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Grausame Spielzeit – Rückblick und Bilanz

Die Weichen für den schlechtesten Saisonstart aller Zeiten des HSV stellte unser Vorstand noch während der Saison 2010/2011 als er vorzeitig und ohne Not mit Michael Oenning den laufenden Vertrag verlängerte. Oenning hatte zum Zeitpunkt der Vertragsverlängerung gerade einen Bundesligasieg mit unserem HSV auf der Habenseite zu verbuchen als Jarchow Arnesen überredet hatte mit Oenning in die neue Saison zu starten. Arnesens Wunschtrainer war Solbakken, der noch beim FC Kopenhagen unter Vertrag stand und eine Ablösesumme zwischen 500.000 und 1.000.000 € gekostet hätte. Der Däne war von ihm überzeugt, leistete er beim FC Kopenhagen doch sehr erfolgreiche Arbeit. Wie wir im Nachhinein wissen kam dann alles ganz anders. Schließlich zahlte Köln die fällige Ablöse und Solbakken scheiterte an den schlechten Leistungen seiner Mannschaft und den „Kölner Verhältnissen“. Er war wie so viele neue beim HSV bundesligaunerfahren.

Dies traf auch auf unseren neuen Sportchef zu. Er kam vom FC Chelsea und brachte – nicht zuletzt weil der Verein über klamme Kassen klagte – fünf junge Chelsea Spieler aus dem Reserve – Team mit an die Elbe. Mit Bruma kam das größte hoffnungsvolle Innenverteidigertalent der Niederlande zu uns und weckte Hoffnungen auf eine stabilere Abwehr. Außerdem kam Micheal Mancienne. Ein Innenverteidiger der schon die U 21 EM in Schweden für Großbritannien bestritten hatte. Mit Rajkovic kam schließlich der dritte Innenverteidiger von der Insel und aus der Chelsea Reserve. Vom selben Club brachte Arnesen dann auch noch Jacopo Sala und Gökhan Töre, der in der Jugend für Bayer 04 gespielt hat vom Londoner Stadtteilclub mit. Nur ein Neuzugang kam nicht von der Insel: Per Ciljan Skjelbred kam von Rosenborg Trondheim. Diese samt und sonders bundesligaunerfahrenen Kicker sollten zusammen mit dem Restkader der vergangenen Saison erfolgreichen Fußball in der Bundesliga spielen.

Im Nachhinein sind wir ja bekanntlich alle klüger und manche von uns haben es ja schon immer gewusst, aber dass die folgende Spielzeit 2011/2012 solange Abstiegskampf bedeuten würde und erst am vorletzten Spieltag erfolgreich bestanden sein würde war zumindest für mich nicht vorhersehbar. Klar war mir, dass es eine Saison ohne Anspruch auf die obere Tabellenhälfte werden würde, auch schien es mir möglich, dass es eine gewisse Zeit gegen den Abstieg gehen könnte. Aber, so habe ich zu Beginn der Saison gehofft und geglaubt, dass die Saison 1972/1973 als Blaupause dienen könnte. Damals wurden ja Kaltz und Co ins kalte Bundesliga Wasser geworfen.

Es kam alles ganz anders und viel schlimmer.

Unser Trainer Michael Oenning durfte sich sechs lange Spiele mit dem neuen und deutlich verjüngten und unerfahreneren Kader ausprobieren bis der Vorstand die Notbremse zog und Oenning zu recht entließ. Die Bilanz nach diesen sechs Spielen liest sich noch immer mit Schrecken: Tabellenplatz 18, 6 : 17 Tore und einen einzigen Zähler. Von vielen wurde die Vertragsverlängerung mit Oenning schon vor Saisonbeginn kritisiert und in der Tat die Ergebnisse, die er in der abgelaufenen Bundesligasaison mit dem HSV erzielte waren wirklich kein gutes Argument. Wohl aber für den Vorstand, dass er relativ „preiswert“ war. Im Rückblick stimmt selbst dieses nicht mehr, aufgrund der Abfindung die an ihn und sein Team gezahlt werden musste.

Als Interimstrainer übernahmen Rodolfo Esteban Cardoso (2 Spiele) und Frank Arnesen (ein Spiel). Aus diesen drei Spielen resultierten die Punkte 2 bis 7. Zwei Auswärtssiege in Stuttgart und Freiburg sowie eine Heimniederlage gegen Schalke. Damit war der Anschluss an das untere Mittelfeld wieder hergestellt, aber wir waren immer noch das Schlusslicht. Zu dem dauerte die Trainersuche in dieser brenzligen Situation für viele sehr lange. Zu lange? Als dann noch „Retter“ Huub Stevens eine Absage vom HSV (Arnesen) mit der Begründung bekam, dass er einen Trainer suche, der mit ganzen Herzen zum HSV will und er dieses bei Stevens wegen seiner gleichzeitig stattfindenden Gespräche mit Schalke 04 nicht erkennen könne, regte sich erste Kritik am bundesligaunerfahrenen Sportchef. In diesem Zusammenhang wurde die Kritik auch auf die von ihm verpflichteten Spieler ausgeweitet. Arnesen hielt an seinem Plan fest und suchte nach dem Trainer mit der „Raute im Herzen“.

Es gelang Frank Arnesen mit Thorsten Fink einen ehemaligen Bayern – Profi als neuen Heilsbringer für den HSV zu verpflichten. Arnesen lobte seinen/unseren neuen Trainer als einen Typen mit dem Gewinnergen. Einen, der selbstbewusst seine Ziele erreicht. So stellte sich dann auch Fink dem Hamburger Publikum auf seinen ersten Pressekonferenzen vor: „Ich bin einer wie Jürgen Klopp!“ Dieses Zitat dürfte uns wohl noch in den Ohren klingen. Sein Nachteil, mit dem er die restliche Saison zu recht kommen musste, war der Umstand, dass er auf den Kader keinerlei Einfluss mehr nehmen konnte. Er musste also sein Spielsystem während der Saison dem vorhandenen Spielermaterial anpassen. Zwar war es sein erklärtes Ziel Dominanz von seiner Mannschaft auf dem Platz ausüben zu lassen, aber wie geht das mit der Mannschaft die am wenigstens läuft. Am Ende war vieler Spiele unter seiner Regie hatte der HSV tatsächlich mehr Ballbesitz. Nur wie kam dieser zu Stande. Querpässe, Rückpässe, zum Teil von der Mittellinie zum Torwart. Darauf stellt sich jeder Gegner ein und lauert auf Fehlpässe. Die Konsequenz waren entsprechend defensiv eingestellte Gegner, die ihre Tor gegen uns über Konter und vor allem durch Standardsituationen erzielten. Oft waren diese Standards notwendig gewordenen Fouls geschuldet um entweder Fehler im Aufbauspiel oder aus verlorenen bzw. nicht angenommenen Zweikämpfen resultierten.

Fink, der wie seine Vorgänger Jol, Labbadia, Veh und Oenning auf einen kreativen Mittelfeldstrategen verzichten musste, war nicht in der Lage ein erfolgversprechendes System für das vorhandene Personal zu finden. Auch er konnte mit dem gegebenen Spielermaterial diesen Missstand nicht kompensieren. Ein Rafael van der Vaart war in 74 Bundesligaspielen an 48 Toren beteiligt (29 Tore, 19 Assists) insgesamt absolvierte er 113 Spiele und war an 80 Tore beteiligt (48 Tore, 32 Assists). Das so ein Spieler dem HSV fehlt war nicht erst bei Fink zu merken, aber die Ratlosigkeit der Spieler auf dem Platz nahm meines Erachtens stetig zu. Der Ball wurde ideenlos hin und her gepasst, selten erfolgversprechend in die Offensive gespielt. Ein Manko, dass durch Rincon und in der Rückrunde durch Jarolim eher irgendwie denn spielerisch aufgefangen werden sollte. Das Vorhaben misslang. Rincon ist ein Zerstörer, dem leider keine spielgestalterischen Mittel zur Verfügung stehen und Jarolim spielt eher den Sicherheitspass, was in manchen Situationen und Spielen, speziell wenn man einen Vorsprung über die Zeit bringen will hilfreich ist. Nur wir waren selten genug in der abgelaufenen Saison in Führung gegangen. Nicht nur, aber auch durch die vielen Quer – und Rückpässe an denen sich außer Jaroslav Drobny und Sven Neuhaus alle eingesetzten Spieler beteiligten wurde unser Spiel eben noch langsamer, durchschaubarer und unansehnlicher, als in den Vorjahren.

Hatte ich vor der Saison gehofft, dass die „faulen Früchte“ gleich mit aussortiert worden waren, so entpuppte sich meine Hoffnung während der Saison als unbegründet und als Irrtum. Einigen wurden die Verträge nicht verlängert, andere wurden verkauft und die dritte Partie Spieler wollte ganz einfach nur noch weg. Gewünscht habe ich mir vor einem Jahr, dass der Schnitt noch größer ausfällt. Dann allerdings, muss ich heute wohl eingestehen, wäre ein Abstieg wohl kaum vermeidbar gewesen. So geht das umgestalten des Kaders in diesem Jahr in seine zweite und bestenfalls vorletzte Phase. Mit Petric, dem in dieser Spielzeit fast nichts gelang und Jarolim, der trotz aller ihm anzukreidenden Defizite der beste Feldspieler des HSV war gehen zwei Akteure die in den v ergangenen vier bzw. neun Jahren einiges für den HSV geleistet haben. Allerdings mit einer anderen Spielauffassung der vorherigen Trainer. Fink will ein schnelles und direktes Spiel nach vorne aus einer sicheren Defensive. Das schnelle Spiel von Thorsten Fink beginnt bereits beim Torhüter, der in der modernen Spielweise schon einen wesentlichen Part der Spieleröffnung darstellt. Kann er schnell auf freistehende oder besser sich freilaufende Mitspieler abwerfen oder abschlagen, so entwickelt sich ein völlig anderes Spiel als wir es in dieser Saison von unserem HSV gesehen haben. Der BVB hat uns zweimal gezeigt wie es geht. Leider viel zu viele andere Mitbewerber der Liga auch.

Neben dem viel zu langsamen und umständlichen Spielaufbau war das größte Problem der Mannschaft, dass sie es nicht fertigbrachte mal zwei Spiele nacheinander eine konstante Leistung abzurufen. Spielte die Mannschaft ein ordentliches Spiel so folgte mit absoluter Zuverlässigkeit eine miserable Darbietung. Folgte auf das 1 : 5 daheim gegen den BVB zwar ein Auswärtssieg bei Hertha BSC mit schwacher Leistung so ging man couragiert und bissig in die Partie gegen die Bayern. Es folgte ein unansehnlicher 1 : 0 Sieg in Köln. Nun hätte man ja der Meinung sein können, dass die sieben Punkte aus drei Spielen etwas Selbstbewusstsein für die HSV – Profis bedeuten würden. Es kam anders, es kam die extrem kalte Dusche im Nordderby gegen Bremen: 1 : 3. In Gladbach ein gut herausgespieltes 1 : 1, anschließend 0 : 4 gegen Stuttgart. Für mich stimmt da die Einstellung der Profis nicht ansatzweise. Sie ist auch nicht mit einem oder zwei Spielern zu erklären. In den vergangenen Jahren haben wir des Öfteren erlebt, dass einzelne Spiele mangels Einstellung verloren wurden. In der letzten Saison stimmte die Berufsauffassung bestenfalls in jedem zweiten bis dritten Spiel. Wie auch immer dieses Phänomen letztlich erklärt werden kann, ein solches Verhalten und Auftreten des Kaders kann sich keine Bundesligamannschaft leisten. Es grenzt nicht nur an Arbeitsverweigerung, es ist Arbeitsverweigerung. Ich hoffe, dass alle Beteiligten aus dieser Saison ihre Lehren ziehen bzw. gezogen haben. Wer nicht mitziehen will gehört ohne Ansehen der Person auf die Tribüne und dort aus verkauft. Ich bin überzeugt davon, dass die Spielzeit 2011/2012 einen besseren Verlauf für uns genommen hätte, hätte die Mannschaft die Bereitschaft zur Leistungserbringung in jedem Spiel gezeigt. Das wäre ihre Pflicht gewesen.

Nun zur Einzelkritik:

Jaroslav Drobny war zu Beginn der Serie nicht gerade eine Bank und etliche Fans wollten Tom Mickel im Tor sehen, aber Drobny arbeitete hart an sich und wurde schließlich ein sicherer Rückhalt für die Mannschaft und hat so manche Kastanie aus dem Feuer geholt. Dennoch: sein Manko ist die schnelle Spieleröffnung und der oft beim Gegner landende Abschlag. Arnesen kann sich ihn gut als Nr. 2 nach dem feststehenden Transfer von Rene Adler zum HSV vorstellen. Verdient hätte er sich ganz sicher, aber für einen tschechischen Nationaltorwart kann dies natürlich keine Perspektive sein. Schaut man auf die Finanzen des HSV, angeblich ja drei rostige Knöpfe, ist ein Reservetorwart mit einem vermuteten Jahressalär von 1,7 Millionen € wohl eine Kleinigkeit zu teuer. Dem Aufsichtsrat jedoch nicht, der hat es ohne Verkauf von Drobny genehmigt. Was lässt dass nun für einen Rückschluss auf die Finanzen zu?

Adler wird das HSV – Spiel sicherlich beschleunigen. Ich habe, da nur die Befürchtung, dass er die Bälle noch schneller zurückbekommt. Warten wir ab, dass betrifft die nächste, die fünfzigste Saison. Die Viererabwehrkette wurde in der ganzen Saison immer wieder verändert. Zum einen weil Verletzungen und Sperren (Rajkovic) dies erforderlich machten zum anderen weil desaströse Leistungen dies notwendig werden ließ. Alle Verteidiger haben ihre Fehler gemacht, einige haben sich damit aus der Mannschaft gespielt. Umso erfreulicher, dass es in der Rückrunde in der Innenverteidigung mit Heiko Westermann und (16 Einsätze) und Michael Mancienne (vom 26. bis einschließlich 33. Spieltag) wenigstens in der Innenverteidigung eine gewisse Konstanz herrschte. Aogo auf der linken defensiven Außenbahn brachte es auf 30 Einsätze während es Dennis Diekmeier auf 24 Einsätze kam. Beiden fehlt ein Back up, dass in der Lage ist den Beiden Druck zu machen. Für Diekmeier könnte dieser Konkurrent in der neuen Saison durchaus Jeffrey Bruma heißen. Dieser ist auf 20 Spiele gekommen und überzeugte Arnesen insbesondere auf der rechten Außenverteidigerposition. Das Bruma nicht wirklich überzeugen konnte lag an seinen zum Teil einfachen Fehlern und schlägt sich in der Nicht-Berücksichtigung für den EM – Kader der Niederlande aus. Wir haben den Vorteil, dass er nach langem Urlaub ausgeruht und unverletzt zum HSV zurückkehren wird. Theoretisch besteht noch die Möglichkeit, dass Chelsea von seinem Rückholrecht Gebrauch macht, allerdings erscheint dies eher unwahrscheinlich. Auch Slobodan Rajkovic kann von den Londonern zurückgekauft werden. Wohl ziemlich sicher nur Theorie.

Über die Saison gesehen waren Thomas Rincon und David Jarolim (Rückrunde) die konstanteste Doppelsechs unseres HSV. Tesche, Kacar und Skjelbred waren über die Saison keine wirklichen Alternativen. Alle drei blieben deutlich hinter den Erwartungen zurück. Tesche versagte regelmäßig wenn er auf dem Platz stand und es ist ein offenes Geheimnis, dass er beim HSV keine Zukunft mehr hat. Gojko Kacar verletzte sich im Auswärtsspiel beim 1. FC Nürnberg schwer und steht somit wohl nicht zum Verkauf. Per Ciljan Skjelbred muss wohl als Irrtum Arnesens abgehakt und schnellst möglich wieder verkauft werden.

Noch zum Saisonbeginn als großer Hoffnungsträger mit einem Neuanfang von Arnesen gepriesen war Eljero Elia am 31.08. 2011 nach vier Einsätzen für 9 Millionen € an Juventus verkauft und wie es damals hieß mit Erfolgszuschlag. Juventus wurde Meister und Elia bei Juve mit vier Kurzeinsätzen ebenfalls missachtet. Nun will er die Serie A verlassen und einen Neubeginn in England oder Spanien starten. Na, dann . . . .  Wie viele Euro streicht der HSV denn für den Meistertitel Juves ein? Real Madrid zahlt auch 2012 wieder eine Prämie für den Titel an den HSV. Rafael macht´s möglich. Drücken wir den Spaniern die Daumen, dass es mit einer Titelverteidigung 2013 klappt, dann nämlich würde der HSV noch mal eine Million einstreichen. Ach, im Übrigen, solche Konditionen handelte der Vorsitzende Hoffmann 2008 aus.

Unsere Außenbahnen waren trotz des Abgangs von Elia noch immer bestens besetzt. Marcell Jansen, Ivo Ilicevic, Jacopo Sala, Gökhan Töre und Zhi Gin Lam sollten die Geschicke des HSV auf den beiden offensiven Außenbahnen zu gefährlichen Waffen des HSV werden lassen. Auf Jansen (5 Tore) und Töre (6 Assists) trifft dies wenn auch mit Abstrichen zu. Marcell absolvierte 29 Spiele in der Liga für den HSV. Ein Bestwert seit dem er bei uns ist. Der Senkrechtstarter der Hinrunde war aber Gökhan Töre. Der Junge wusste mit seinen Dribblings zu gefallen und auch zu überzeugen. Äußerst bedauerlich seine Trainingsverletzung in der Winterpause, nach der er nicht mehr richtig in Tritt kam. Manchmal zu verspielt, aber einer der wenigen der bereit war die Wege zu gehen, die kaum ein anderer als nötig empfand. Nach seiner Verletzung musste Sala ran. Und schon im dritten Spiel erzielte er ein für den HSV wichtiges Tor. Das 1 : 0 gegen Bayern München. Leider blieb es bei dem einen Treffer, aber er konnte mit seiner im Vergleich zu Töre besseren Defensivarbeit bei Trainer Fink punkten. Allerdings gilt auch er hinter vorgehaltener Hand als Streichkandidat für den Kader 2012/2013. Er soll, so „Matz ab“, als schwer integrierbar gelten. Ivo Ilicevic erwischte bei seiner ersten Einwechslung in Freiburg einen Traumeinstand beim HSV und erzielte im Breisgau den Siegtreffer. Das war es dann auch schon. Er spielte sich viel zu oft fest, wirkte phasenweise eigensinnig und war schließlich als Ergänzungsspieler noch gut bedient.

Zhi Gin Lam spielte nur zweimal in der abgelaufenen Saison, galt aber dennoch als zweite Entdeckung neben Töre. Insbesondere bei seinem Einstand unter Interimscoach Cardoso wusste er zu überzeugen. Der Lohn war der Aufstieg zu den Profis mit entsprechendem Vertrag. Hoffen wir, dass er seinen guten Start in der kommenden Saison bestätigen kann. Nach seiner schweren Verletzung aus einem Testspiel während der Saisonvorbereitung schaffte Tolgay Arslan erst in der Wintervorbereitung wieder den Sprung an die Mannschaft heran. Er erzielte in Mönchengladbach den hochverdienten Ausgleich. Aber, ich glaube, es war im darauf folgenden Spiel gegen Stuttgart vergab er beim Stand von 0 : 0 in der Anfangsphase eine 1000 %ige Chance zum 1 : 0. Danach tauchte er nicht nur in diesem Spiel ab. Er hat zweifelsohne das Potential ein guter Bundesligaspieler zu werden, dafür muss er noch kräftig an sich arbeiten. Wie Marcell Jansen hat auch er noch ein Jahr Vertrag. Beiden hat Arnesen gesagt: verlängern oder jetzt verkaufen. Von beiden kommen Signale, dass sie gewillt sind vorzeitig zu verlängern.

Das größte aller Sorgenkinder ist der Angriff. Keiner der vier nominellen Stürmer konnte ganzjährig überzeugen. Mladen Petric schaffte gerade einmal 7 Tore, von denen auch drei Elfmeter waren. Leider neigte Petric dazu sich im Verhältnis z. B. zu Heung Min Son wenig zu bewegen. Da er aber lange Zeit gesetzt war, dies gleichbedeutend mit Bewegungsarmut im Sturm. So war beständig zugestellt von den gegnerischen Verteidigern und keine wirkliche Hilfe beim Unterfangen Torgefährlichkeit auszustrahlen. Er war einer der effektivsten Stürmer des HSV in den letzten Jahren, jedoch konnte er dies in der abgelaufenen Spielzeit nicht mehr unter Beweis stellen. Folgerichtig wurde sein Vertrag nicht verlängert. Paulo Guerrero gilt als der vielleicht beste Fußballer in den Reihen des HSV. Ganz sicher ist er leider der unberechenbarste. Von ihm bleiben in dieser Saison ganze sechs Tore und ein höchst überflüssiges Frustfoul in Erinnerung. Arnesen sagt zwar, dass Guerrero nicht verkäuflich sei, aber bei einem entsprechenden Angebot sei man bereit über jeden Spieler zu reden. Markus Berg erst Verletzungspech dann die Fortsetzung dessen wie wir ihn schon kennen. Ein Torjäger mit einem Tor. Kein Wunder also, dass wir insgesamt nur 35 Tore erzielt haben. Nun will ich dieses miserable Ergebnis wahrlich nicht an einem einzigen Stürmer festmachen – alle haben zu wenig Tore erzielt – aber sein Fall ist symptomatisch. Natürlich haben die Stürmer über die Saison gesehen wenig Vorlagen erhalten, aber wenn der Ball schon nicht zu einem kommt, muss sich ihn eben holen. Dieses geschah viel zu selten. Heung Min Son ist wie in der Saison 2010/2011 wieder als Testspieltorschützenkönig in die Saison gestartet und es hatte fast den Anschein als könne er es diesmal in der Liga fortführen. Doch ihn ereilte bald ein sehr lang anhaltendes Formtief aus dem er erst gegen Ende der Saison heraus kam. Durch aus nichts seltenes bei einem so jungen Spieler. Son ist für mich der Spieler, der die entscheidenden Tore zum Klassenerhalt beisteuerte. Zu Hause gegen Hannover 96 stellte er mit seinem Tor zum 1 : 0 den Endstand her und sicherte so drei ganz wichtige Punkte im Endspurt und in Nürnberg sorgte mit seinem Tor für einen weiteren wichtigen Punkt. Endstand 1 : 1.

Was aus Berg und Guerrero wird ist derzeit noch völlig offen. Fest steht seit heute, dass Artjoms Rudnevs bei uns unterschrieben hat. Er gilt als laufstarker Stürmer. Seine ehemaligen Trainer sagen über ihn, dass er sich alles hart erarbeitet hat. Klingt für mich richtig gut.

Romeo Castelen spielte leider auch in dieser Saison keine Rolle und wurde beim letzten Heimspiel verabschiedet. Bei den Profis wurde er noch nicht einmal mehr verabschiedet: Mickael Tavares. Sein Vertrag läuft am 30.06.2012 aus. Ohne Verlängerung.

Bleiben noch die Amateure mit Lizenzspielervertrag. Muhamed Besic hat sich im Laufe der Saison durch wiederholte Undiszipliniertheiten selbst aus dem Kader herausgebracht. Er steht in Verbindung mit Dynamo Dresden. Miroslav Stepanek war in der Vergangenheit mehrmalig schwerverletzt und konnte noch nicht seine Qualitäten im Profikader nachweisen. Ob sein auslaufender Vertrag verlängert wird ist gegenwärtig offen. Janek Sternbergs Vertrag läuft noch ein Jahr. Zukunft offen. Das gleiche gilt für Kevin Ingreso und Daniel Nagy.

Auf eine bessere Jubiläumssaison 2012/2013!

125 Jahre HSV! 50 Jahre Bundesligazugehörigkeit!

Nur der HSV!

Graswurzelblues

So unterirdisch habe ich unsere Jungs nicht mal in den Heimspielen gegen den BVB und Bremen gesehen. Und wie Jungs einer Schülermannschaft haben sie sich dann auch angestellt. Dass das Ergebnis schließlich nicht höher für die Labbadia – Truppe ausgefallen ist einzig und allein daran, dass die schwäbischen Schützen Mitleid mit uns hatten und mit großem Abstand die Bälle vorbeigingen. Ein paar hat Drobny halten können, den bei den Gegentreffern keinerlei Schuld trifft.

Schuldig war heute sicherlich die gesamte Mannschaft. Es hat von Anfang an nicht gestimmt. Weder defensiv noch offensiv. Gar nichts hat gepasst. Kein akzeptables Stellungsspiel, kaum ein Pass der ankam und Torschüsse die Rückgaben glichen. Glücklich darf sich beim HSV schätzen, der auf der Bank bleiben durfte. Dazu kam noch hüftsteifes und ungelenkes Abwehrverhalten von Rajkovic. Dieser ließ sich beim 0 : 1 verladen wie ein Schüler (heute C – Jugendlicher). Zum 0 : 2 und 0 : 3 trug er nicht unwesentlich durch sein schon beschriebenes Abwehrverhalten bei. Freilich die Strafstöße hätte nicht jeder Schiedsrichter gepfiffen, allein schon deshalb weil die Geschenke von Rajkovic allzu bereitwillig angenommen worden sind. Entscheidend für die Niederlage waren sie nicht. Entscheidend war die heute schlechte Einstellung und der daraus resultierende Alibifußball.

Ein weiterer Meilenstein dieses Spiels war das absolut überflüssige hochgradig grobe und eine Verletzung Ulreichs billigende Foul Guerreros. Aus zwanzig Metern Entfernung einem Ball hinterher zu laufen den der Torwart der Stuttgarter fast sicher an der Eckfahne kontrolliert – na, meinetwegen. Aber Guerrero hatte Zeit und Platz genug abzubremsen oder den Keeper zu umlaufen. Aber nein, er muss ja in diesen mit Tempo hineingrätschen und trifft Ulreich mit der Sohle von hinten am Knie. Da war er wieder der „alte“ Paolo nach dem er sich in den letzten Monaten immer besser entwickelte. Klar solch üble Fouls gibt es immer wieder und wir alle haben sie auch schon von anderen Spielern gesehen. Trotzdem die Karte war dunkelrot.

Was ist eigentlich die Ursache dafür, dass der HSV zu Hause nicht die Leistung abruft, die sie auswärts fast regelmäßig zeigt? Ein Heimkomplex? Ist es für die Heimmannschaften von den Plätzen sieben bis achtzehn deutlich schwerer daheim zu spielen weil auch von ihnen erwartet wird, dass sie das Spiel machen. Bislang ist es so, dass fast jedes Mal wenn ein Heimsieg ein deutlicheres absetzen von der abstiegsbedrohten Tabellenregion bedeuten würde kein Dreier eingefahren wurde. Höhenangst? Mein Eindruck war nicht nur heute der, dass die HSV – Spieler gut beraten wären unter der Woche sich nicht mit dem Konjunktiv und den Medien, sondern mit der Trainingsarbeit, dem Gegner und der taktischen Marschroute zu beschäftigen.

Einzelkritik:

Drobny: schuldlos

Diekmeier: bestenfalls farblos

Westermann: viele Fehlpässe – von denen einige Gefahr für das eigene Tor bedeuteten, selbstkritisch vor den Mikrofonen

Rajkovic: sein Tag war der verbrauchteste von allen HSVern

Jansen: von zwei, drei guten Szenen abgesehen . . . schlecht

Sala: früh angeschlagen, ging mit unter

Rincon: fehlte die Frische und Präsenz, zurecht früh ausgewechselt, gleich wohl ich hätte andere Spieler zur Halbzeit ausgewechselt und zwar drei, mehr erlaubt das Reglement leider nicht, auch solchen Spielen nicht.

Jarolim: zeigte überdeutlich weshalb sein Vertrag voraussichtlich nicht verlängert wird. In der Form von heute ganz sicher kein Verlust.

Ilicevic: sollte die linke – seine Lieblingsseite – bearbeiten, rückte grundsätzlich viel zu früh in die Mitte, wirkungslos, schlecht gespielt

Guerrero: bis zu seiner mehr als berechtigten roten Karte ein Schüsschen, das war alles

Petric: leider kein Bewerbungsspiel für einen europäischen Champions League Anwärter, schade – für ihn

Arslan (ab 41. Min.): versuchte offensive Akzente zu setzen, ging mit unter

Son (ab 46. Min.): versuchte es, lief sich oft fest, kein Glück mit seinen Zuspielen

Trotzdem: Mund abputzen und nur der HSV!

Gesamt:

Hamburger SV

VfB Stuttgart

Torschüsse:

12

15

Ecken:

1

4

Abseits:

3

1

Fouls:

17

28

Ballbesitz in %:

51

49

Aufstellungen:

Hamburger SV: Drobny – Diekmeier, Westermann, Rajkovic, Jansen – Rincon, Jarolim – Ilicevic, Sala – Guerrero, Petric

Reservebank: Neuhaus (Tor), Mancienne, Arslan, Kacar, Tesche, Son

Trainer: Fink

VfB Stuttgart: Ulreich – Boulahrouz, Tasci, Niedermeier, Sakai – Kvist, Kuzmanovic – Harnik, Hajnal, Okazaki – Ibisevic

Reservebank: Ziegler (Tor), Molinaro, Maza, Gentner, Holzhauser, Cacau, Schieber

Trainer: Labbadia

Tore: 0:1 Ibisevic (22.) , 0:2 Kuzmanovic (31./FE) , 0:3 Kuzmanovic (48./FE) , 0:4 Harnik (90.)

Wechsel: 41. Min. Arslan für Rincon, 46. Min. Son für Sala, 63. Min. Gentner für Kuzmanovic, 71. Min. Schieber für Okazaki, 76. Min. Cacau für Hajnal

Gelbe Karten: 27. Min. Tasci, 32. Min. Ibisevic, 59. Min. Kuzmanovic, 79. Min. Jarolim (damit im Spiel bei Schalke 04 gesperrt)

Rote Karte: 54. Min. Guerrero

Spielinfos:

Anstoß: Sa. 03.03.2012 15:30, 24. Spieltag – 1. Bundesliga

Stadion: Imtech-Arena

Schiedsrichter: Sippel (München)

Assistenten: Christ (Münchweiler), Assmuth (Köln)

Vierte Schiedsrichterin: Steinhaus (Hannover)

Zuschauer: 55.263

Heimsieg?!

Bevor ich zum eigentlichen Vorbericht komme, zunächst zur Meldung des Tages aus HSV – Sicht:

Laut Hamburger Abendblatt und weiterer Medien soll Jaroslav Drobny als Ersatz für Jörg Butt, der seine Karriere zum Saisonende beschließt, zu den Bayern wechseln. Es ist angeblich eine Ablösesumme von 2 Mio. € im Gespräch. Der Deal soll wohl bekannt gemacht werden wenn Rene Adler in Hamburg unterschrieben hat.

Außerdem ist eine Ausleihe von Nils Petersen (bis Sommer 2011 Energie Cottbus) im Gespräch. Der Torjäger ist nach Gomez und Olic nur noch die Nr. 3 im Bayernsturm. Außerdem ist heute gemeldet worden, dass die Bayern am französischen Stürmer Giroud von Montpellier interessiert sein sollen. Petersen war schon vor Saisonbeginn ein Thema für den HSV, allerdings entschied sich dieser bekanntermaßen für die Bayern.

Zu diesen Meldungen sagte der Mediendirektor der Bayern Markus Hörwick: „da sei weder vorne noch hinten etwas dran.“ Auch HSV Pressechef Jörn Wolf und Trainer Thorsten Fink wollten diese Meldungen in ihrer Pressekonferenz vor dem Spiel gegen Stuttgart bestätigen. Thorsten Fink sagte sinngemäß dazu, dass man sich nun erst mal auf das Spiel gegen den VfB konzentrieren wolle. Frank Arnesen werde am Freitag aus Spanien zurück erwartet, nach dem Spiel am Sonnabend oder Sonntag wolle man ein paar Dinge miteinander besprechen.

Dennoch klingen die Meldungen plausibel. Es bleibt nichts als abzuwarten. Abwarten will Thorsten Fink hingegen nicht gegen Stuttgart. Im Spiel gegen die Schwaben setzt er vermehrt auf eine offensive Spielweise mit Ivo Ilicevic für den defensiv stärker eingeschätzten Jacopo Sala. Fink setzt Ilicevic unter Druck in dem er von ihm erwartet, dass er auch seine defensiven Aufgaben wahrnimmt. Im Übrigen lässt Fink voraussichtlich die gleiche Mannschaft auflaufen wie in Mönchengladbach. Es sei denn, dass ihm in den Länderspielen eingesetzte Nationalspieler (z. B. Rincon, Rajkovic) signalisieren nicht im Vollbesitz ihrer Kräfte zu sein. Dies könnte insbesondere für Thomas Rincon zutreffen, der im Spiel gegen die Spanier mit seiner venezolanischen Nationalmannschaft meist den Spaniern hinterher lief.

Mit dem VfB Stuttgart kommt laut Statistik ein dankbarer Gegner in den Volkspark. Zum ersten Mal kommt Bruno Labbadia als Trainer der Schwaben nach Hamburg. Die Gesamtbilanz sieht den HSV klar vorn. In bisher 93 Bundesligaspielen erzielte der HSV 41 Siege, 20 Remis und 32 Niederlagen. Die Heimbilanz ist mit 28 Siegen, 10 Remis und nur 8 Niederlagen noch eindrucksvoller. Zwar hat der HSV erst zwei Heimsiege in der bisherigen Saison aufzuweisen, aber mit dem Gegner vom Sonnabend könnte ein wirklicher Aufbaugegner auflaufen. Denn die Schwaben holten aus ihren letzten sechs Gastspielen der laufenden Spielzeit nur einen Punkt. Zudem verloren sie nicht weniger als acht der letzten zehn Auftritte im Volksparkstadion und fuhren im Durchschnitt der letzten fünf Spiele in unserer Arena mit drei Gegentoren nach Hause. Anfällig sind die Stuttgarter vor allem bei Ecken. Nach dieser Standardsituation kassierten sie als einziges Ligateam schon 10 Gegentore. Das Hinspiel haben wir mit Trainer Rodolfo Esteban Cardoso 2 : 1 durch Tore von Bruma und Tesche bei einem Gegentreffer vom gebürtigen Hamburger und österreichischem Staatsbürger Harnik.

Nur die Konzentration! Nur der Heimsieg! Nur der HSV!

Aufstellungen:

Hamburger SV: Drobny – Diekmeier, Westermann, Rajkovic, Aogo – Rincon, Jarolim – Ilicevic, Jansen – Guerrero, Petric

Reservebank: Neuhaus (Tor), Bruma, Mancienne, Arslan, Kacar, Sala, Skjelbred, Tesche, Berg, Son

Trainer: Fink

Es fehlen: Besic, Labus, Stepanek, Sternberg, H. Behrens, Bertram, Castelen, Ingreso, Lam, Nagy, Tavares (alle nicht berücksichtigt), Mickel (Handbruch), Töre (Trainingsrückstand)

VfB Stuttgart: Ulreich – Boulahrouz, Tasci, Niedermeier, Molinaro – Kvist, Kuzmanovic – Harnik, Hajnal, Okazaki – Ibisevic

Reservebank: Weis (Tor), Ziegler (Tor), Boka, Delpierre, Maza, Sakai, Bah, Gentner, Holzhauser, Cacau, Schieber

Trainer: Labbadia

Es fehlen: Celozzi (2. Mannschaft), Rüdiger (2. Mannschaft), Audel (Trainingsrückstand), Gebhart (Trainingsrückstand), Traoré, Hemlein (2. Mannschaft), A. Riemann (2. Mannschaft)

Sperren drohen:

Hamburger SV: Aogo (4 Gelbe Karten), Mancienne (4 Gelbe Karten), Westermann (4 Gelbe Karten), Jarolim (4 Gelbe Karten)

VfB Stuttgart: Boulahrouz (4 Gelbe Karten), Gentner (4 Gelbe Karten), Kvist (4 Gelbe Karten), Cacau (4 Gelbe Karten)

Spielinfos:

Anstoß: Sa. 03.03.2012 15:30, 24. Spieltag – 1. Bundesliga

Stadion: Imtech-Arena

Schiedsrichter: Sippel (München)

Assistenten: Christ (Münchweiler), Assmuth (Köln)

Vierte Schiedsrichterin: Steinhaus (Hannover)

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