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Trainer, Mannschaft und System

Es ist gute zehn Monate her da präsentierte der HSV seinen neuen Wunschtrainer Thorsten Fink. Heraus gekauft aus einem laufenden und gültigen Vertrag. Dieser sollte die Mannschaft und jeden einzelnen Spieler besser machen und für ein hohes Maß an Identifikation mit dem Verein.

Schon nach kurzer Zeit musste Thorsten Fink einsehen, dass er sein favorisiertes Spielsystem (4 – 2 – 3 – 1) mit dieser verunsicherten HSV – Mannschaft nicht umsetzen konnte. Er verstärkte die Defensive, reaktivierte für das defensive Mittelfeld Jarolim und schaffte letztendlich den Klassenerhalt. Immer wieder wechselten gute und starke Auftritte der Mannschaft mit leidenschaftslos abgespulten und lästig wirkenden Pflichtaufgaben ab. Dem entsprechend fielen die Ergebnisse aus.

Nach der Saison wollte die sportliche und die Vereinsführung die Saison generalsstabsmäßig analysieren und die entsprechenden Konsequenzen unter Berücksichtigung der wirtschaftlichen und finanziellen Rahmenbedingungen prüfen und umsetzen. Dabei kam heraus: „Erst muss verkauft werden, dann können wir investieren. Auf die Rolle die Mitgliederversammlungen und Satzungsänderungsanträge in diesem Zusammenhang gespielt haben will ich hier nicht eingehen. Dass sie Einfluss hatten steht für mich jedoch außer Frage.

Schon früh in der Planung stand fest, dass David Jarolim und Mladen Petric – um nur die prominentesten zu nennen – Hamburg verlassen mussten. Später gesellten sich dann noch Guerrero und Töre dazu. Damit war erst einmal ein wenig Spielraum da um neue Spieler zu verpflichten. Es kamen Adler, Rudnevs und der Rückkehrer Beister wurde mit einem langfristigen Vertrag ausgestattet. Danach gerieten sowohl die Verkaufs – als auch die Einkaufsaktivitäten ins stocken. Der nächste Schritt war die Verpflichtung von Milan Badelj, der erst ab dem 29.08.2012 zur Verfügung stehen darf, da er noch das Rückspiel in der CL – Qualifikation für Dinamo Zagreb absolvieren muss. Wohl zu spät für einen Einsatz in Bremen.

Parallel dazu verkündete der geschäftsführende Vorstand, dass der HSV für die Philosophie stehe mit Nachwuchskräften aus den eigenen Reihen den Weg an die Spitze antreten zu wollen. Um dieses zu unterstreichen wurde das Projekt „Campus“ aus der Taufe gehoben. Hier sollen ab dem 29.09. 2012 Mitglieder und Fans dem HSV zu einer Summe von 12,5 Millionen € verhelfen, die mit 6 bis / Prozent verzinst werden sollen. Im Prinzip eine gute Idee das Nachwuchszentrum von Norderstedt in den Volkspark zu verlegen. Im Prinzip auch eine gute Idee den Nachwuchs verstärkt in die Kaderplanung der Zukunft einzubeziehen. Jedoch hilft es den letztjährigen Tabellen 15. aktuell nicht.

Zwar gibt es mit Steinmann und Norgaard zwei 17 bzw. 18 jährige Talente die mit den Profis trainieren und mit Norgaard war einer von ihnen im Kader gegen den 1. FC Nürnberg, aber es fehlt dem Trainer der Mut diese jungen Spieler auch einzusetzen.

Wenn ich von den ersten beiden Pflichtspielen in dieser Saison als Grundlage ausgehe sehe ich keine positive Veränderung zur Vorsaison. Im Gegenteil. Nach 112 Tagen Sommerpause hat sich an der Einstellung vieler Spieler zu ihrem Beruf (Job) nichts zum Positiven verändert. Es wirkt geradezu so, als sei es eine lästige Angelegenheit dem gut bezahlten Job eines Fußballprofis nach zu gehen. Der, dass sei hier einmal kurz angemerkt, im Verhältnis zu anderen Berufen wie Krankenschwester, Arzt und vielen anderen keinerlei wirkliche Verantwortung mit sich bringt.

Nun kann man seiner Arbeit immer auf zweierlei Weise Nachkommen: So dass gerade reicht oder so, dass einem selbst Spaß macht: Ich frage mich, während ich diese Zeilen schreibe, wie es sich für einen Fußballprofi anfühlt wenn er nach lustlos absolvierter Arbeit nachhause geht. Einsatz, Engagement und Leidenschaft für seinen Beruf erwartet jeder Arbeitgeber. Fordert der HSV in Person von Fink, Arnesen und Jarchow oder auch Otto und Ertel dieses in ausreichendem Maß ein? Leider kann ich diese Frage nicht beantworten. Berücksichtige ich die in dieser Saison abgelieferten Leistungen einiger Spieler komme ich zu dem Ergebnis, dass dieses nicht der Fall sein kann. Es ist ohne Zweifel richtig, dass der Trainer für die Einstellung der Spieler verantwortlich ist. Allerdings hat kein Trainer der Welt bei einem Spieler eine realistische Chance, diese zu positiv zu verändern wenn er der Spieler es nicht will. Also eine Charakterfrage.

Unser Trainer Thorsten Fink möchte mit seiner Mannschaft – unserem HSV – sein System spielen. Dieses soll auch in allen Mannschaften des HSV gespielt werden, die dem profibereich zuarbeiten. Soweit, so gut. Aber ist das System für den bestehenden Profikader realistisch umsetzbar? Antwort: Nein. Siehe Resultate.

Trotz einer personell stark ausgelegten Defensive fallen regelmäßig mehr Gegentore als wir selbst schießen. Wie in der letzten Saison geht es auch in dieser munter damit weiter, dass sie besonders häufig nach Standardsituationen erzielt werden. Wenn ich es richtig gezählt habe vier von fünf in dieser Saison. Unser System, dass über die Dominanz kommen soll, zum Torerfolg führen soll und schließlich den Sieg zum Ziel hat, benötigen wir eine sichere Ballbehandlung von der Annahme bis zur Weiterverarbeitung. Sicheres Passspiel. Habe ich mindestens seit Monaten nicht mehr von unserem HSV gesehen. Gestern gegen den FCN war es eher zufällig wenn ein Zuspiel ankam. Da drängt sich nicht nur eine Frage auf. Die wichtigste scheint mir zu sein: Was hat Fink mit der Mannschaft trainiert?

Sollte es daran liegen, dass unsere Spieler technisch noch so unfertig sind? Zuspiele über zwei Meter waren gegen Nürnberg keine sichere Sache. Vielleicht ist der Kader von dem verlangten Spielsystem aber auch einfach nur überfordert und es muss ein einfacheres System gespielt werden. Eines, das alle kennen. Vielleicht ein 4 – 4 – 2 oder auch ein 4 – 3 – 3. Zwar spielt u. a. die deutsche Nationalmannschaft das „finksche System“  Trainer Thorsten Fink muss sich hinterfragen ob das 4 – 2 – 3 – 1 das System ist, dass er von seinem Kader spielen lassen kann. Ist der vorhandene Kader dazu befähigt es umzusetzen? Meiner Meinung nach ist er es nicht. Personelle Veränderungen können da vielleicht noch etwas bewegen. Mit dem vorhandenen Personal und den schnellen Leuten im Kader sollte der Schwerpunkt des Spiels nicht auf Dominanz, Kontrolle und Ballbesitz ausgerichtet sein, sondern auf das Erfolgsmodell der Vereine die in der vergangenen Saison in Hamburg gewonnen haben. Die wesentlichen Bausteine waren eine sichere Defensive und bei eigenem Ballbesitz (blitz-) schnelles Umschalten auf Offensive mit einem schnellen Abschluss. Eine simple Kontertaktik. Für den Gegner schwerer zu bespielen als ein Team, dass Dominanz ausüben will, statt Tore zu schießen.

Die gestrige Startelf mit Adler, Diekmeier, Bruma, Mancienne, Aogo, Westermann, Skjelbred, Sala, Son, Jansen, Berg hat mich schon sehr gewundert, aber es gibt wohl kaum etwas zwischen Erde und Himmel was nicht noch überraschender gestaltet werden kann. Da wird für den sicherlich nicht guten Sala in der 58. Minute von Fink der theoretisch ausgemusterte Tesche eingewechselt. Das passt von der Position her nicht und die Aufgabe wurde auch in der folgenden guten halben Stunde Einsatzzeit nicht deutlich. War es der Versuch den Verantwortlichen zu zeigen, dass es mit diesem Kader für die Bundesliga nicht reicht? Die Pfiffe die nach der Einwechslung durchs Rund gingen galten nach meiner Wahrnehmung jedenfalls nicht Tesche, sondern Fink. Vielleicht lag es daran, dass viele Beobachter des Spiels ein offensives Signal von der Trainerbank an die Mannschaft erwartet hatten. Also Beister oder Rudnevs z. B. für den von Beginn an völlig überforderten Son. Aber Son musste erst nach der Nürnberger Führung gehen, ebenso wie Skjelbred. Dafür kamen dann Beister und Rudnevs. Und dieser Rudnevs hatte in zwanzig zwei gute Szenen in denen er mit etwas mehr Glück hätte einnetzen können. Sicherlich benötigen beide Spieler genauso wie Son noch viel Spielerfahrung und müssen stetig dazu lernen, aber wenn sie nicht spielen (Rudnevs, Beister) können sie sie nicht gewinnen. Ich gebe zu, dass ich gegen den Club eine offensivere Aufstellung erwartet habe. Eine in der Rudnevs und Beister von Anfang an spielen.

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Stunden vor der Europameisterschaft

In wenigen Stunden wird die Europameisterschaft in Polen und der Ukraine mit einer feierlichen Eröffnung in Warschau endlich beginnen. Das erste Spiel dieser Europameisterschaft bestreiten anschließend Polen und Griechenland. Doch zuvor noch ein paar Informationen zum HSV.

Anfang der zu Ende gehenden Woche wurde Alexander Otto bis zu den Aufsichtsratsneuwahlen im Januar 2013 einstimmig zum neuen Aufsichtsratsvorsitzenden gewählt. Zu seinen beiden Stellvertretern als 1. Manfred Ertel und als 2. Stellvertreter Eckart Westphalen gewählt. Ziel des neuen Vorsitzenden ist es mehr Geschlossenheit und einvernehmliches Handeln des AR nach außen zu zeigen. Otto. „Der Aufsichtsrat ist nicht so zerstritten wie es zuletzt den Anschein hatte.“ Otto werden als einzigem AR – Mitglied die notwendigen Fähigkeiten zu geschrieben integrativ und verbindend auf die unterschiedlichen Fraktionen innerhalb des AR einwirken zu können.

Otto wird sich im Herbst entscheiden ob er noch mal für den Aufsichtsrat kandidiert. Der vielbeschäftigte Unternehmer muss sein Unternehmen, diverse Aufsichtsratsposten und die Tätigkeit als Aufsichtsratschef des HSV mit seiner Familie unter einen Hut bringen. Ertel und Westphalen werden Otto vor allem bei vereinsinternen Verpflichtungen entlasten.

Nach den verschiedenen Interviews von Fink und Arnesen ist es klar und eindeutig, dass zumindest in der sportlichen Leitung angekommen ist, wie bitter nötig der HSV einen Spielmacher, einen echten Zehner braucht. Zumindest einen Sechser mit der Qualität einen Spielaufbau leisten zu können. Arnesen wird während der EM zwischen Polen/Ukraine und Hamburg pendeln. Er wird für das dänische Fernsehen als Co – Kommentator tätig sein und gleichzeitig nach einem geeigneten Zehner Ausschau halten. Sollte sich ein solcher finden ist Fink auf dem Sprung um ihn sich ebenfalls anzuschauen.

Um genügend (?) Geld in die klammen Kassen für einen entsprechenden Transfer erlösen zu können will sich der HSV von acht Spielern trennen. Jarchow sagt dazu, dass kein Spieler unverkäuflich ist. Heiße und bevorzugt genannte Namen sind: Tesche, Skjelbred, Drobny, Rajkovic, Sala, Töre, Guerrero und Berg aus dem engeren Kader. Chrisantus und Sowah sollen ebenfalls gehen. Von den nicht zum Einsatz gekommenen Vertragsspielern und aus der 2. Mannschaft sind bereits Stepanek (Ziel unbekannt), Bertram, Brügmann (beide VfL Bochum), H. Behrens (Darmstadt 98) sowie Pressel (Holstein Kiel) beim HSV ausgeschieden. Bei den Profis sind bereits Jarolim, Tavares, Castelen und Petric verabschiedet worden. Die anstehende Aufgabe von Arnesen ist es möglichst guten Ertrag durch den Verkauf vieler Spieler zu erlösen. Insgesamt soll der Kader für die Saison nicht mehr als 24 Spieler inklusive drei Torhüter umfassen. Dazu sollen auch Matti Steinmann (17 J.- U 17) und Christian Norgaard (18 J. – U 23 und U 19) gehören, die an die Profimannschaft herangeführt werden sollen. In der Vorbereitung auf die kommende Saison werden beide mit den Profis trainieren. Vielleicht können sie sich ja schon aufdrängen.

Zwar ist bisher noch kein Vollzug gemeldet worden, aber nach allem was zu hören und zu lesen war sieht es bei den Vertragsverlängerungen von Jansen und Arslan gut aus.  Weniger gut ist hingegen die Entscheidung von Kuyt vom FC Liverpool zu Fenerbahce Istanbul zu wechseln. Gerüchte wie Hamit Altintop und de Guzman bestätigte Arnesen jüngst als Gerüchte. Ja-Cheol Koo um den sich der HSV auch in diesem „Sommer“ bemüht hat, verlängerte seinen Vertrag in Wolfsburg und bleibt ein weiteres Jahr in Augsburg. Felipe Santana hat seinen Vertrag in Dortmund verlängert. Auch noch nicht entschieden ist die Personalie Abraham. Der Spielerberater ist gegenwärtig damit beschäftigt, die von Getafe geforderte Ablösesumme auf deutlich unter 2,0 Millionen € zu drücken. Auch wäre der HSV bereit einen Spieler (Drobny, Rajkovic) an Getafe abzugeben. Laut Arnesen kann sich diese Angelegenheit noch bis zum Ende der Transferperiode hinziehen. Aufgegeben scheint man HSV diesen Transfer noch nicht zu haben.

Auch der Vorstand in Person von Carl Edgar Jarchow scheint fleißig zu arbeiten. Er arbeitet zusammen mit A. Otto daran mehr Finanzmittel in den Profikader stecken zu können. Ziel sei es künftig 40 Prozent des Umsatzes  für die Profis aufzuwenden. Dazu sind nicht unerhebliche Umschichtungen notwendig. Als erstes wird daran gearbeitet die Annuität für die verbliebenen rund 30 Millionen € deutlich zu verringern. So soll erreicht werden, dass die jährliche Zahlung um etwa 50 % reduziert werden soll. Das entspräche einer Summe von 4,5 Millionen €. Diese soll in den Folgejahren jährlich wachsen, bis eine jährliche Rate für das Stadion von 1 Million erreicht worden ist. In letzter Konsequenz bedeutet dies, dass die Laufzeit für den Stadionkredit über das Jahr 2020 hinausgestreckt werden soll. Ab der Saison 2015/2016 ist der HSV frei in seiner Vermarktung und will nur noch Projektgebunden mit Sportfive zusammenarbeiten. Hier steht noch die Rückzahlung eines Kredites von Sportfive mit etwa 5,5 Millionen auf der Agenda die im Zusammenhang mit den noch zu klärenden Projekten verhandelt werden sollen.

So und nun kann die EM 2012 endlich beginnen.

Eine Mitgliederversammlung und die Folgen

Als ich gestern von der Mitgliederversammlung nach Hause kam war mir die Bedeutung des Erlebten mit all seiner Reichweite noch nicht klar. Als ich vor paar Stunden anfangen wollte mich auf die aus meiner Sicht wichtigsten Punkte der Versammlung zu konzentrieren um darüber zu berichten schlug die Nachricht vom Rücktritt Ernst Otto Rieckhoffs vom Vorsitz des Aufsichtsrats sprichwörtlich wie eine Bombe ein. Zwar bleibt Rieckhoff noch bis zum Ende seiner Wahlperiode im Januar 2013 Mitglied des Aufsichtsrates, aber er hat mit seiner Demission ein deutliches Zeichen gesetzt. Ein Zeichen das Auskunft und Rückschlüsse auf die Befindlichkeit des HSV im gesamten zulässt.

Zunächst zu den aus meiner Sicht vier wichtigsten Ereignissen der außerordentlichen Mitgliederversammlung.

Dr. Peter Krohn (Copyright: Andreas Irmer)

Die Veranstaltung begann mit einem Eklat zwischen Rieckhoff, Dr. Peter Krohn und einigen Teilnehmern. Peter Krohn war einer der ersten Redner und wollte, bevor die Diskussionen über die zu debattierenden Satzungsänderungsanträge beginnen sollten, eine Aussprache mit allen Beteiligten über das sportliche Abschneiden des HSV herbeiführen. Dies unterband der Sitzungsleiter, der zu diesem Zeitpunkt noch Rieckhoff war. Daraufhin fragte Krohn das Publikum und erfuhr eine Absage. Hierauf verließ Krohn die Veranstaltung. Krohn hat zweifelsohne Recht wenn er eine Aussprache über die in keiner Weise befriedigende Saison haben wollte, aber die anwesenden waren gekommen um über wichtige Satzungsänderungen zu diskutieren und schließlich auch abzustimmen.

Ich beschränke mich hier auf die drei wesentlichen aus meiner Sicht: die Einführung einer Fernwahl und die Verkleinerung des Aufsichtsrates auf 7 Mitglieder.

Zunächst zog Ingo Thiel seinen Antrag auf Anhörungspflicht der Mitgliedschaft und deren Zustimmung bei bestimmten Verträgen nach intensiven Gesprächen mit Vorstand und Aufsichtsräten zurück. Er betonte dabei, dass er im Gegensatz zum alten Vorstand dem aktuellen vertraue und er dem Ehrenwort des Vorstandvorsitzenden Carl Edgar Jarchow vertraue. Damit wurde ein mögliches großes Hindernis für das operative Tagesgeschäft aus der Welt geschaffen.

Danach wurde der Antrag auf Einführung der Fernwahl lebhaft, überwiegend fair und sehr kontrovers diskutiert. Auf der einen Seite die Befürworter mit Jan Talleur (Antragsteller) und unter anderen Alexander Otto. Nach gut zweistündiger Diskussion wurde abgestimmt. Zum Zeitpunkt der Abstimmung waren 585 stimmberechtigte Mitglieder anwesend. Ergebnis: 256 dafür, 324 dagegen und 5 Enthaltungen. Damit war der Antrag abgelehnt. Während der Diskussion hatten verschiedene Redner darauf verwiesen, dass in dem Antrag keine konkreten Angaben für eine Durchführung gemacht wurden. Andere verwiesen mit Vehemenz darauf, dass alle bei ihrem Eintritt in den HSV gewusst hätten, dass das Vereinsleben sich in Hamburg und zwar auf allen Ebenen abspiele. Dem wurde entgegen gehalten, dass der HSV überall dort stattfindet wo er gelebt wird. Dort wo Menschen für die blau – weiß – schwarze Raute einstehen. Bei mir stellte sich schon nach relativ kurzer Zeit der Diskussion das Gefühl ein, dass es den Gegnern um zwei Dinge geht: zum einen um den Status mit wenig Stimmen in ein Amt oder eine Position zu kommen, um eventuell etwas dazustellen. Gleichzeitig nur keine „neuen Moden“ einführen, die angeblich enorme Risiken hinsichtlich ihrer Zuverlässigkeit stehen.

Ernst Otto Rieckhoff (Copyright: Andreas Irmer)

Die zweite große Entscheidung wurde über Horst Beckers Antrag auf Verkleinerung des Aufsichtsrates auf sieben Mitglieder getroffen. Zeitweilig war die Diskussion über dieses Thema ein offener Schlagabtausch zwischen zwei unterschiedlichen Lagern mit verhärteten Fronten und betonierten Standpunkten. Auf der einen Seite sprachen sich SC Chef Bednarek, die Aufsichtsräte Ertel, Hunke und Klüver gegen eine Verkleinerung aus und auf der anderen sprachen sich u. a. die Aufsichtsräte Alexander Otto, Jörg Debatin, Horst Becker und Ernst Otto Rieckhoff für eine Verkleinerung des Aufsichtsrates aus. Hierbei machte Rieckhoff einen mit dem Aufsichtsrat in seiner Gesamtheit nicht abgestimmten Vorschlag. Im Zusammenhang mit einer Verkleinerung sollten alle Räte zur Mitgliederversammlung im Januar 2013 zurücktreten um dem dann neu zu wählenden Aufsichtsrat einen sauberen Start zu ermöglichen. Die Empörung der Aufsichtsratsmitglieder Ertel und Hunke reichte von Empörung darüber, dass dies nicht vorher im Aufsichtsrat besprochen worden sei bis hin zur Missachtung des Wählervotums der Mitgliederversammlung vom Januar 2011. Gewiss lehnte sich Rieckhoff mit seinem Vorschlag weit aus dem Fenster, aber wollte damit lediglich ein Zeichen setzen und damit zeigen, dass zumindest er nicht an seinem Posten klebt.

Das Abstimmungsergebnis von inzwischen nur noch 510 stimmberechtigten Mitgliedern: 262 dafür, 244 dagegen bei 4 Enthaltungen.

Gegen 18.30 wurde dann der Antrag gestellt, die noch nicht diskutierten Anträge zu vertagen fand unter der Maßgabe diese auf einer weiteren außerordentlichen Mitgliederversammlung vor Januar 2013 zu diskutieren und abzustimmen eine große Mehrheit.

von links: Peters, Scheel, Hilke, Arnesen, Jarchow, Rieckhoff, Otto, Ertel (Copyright: Andreas Irmer)

Im Anschluss daran fand ab 18.30 Uhr vor noch 316 stimmberechtigten Mitgliedern die Informationsveranstaltung des Vorstandes statt. Es waren Kurzberichte von Rieckhoff für den Aufsichtsrat, Jarchow für das Gesamte im Vorstand, Scheel für den Mitgliederbereich, Hilke für Marketing und Kommunikation sowie Arnesen für das sportliche. Es gab eine kurze Aussprache insbesondere über die Leistung der Bundesligamannschaft, die in der Aussage, dass das nicht wieder passieren dürfe gipfelte.

Fazit: Das einige und ruhige Bild, dass der HSV in den letzten Monaten und vor allem Wochen nach außen gezeigt hat war ganz offensichtlich dem Existenzkampf der Bundesligamannschaft geschuldet. Dieser war mit dem Klassenerhalt erfolgreich. Aber schon die Mitgliederversammlung im Januar 2012 hatte deutlich aufgezeigt, dass es nach wie vor mindestens einen Graben nicht nur quer durch den Aufsichtsrat sondern durch den ganzen Verein gibt. Dieser ist seit Sonntag noch ein ganzes Stück breiter geworden. Mein Eindruck von der gestrigen Veranstaltung war einmal mehr, dass es in vielen Positionen und Ämtern Selbstdarsteller gibt, die dem HSV nicht nur nicht nützen sondern ausschließlich auf das eigene statt auf das Vereinswohl fixiert sind. Ohne die Mitgliedschaft wird sich daran nichts, aber auch rein gar nichts ändern. Es könnte sogar noch dramatischer kommen. Der Verlust der Erstligazugehörigkeit, die weiteren öffentlichen und auch halböffentlichen oder nicht öffentlichen Kontroversen für den Eigennutz wird dem HSV auch wirtschaftlich großen Schaden zufügen. Muss der HSV erst absteigen bevor er aufwacht? Gestern war zeitweise gerade mal ein gutes Prozent der stimmberechtigten Mitglieder anwesend. Allein in Hamburg sollen ca. 30.000 stimmberechtigte Mitglieder leben. Wo waren sie während wichtigste Entscheidungen für den HSV getroffen werden. Sieht so das viel gerühmte Vereinsleben der Familie HSV aus?

Leid tut es mir um Ernst Otto Rieckhoff, der eine großartige Leistung für den HSV in den letzten 14 Monaten erbracht hat. Er ist einer der wenigen, dem man zurufen möchte: Mach weiter! Leider wird er im Januar 2013 nicht wieder zur Wahl stehen.

Nachsatz:

Nicht in den Berichten gestern kam nicht zur Sprache, dass die Frauenfußballmannschaft für die 1. Und 2. Liga nicht gemeldet werden wird. Der Verein spart! Aber sinnvoll?

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