anderem mit der Wahl des Vorstandsmitgliedes für Mitgliederfragen. Kandidaten sind der aktuelle Vorstand Oliver Scheel und Christian „Büdi“ Blunck. Auch geht es um richtungweisende Satzungsänderungsanträge, die am 15.01. ab 11.00 diskutiert und beschlossen werden sollen.

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