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Grausame Spielzeit – Rückblick und Bilanz

Die Weichen für den schlechtesten Saisonstart aller Zeiten des HSV stellte unser Vorstand noch während der Saison 2010/2011 als er vorzeitig und ohne Not mit Michael Oenning den laufenden Vertrag verlängerte. Oenning hatte zum Zeitpunkt der Vertragsverlängerung gerade einen Bundesligasieg mit unserem HSV auf der Habenseite zu verbuchen als Jarchow Arnesen überredet hatte mit Oenning in die neue Saison zu starten. Arnesens Wunschtrainer war Solbakken, der noch beim FC Kopenhagen unter Vertrag stand und eine Ablösesumme zwischen 500.000 und 1.000.000 € gekostet hätte. Der Däne war von ihm überzeugt, leistete er beim FC Kopenhagen doch sehr erfolgreiche Arbeit. Wie wir im Nachhinein wissen kam dann alles ganz anders. Schließlich zahlte Köln die fällige Ablöse und Solbakken scheiterte an den schlechten Leistungen seiner Mannschaft und den „Kölner Verhältnissen“. Er war wie so viele neue beim HSV bundesligaunerfahren.

Dies traf auch auf unseren neuen Sportchef zu. Er kam vom FC Chelsea und brachte – nicht zuletzt weil der Verein über klamme Kassen klagte – fünf junge Chelsea Spieler aus dem Reserve – Team mit an die Elbe. Mit Bruma kam das größte hoffnungsvolle Innenverteidigertalent der Niederlande zu uns und weckte Hoffnungen auf eine stabilere Abwehr. Außerdem kam Micheal Mancienne. Ein Innenverteidiger der schon die U 21 EM in Schweden für Großbritannien bestritten hatte. Mit Rajkovic kam schließlich der dritte Innenverteidiger von der Insel und aus der Chelsea Reserve. Vom selben Club brachte Arnesen dann auch noch Jacopo Sala und Gökhan Töre, der in der Jugend für Bayer 04 gespielt hat vom Londoner Stadtteilclub mit. Nur ein Neuzugang kam nicht von der Insel: Per Ciljan Skjelbred kam von Rosenborg Trondheim. Diese samt und sonders bundesligaunerfahrenen Kicker sollten zusammen mit dem Restkader der vergangenen Saison erfolgreichen Fußball in der Bundesliga spielen.

Im Nachhinein sind wir ja bekanntlich alle klüger und manche von uns haben es ja schon immer gewusst, aber dass die folgende Spielzeit 2011/2012 solange Abstiegskampf bedeuten würde und erst am vorletzten Spieltag erfolgreich bestanden sein würde war zumindest für mich nicht vorhersehbar. Klar war mir, dass es eine Saison ohne Anspruch auf die obere Tabellenhälfte werden würde, auch schien es mir möglich, dass es eine gewisse Zeit gegen den Abstieg gehen könnte. Aber, so habe ich zu Beginn der Saison gehofft und geglaubt, dass die Saison 1972/1973 als Blaupause dienen könnte. Damals wurden ja Kaltz und Co ins kalte Bundesliga Wasser geworfen.

Es kam alles ganz anders und viel schlimmer.

Unser Trainer Michael Oenning durfte sich sechs lange Spiele mit dem neuen und deutlich verjüngten und unerfahreneren Kader ausprobieren bis der Vorstand die Notbremse zog und Oenning zu recht entließ. Die Bilanz nach diesen sechs Spielen liest sich noch immer mit Schrecken: Tabellenplatz 18, 6 : 17 Tore und einen einzigen Zähler. Von vielen wurde die Vertragsverlängerung mit Oenning schon vor Saisonbeginn kritisiert und in der Tat die Ergebnisse, die er in der abgelaufenen Bundesligasaison mit dem HSV erzielte waren wirklich kein gutes Argument. Wohl aber für den Vorstand, dass er relativ „preiswert“ war. Im Rückblick stimmt selbst dieses nicht mehr, aufgrund der Abfindung die an ihn und sein Team gezahlt werden musste.

Als Interimstrainer übernahmen Rodolfo Esteban Cardoso (2 Spiele) und Frank Arnesen (ein Spiel). Aus diesen drei Spielen resultierten die Punkte 2 bis 7. Zwei Auswärtssiege in Stuttgart und Freiburg sowie eine Heimniederlage gegen Schalke. Damit war der Anschluss an das untere Mittelfeld wieder hergestellt, aber wir waren immer noch das Schlusslicht. Zu dem dauerte die Trainersuche in dieser brenzligen Situation für viele sehr lange. Zu lange? Als dann noch „Retter“ Huub Stevens eine Absage vom HSV (Arnesen) mit der Begründung bekam, dass er einen Trainer suche, der mit ganzen Herzen zum HSV will und er dieses bei Stevens wegen seiner gleichzeitig stattfindenden Gespräche mit Schalke 04 nicht erkennen könne, regte sich erste Kritik am bundesligaunerfahrenen Sportchef. In diesem Zusammenhang wurde die Kritik auch auf die von ihm verpflichteten Spieler ausgeweitet. Arnesen hielt an seinem Plan fest und suchte nach dem Trainer mit der „Raute im Herzen“.

Es gelang Frank Arnesen mit Thorsten Fink einen ehemaligen Bayern – Profi als neuen Heilsbringer für den HSV zu verpflichten. Arnesen lobte seinen/unseren neuen Trainer als einen Typen mit dem Gewinnergen. Einen, der selbstbewusst seine Ziele erreicht. So stellte sich dann auch Fink dem Hamburger Publikum auf seinen ersten Pressekonferenzen vor: „Ich bin einer wie Jürgen Klopp!“ Dieses Zitat dürfte uns wohl noch in den Ohren klingen. Sein Nachteil, mit dem er die restliche Saison zu recht kommen musste, war der Umstand, dass er auf den Kader keinerlei Einfluss mehr nehmen konnte. Er musste also sein Spielsystem während der Saison dem vorhandenen Spielermaterial anpassen. Zwar war es sein erklärtes Ziel Dominanz von seiner Mannschaft auf dem Platz ausüben zu lassen, aber wie geht das mit der Mannschaft die am wenigstens läuft. Am Ende war vieler Spiele unter seiner Regie hatte der HSV tatsächlich mehr Ballbesitz. Nur wie kam dieser zu Stande. Querpässe, Rückpässe, zum Teil von der Mittellinie zum Torwart. Darauf stellt sich jeder Gegner ein und lauert auf Fehlpässe. Die Konsequenz waren entsprechend defensiv eingestellte Gegner, die ihre Tor gegen uns über Konter und vor allem durch Standardsituationen erzielten. Oft waren diese Standards notwendig gewordenen Fouls geschuldet um entweder Fehler im Aufbauspiel oder aus verlorenen bzw. nicht angenommenen Zweikämpfen resultierten.

Fink, der wie seine Vorgänger Jol, Labbadia, Veh und Oenning auf einen kreativen Mittelfeldstrategen verzichten musste, war nicht in der Lage ein erfolgversprechendes System für das vorhandene Personal zu finden. Auch er konnte mit dem gegebenen Spielermaterial diesen Missstand nicht kompensieren. Ein Rafael van der Vaart war in 74 Bundesligaspielen an 48 Toren beteiligt (29 Tore, 19 Assists) insgesamt absolvierte er 113 Spiele und war an 80 Tore beteiligt (48 Tore, 32 Assists). Das so ein Spieler dem HSV fehlt war nicht erst bei Fink zu merken, aber die Ratlosigkeit der Spieler auf dem Platz nahm meines Erachtens stetig zu. Der Ball wurde ideenlos hin und her gepasst, selten erfolgversprechend in die Offensive gespielt. Ein Manko, dass durch Rincon und in der Rückrunde durch Jarolim eher irgendwie denn spielerisch aufgefangen werden sollte. Das Vorhaben misslang. Rincon ist ein Zerstörer, dem leider keine spielgestalterischen Mittel zur Verfügung stehen und Jarolim spielt eher den Sicherheitspass, was in manchen Situationen und Spielen, speziell wenn man einen Vorsprung über die Zeit bringen will hilfreich ist. Nur wir waren selten genug in der abgelaufenen Saison in Führung gegangen. Nicht nur, aber auch durch die vielen Quer – und Rückpässe an denen sich außer Jaroslav Drobny und Sven Neuhaus alle eingesetzten Spieler beteiligten wurde unser Spiel eben noch langsamer, durchschaubarer und unansehnlicher, als in den Vorjahren.

Hatte ich vor der Saison gehofft, dass die „faulen Früchte“ gleich mit aussortiert worden waren, so entpuppte sich meine Hoffnung während der Saison als unbegründet und als Irrtum. Einigen wurden die Verträge nicht verlängert, andere wurden verkauft und die dritte Partie Spieler wollte ganz einfach nur noch weg. Gewünscht habe ich mir vor einem Jahr, dass der Schnitt noch größer ausfällt. Dann allerdings, muss ich heute wohl eingestehen, wäre ein Abstieg wohl kaum vermeidbar gewesen. So geht das umgestalten des Kaders in diesem Jahr in seine zweite und bestenfalls vorletzte Phase. Mit Petric, dem in dieser Spielzeit fast nichts gelang und Jarolim, der trotz aller ihm anzukreidenden Defizite der beste Feldspieler des HSV war gehen zwei Akteure die in den v ergangenen vier bzw. neun Jahren einiges für den HSV geleistet haben. Allerdings mit einer anderen Spielauffassung der vorherigen Trainer. Fink will ein schnelles und direktes Spiel nach vorne aus einer sicheren Defensive. Das schnelle Spiel von Thorsten Fink beginnt bereits beim Torhüter, der in der modernen Spielweise schon einen wesentlichen Part der Spieleröffnung darstellt. Kann er schnell auf freistehende oder besser sich freilaufende Mitspieler abwerfen oder abschlagen, so entwickelt sich ein völlig anderes Spiel als wir es in dieser Saison von unserem HSV gesehen haben. Der BVB hat uns zweimal gezeigt wie es geht. Leider viel zu viele andere Mitbewerber der Liga auch.

Neben dem viel zu langsamen und umständlichen Spielaufbau war das größte Problem der Mannschaft, dass sie es nicht fertigbrachte mal zwei Spiele nacheinander eine konstante Leistung abzurufen. Spielte die Mannschaft ein ordentliches Spiel so folgte mit absoluter Zuverlässigkeit eine miserable Darbietung. Folgte auf das 1 : 5 daheim gegen den BVB zwar ein Auswärtssieg bei Hertha BSC mit schwacher Leistung so ging man couragiert und bissig in die Partie gegen die Bayern. Es folgte ein unansehnlicher 1 : 0 Sieg in Köln. Nun hätte man ja der Meinung sein können, dass die sieben Punkte aus drei Spielen etwas Selbstbewusstsein für die HSV – Profis bedeuten würden. Es kam anders, es kam die extrem kalte Dusche im Nordderby gegen Bremen: 1 : 3. In Gladbach ein gut herausgespieltes 1 : 1, anschließend 0 : 4 gegen Stuttgart. Für mich stimmt da die Einstellung der Profis nicht ansatzweise. Sie ist auch nicht mit einem oder zwei Spielern zu erklären. In den vergangenen Jahren haben wir des Öfteren erlebt, dass einzelne Spiele mangels Einstellung verloren wurden. In der letzten Saison stimmte die Berufsauffassung bestenfalls in jedem zweiten bis dritten Spiel. Wie auch immer dieses Phänomen letztlich erklärt werden kann, ein solches Verhalten und Auftreten des Kaders kann sich keine Bundesligamannschaft leisten. Es grenzt nicht nur an Arbeitsverweigerung, es ist Arbeitsverweigerung. Ich hoffe, dass alle Beteiligten aus dieser Saison ihre Lehren ziehen bzw. gezogen haben. Wer nicht mitziehen will gehört ohne Ansehen der Person auf die Tribüne und dort aus verkauft. Ich bin überzeugt davon, dass die Spielzeit 2011/2012 einen besseren Verlauf für uns genommen hätte, hätte die Mannschaft die Bereitschaft zur Leistungserbringung in jedem Spiel gezeigt. Das wäre ihre Pflicht gewesen.

Nun zur Einzelkritik:

Jaroslav Drobny war zu Beginn der Serie nicht gerade eine Bank und etliche Fans wollten Tom Mickel im Tor sehen, aber Drobny arbeitete hart an sich und wurde schließlich ein sicherer Rückhalt für die Mannschaft und hat so manche Kastanie aus dem Feuer geholt. Dennoch: sein Manko ist die schnelle Spieleröffnung und der oft beim Gegner landende Abschlag. Arnesen kann sich ihn gut als Nr. 2 nach dem feststehenden Transfer von Rene Adler zum HSV vorstellen. Verdient hätte er sich ganz sicher, aber für einen tschechischen Nationaltorwart kann dies natürlich keine Perspektive sein. Schaut man auf die Finanzen des HSV, angeblich ja drei rostige Knöpfe, ist ein Reservetorwart mit einem vermuteten Jahressalär von 1,7 Millionen € wohl eine Kleinigkeit zu teuer. Dem Aufsichtsrat jedoch nicht, der hat es ohne Verkauf von Drobny genehmigt. Was lässt dass nun für einen Rückschluss auf die Finanzen zu?

Adler wird das HSV – Spiel sicherlich beschleunigen. Ich habe, da nur die Befürchtung, dass er die Bälle noch schneller zurückbekommt. Warten wir ab, dass betrifft die nächste, die fünfzigste Saison. Die Viererabwehrkette wurde in der ganzen Saison immer wieder verändert. Zum einen weil Verletzungen und Sperren (Rajkovic) dies erforderlich machten zum anderen weil desaströse Leistungen dies notwendig werden ließ. Alle Verteidiger haben ihre Fehler gemacht, einige haben sich damit aus der Mannschaft gespielt. Umso erfreulicher, dass es in der Rückrunde in der Innenverteidigung mit Heiko Westermann und (16 Einsätze) und Michael Mancienne (vom 26. bis einschließlich 33. Spieltag) wenigstens in der Innenverteidigung eine gewisse Konstanz herrschte. Aogo auf der linken defensiven Außenbahn brachte es auf 30 Einsätze während es Dennis Diekmeier auf 24 Einsätze kam. Beiden fehlt ein Back up, dass in der Lage ist den Beiden Druck zu machen. Für Diekmeier könnte dieser Konkurrent in der neuen Saison durchaus Jeffrey Bruma heißen. Dieser ist auf 20 Spiele gekommen und überzeugte Arnesen insbesondere auf der rechten Außenverteidigerposition. Das Bruma nicht wirklich überzeugen konnte lag an seinen zum Teil einfachen Fehlern und schlägt sich in der Nicht-Berücksichtigung für den EM – Kader der Niederlande aus. Wir haben den Vorteil, dass er nach langem Urlaub ausgeruht und unverletzt zum HSV zurückkehren wird. Theoretisch besteht noch die Möglichkeit, dass Chelsea von seinem Rückholrecht Gebrauch macht, allerdings erscheint dies eher unwahrscheinlich. Auch Slobodan Rajkovic kann von den Londonern zurückgekauft werden. Wohl ziemlich sicher nur Theorie.

Über die Saison gesehen waren Thomas Rincon und David Jarolim (Rückrunde) die konstanteste Doppelsechs unseres HSV. Tesche, Kacar und Skjelbred waren über die Saison keine wirklichen Alternativen. Alle drei blieben deutlich hinter den Erwartungen zurück. Tesche versagte regelmäßig wenn er auf dem Platz stand und es ist ein offenes Geheimnis, dass er beim HSV keine Zukunft mehr hat. Gojko Kacar verletzte sich im Auswärtsspiel beim 1. FC Nürnberg schwer und steht somit wohl nicht zum Verkauf. Per Ciljan Skjelbred muss wohl als Irrtum Arnesens abgehakt und schnellst möglich wieder verkauft werden.

Noch zum Saisonbeginn als großer Hoffnungsträger mit einem Neuanfang von Arnesen gepriesen war Eljero Elia am 31.08. 2011 nach vier Einsätzen für 9 Millionen € an Juventus verkauft und wie es damals hieß mit Erfolgszuschlag. Juventus wurde Meister und Elia bei Juve mit vier Kurzeinsätzen ebenfalls missachtet. Nun will er die Serie A verlassen und einen Neubeginn in England oder Spanien starten. Na, dann . . . .  Wie viele Euro streicht der HSV denn für den Meistertitel Juves ein? Real Madrid zahlt auch 2012 wieder eine Prämie für den Titel an den HSV. Rafael macht´s möglich. Drücken wir den Spaniern die Daumen, dass es mit einer Titelverteidigung 2013 klappt, dann nämlich würde der HSV noch mal eine Million einstreichen. Ach, im Übrigen, solche Konditionen handelte der Vorsitzende Hoffmann 2008 aus.

Unsere Außenbahnen waren trotz des Abgangs von Elia noch immer bestens besetzt. Marcell Jansen, Ivo Ilicevic, Jacopo Sala, Gökhan Töre und Zhi Gin Lam sollten die Geschicke des HSV auf den beiden offensiven Außenbahnen zu gefährlichen Waffen des HSV werden lassen. Auf Jansen (5 Tore) und Töre (6 Assists) trifft dies wenn auch mit Abstrichen zu. Marcell absolvierte 29 Spiele in der Liga für den HSV. Ein Bestwert seit dem er bei uns ist. Der Senkrechtstarter der Hinrunde war aber Gökhan Töre. Der Junge wusste mit seinen Dribblings zu gefallen und auch zu überzeugen. Äußerst bedauerlich seine Trainingsverletzung in der Winterpause, nach der er nicht mehr richtig in Tritt kam. Manchmal zu verspielt, aber einer der wenigen der bereit war die Wege zu gehen, die kaum ein anderer als nötig empfand. Nach seiner Verletzung musste Sala ran. Und schon im dritten Spiel erzielte er ein für den HSV wichtiges Tor. Das 1 : 0 gegen Bayern München. Leider blieb es bei dem einen Treffer, aber er konnte mit seiner im Vergleich zu Töre besseren Defensivarbeit bei Trainer Fink punkten. Allerdings gilt auch er hinter vorgehaltener Hand als Streichkandidat für den Kader 2012/2013. Er soll, so „Matz ab“, als schwer integrierbar gelten. Ivo Ilicevic erwischte bei seiner ersten Einwechslung in Freiburg einen Traumeinstand beim HSV und erzielte im Breisgau den Siegtreffer. Das war es dann auch schon. Er spielte sich viel zu oft fest, wirkte phasenweise eigensinnig und war schließlich als Ergänzungsspieler noch gut bedient.

Zhi Gin Lam spielte nur zweimal in der abgelaufenen Saison, galt aber dennoch als zweite Entdeckung neben Töre. Insbesondere bei seinem Einstand unter Interimscoach Cardoso wusste er zu überzeugen. Der Lohn war der Aufstieg zu den Profis mit entsprechendem Vertrag. Hoffen wir, dass er seinen guten Start in der kommenden Saison bestätigen kann. Nach seiner schweren Verletzung aus einem Testspiel während der Saisonvorbereitung schaffte Tolgay Arslan erst in der Wintervorbereitung wieder den Sprung an die Mannschaft heran. Er erzielte in Mönchengladbach den hochverdienten Ausgleich. Aber, ich glaube, es war im darauf folgenden Spiel gegen Stuttgart vergab er beim Stand von 0 : 0 in der Anfangsphase eine 1000 %ige Chance zum 1 : 0. Danach tauchte er nicht nur in diesem Spiel ab. Er hat zweifelsohne das Potential ein guter Bundesligaspieler zu werden, dafür muss er noch kräftig an sich arbeiten. Wie Marcell Jansen hat auch er noch ein Jahr Vertrag. Beiden hat Arnesen gesagt: verlängern oder jetzt verkaufen. Von beiden kommen Signale, dass sie gewillt sind vorzeitig zu verlängern.

Das größte aller Sorgenkinder ist der Angriff. Keiner der vier nominellen Stürmer konnte ganzjährig überzeugen. Mladen Petric schaffte gerade einmal 7 Tore, von denen auch drei Elfmeter waren. Leider neigte Petric dazu sich im Verhältnis z. B. zu Heung Min Son wenig zu bewegen. Da er aber lange Zeit gesetzt war, dies gleichbedeutend mit Bewegungsarmut im Sturm. So war beständig zugestellt von den gegnerischen Verteidigern und keine wirkliche Hilfe beim Unterfangen Torgefährlichkeit auszustrahlen. Er war einer der effektivsten Stürmer des HSV in den letzten Jahren, jedoch konnte er dies in der abgelaufenen Spielzeit nicht mehr unter Beweis stellen. Folgerichtig wurde sein Vertrag nicht verlängert. Paulo Guerrero gilt als der vielleicht beste Fußballer in den Reihen des HSV. Ganz sicher ist er leider der unberechenbarste. Von ihm bleiben in dieser Saison ganze sechs Tore und ein höchst überflüssiges Frustfoul in Erinnerung. Arnesen sagt zwar, dass Guerrero nicht verkäuflich sei, aber bei einem entsprechenden Angebot sei man bereit über jeden Spieler zu reden. Markus Berg erst Verletzungspech dann die Fortsetzung dessen wie wir ihn schon kennen. Ein Torjäger mit einem Tor. Kein Wunder also, dass wir insgesamt nur 35 Tore erzielt haben. Nun will ich dieses miserable Ergebnis wahrlich nicht an einem einzigen Stürmer festmachen – alle haben zu wenig Tore erzielt – aber sein Fall ist symptomatisch. Natürlich haben die Stürmer über die Saison gesehen wenig Vorlagen erhalten, aber wenn der Ball schon nicht zu einem kommt, muss sich ihn eben holen. Dieses geschah viel zu selten. Heung Min Son ist wie in der Saison 2010/2011 wieder als Testspieltorschützenkönig in die Saison gestartet und es hatte fast den Anschein als könne er es diesmal in der Liga fortführen. Doch ihn ereilte bald ein sehr lang anhaltendes Formtief aus dem er erst gegen Ende der Saison heraus kam. Durch aus nichts seltenes bei einem so jungen Spieler. Son ist für mich der Spieler, der die entscheidenden Tore zum Klassenerhalt beisteuerte. Zu Hause gegen Hannover 96 stellte er mit seinem Tor zum 1 : 0 den Endstand her und sicherte so drei ganz wichtige Punkte im Endspurt und in Nürnberg sorgte mit seinem Tor für einen weiteren wichtigen Punkt. Endstand 1 : 1.

Was aus Berg und Guerrero wird ist derzeit noch völlig offen. Fest steht seit heute, dass Artjoms Rudnevs bei uns unterschrieben hat. Er gilt als laufstarker Stürmer. Seine ehemaligen Trainer sagen über ihn, dass er sich alles hart erarbeitet hat. Klingt für mich richtig gut.

Romeo Castelen spielte leider auch in dieser Saison keine Rolle und wurde beim letzten Heimspiel verabschiedet. Bei den Profis wurde er noch nicht einmal mehr verabschiedet: Mickael Tavares. Sein Vertrag läuft am 30.06.2012 aus. Ohne Verlängerung.

Bleiben noch die Amateure mit Lizenzspielervertrag. Muhamed Besic hat sich im Laufe der Saison durch wiederholte Undiszipliniertheiten selbst aus dem Kader herausgebracht. Er steht in Verbindung mit Dynamo Dresden. Miroslav Stepanek war in der Vergangenheit mehrmalig schwerverletzt und konnte noch nicht seine Qualitäten im Profikader nachweisen. Ob sein auslaufender Vertrag verlängert wird ist gegenwärtig offen. Janek Sternbergs Vertrag läuft noch ein Jahr. Zukunft offen. Das gleiche gilt für Kevin Ingreso und Daniel Nagy.

Auf eine bessere Jubiläumssaison 2012/2013!

125 Jahre HSV! 50 Jahre Bundesligazugehörigkeit!

Nur der HSV!

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Was macht denn. . . ?

Im Grunde sind Spielpausen im Ligabetrieb für den eingefleischten Fußballfan sterbenslangweilig. Im Fall des HSV gibt es inzwischen die Ansage des Sportdirektors Frank Arnesen, dass es in dieser Transferperiode keine Neuverpflichtung geben wird. Somit zumindest aktuell kein wirkliches Thema, es sei denn Frau/Mann stellt sich seine Wunschmannschaft auf. Selbstredend kann man natürlich auch Kritik und Lob zur Hinrunde diskutieren, ist im Angesicht von „vier“ Trainern auch nicht wirklich ergiebig. Auch kann man über den anvisierten siebten Platz nachdenken und darüber sinnieren ob dieser noch für die Europa League reichen könnte. Oder man fragt sich: Was ist aus unseren ehemaligen Spielern geworden? Wie ist es ihnen beim neuen Verein ergangen? Sind sie Stammspieler geworden? Nachfolgend einige Antworten dazu.

Publikumsliebling Frank Rost hat es in der Major League Soccer (MLS) bei New York Red Bulls auf Anhieb zum Stammkeeper gebracht und spielte in der abgelaufenen Saison unter anderem mit Thiery Henry zusammen. Leider war für ihn und seine Red Bulls im Viertelfinale gegen den späteren US – Champion im Viertelfinale das Ende gekommen. Ob Frank noch für eine weitere Saison in New York bleibt ist ungewiss.

Ein einstiges Sorgenkind des HSV war Jonathan Pitroipa. Pfeilschnell ist er nach wie vor, aber hat er inzwischen bei Stade Rennes das Tore schießen gelernt? Es fing ja in der Ligue 1 verheißungsvoll für den Burkinaben an. In den ersten vier Pflichtspielen (Europa League Qualifikation, Europa League und Ligue 1 erzielte er ja für ihn stolze vier Tore. Inzwischen sind es 30 Pflichtspiele für ihn geworden, was ihn als absoluten Stammspieler bei Stade Rennes ausweist, aber in den weiteren 24 Spielen erzielte er nur noch 2 magere Tore.

Von seinen Fähigkeiten her war Eljero Elia wohl der talentierteste HSV – Spieler seit vielen, sehr vielen Jahren. Gewiss er war und ist immer noch ein junger Profi, aber mir scheint ein wenig zu viel zu träumen. Zum Beispiel von Real Madrid und dem FC Barcelona. Er beschwerte sich ja auch schon mal wenn er seiner Meinung nach zu wenige spielte. Nun ja. Für den HSV absolvierte er bis zum 31.08.2011 noch 120 Minuten bei vier Einsätzen in der Bundesliga, in Turin, für die „alte Dame“ Juventus spielte er gerade mal 166 Minuten in vier Spielen. Wenn ich diese Daten lese tut es mir einerseits sehr weh, wenn ich daran denke wie er in seinen ersten fünf sechs Spielen für den HSV auftrumpfte. Er war schnell, trickreich, durchsetzungsfähig und torgefährlich. Leider scheiterten alle Versuche beim HSV ihn wieder an diese Leistungen heran zuführen. Zeitweise war ich auch der Meinung, dass es unter anderem an den Trainerwechseln gelegen hätte, dass er seine Leistung nicht abrufen konnte. Einige waren schon lange der Meinung, dass sein Berater ihn nicht auf dem Boden der Tatsachen zurück holt, sei eine Ursache für seine nicht befriedigenden Leistungen. Neuer Verein, neues Glück? Ganz und gar nicht. Auch in Turin kommt er nicht zum Zug. Noch weniger als zuvor beim HSV. Schade, es ist für mich einfach nur ein Jammer, dass er sein Talent, seine Fähigkeiten die für mich ohne Zweifel hat so vergeudet.

Joris Mathijsen hat sich in Malaga in der Stammformation festgespielt. Dort wird mit deutlich mehr Geld als beim HSV je zur Verfügung stand und steht, das Model „Erfahrung“ erneut praktiziert. Ziel ist ein internationaler Startplatz, der nach 17 Spieltagen realistisch erscheint. Gegenwärtig sind sie Tabellensechster.

Für Ruud van Nistelrooy läuft es hingegen gar nicht in Malaga. Jedenfalls nicht nach seinem Maßstab. In 14 Ligaspielen kam er über 715 Spielminuten nicht hinaus. In drei Pokalspielen erreichte er immerhin 222 Minuten. Insgesamt wurde er sechsmal ein- und siebenmal ausgewechselt. Er erzielte dabei 2 Tore und ein Assist.

Der Hamburger Jung, der Dribbelkünstler, der Unverstandene. Er hat viele Beinamen der Piotr Trochowski. Er sei nicht zielstrebig genug hieß es immer wieder. Er müsse mit seiner herausragenden Schusstechnik sowohl aus dem Spiel heraus als auch bei Standardsituationen für mehr Torgefahr sorgen. In Hamburg ist man lange sehr nachsichtig mit ihm in diesen Punkten gewesen. Bis zu zu dem Zeitpunkt an dem er selbst eine neue Herausforderung für sich gesucht und gefunden hat. Läuft es besser? Bisher stehen für ihn in der Premiera Division, der Copa del Rey und der Europa League 20 Einsätze zu Buche. Dabei ist er einmal ein- und elfmal ausgewechselt worden. Tore und Assists Fehlanzeige.

Es stehen noch einige Spieler wie die Hamburger Nachwuchsspieler Torun, Choupo Moting oder Ben Hatira aus, auch ein Rozehnal und ein Benjamin fehlen noch. Sie werden nachgereicht. Für heute mag sich jede/r seine eigene Meinung über erfolgreiche oder weniger erfolgreiche Wechsel machen.

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