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Was wirklich wichtig ist

Am vergangenen Montag startete unser HSV in die Saisonvorbereitung für die Jubiläumsspielzeit. Fünfzig Jahre Bundesliga werden im Mai 2013 hinter uns liegen und schon oder sollte ich richtiger schreiben noch immer machen sich die gleichen, nein dieselben Probleme beim HSV bemerkbar. Deutlich sichtbar für alle die in dieser Woche beim Training im volkspark dabei waren.

Schon seit mindestens vier bis fünf Jahren bricht sich beim HSV eine „Sache“ Bahn, die auch mit verantwortlich für das Saisonergebnis 2011/2012 zu machen ist. Und ich meine nicht den seit dem Abgang von Rafael van der Vaart fehlendem Spielgestalter, sondern von der in weiten Teilen der Mannschaft fehlenden Bereitschaft sich leidenschaftlich seinem Beruf als Fußballprofi zu widmen.

Wie oft haben wir in der Vergangenheit Spieler gesehen, die abwinkten wenn der Ball nicht wenigstens zentimetergenau in den Fuß gespielt worden ist. Einige zeigten sogar Einsatz in dem sie versuchten mit einem Spreitzschritt den Ball noch zu erreichen. Ich bin mir sicher, dass ich nicht der einzige bin der mal gelernt hat, dass z. B. ein Pass in die Tiefe, neufußballerisch ein vertikaler Pass, in den Lauf gespielt werden soll, wenn nicht sogar muss. Denn sonst verliert der Angespielte an Tempo und aus dem schnellen Angriff wird womöglich gar nichts mehr. Umso Fußball zu spielen bedarf es einiger Tugenden, die jeder Fußballer beherzigen muss. Zwingend umsetzen muss. Leitspruch 1: Fußball ist ein Laufspiel. Wer das nicht umsetzt wird grundsätzlich zweiter Sieger bleiben. Leitspruch 2: Ohne persönlichen Ehrgeiz sich im Wettbewerb mit Mannschaftskollegen (Training) und Gegnern durchsetzen zu wollen hat seine Zweikämpfe schon vorher verloren.

Schon der 16 jährige Wimbledon – Gewinner Boris Becker hatte seiner in einem Interview gesagt: „Ich wollte den Sieg mental mehr als mein Gegner.“ Leitsatz 3: Fußball ist nicht nur ein Mannschaftspiel, sondern es kommt auch auf den persönlichen Siegeswillen an. Davon war bei den Trainingseinheiten am Montagnachmittag und Donnerstagvormittag bei einem Großteil der Spieler wenig zu sehen, zu spüren oder wahr zu nehmen. Das indiskutable Ergebnis von Rosenheim – ein frisch aufgestiegener Regionalligist – spricht trotz aller Widrigkeiten eine deutliche Sprache in diese Richtung. Selbst wenn die Spieler am Selben Tag angereist sind und am Vortag eine Impfung für Südkorea über sich ergehen lassen mussten, so reicht mir dies nicht als Begründung für einen miesen Kick. Wenn manch einer auch sagen mag, was soll es, es war nur das erste Testspiel und es werden noch viele weitere folgen. Da kommt es nicht darauf an. Doch, genau darauf kommt es an. Auch diese Testspiele zeigen mit welcher Einstellung jemand an seine Arbeit geht.

Die Frage nach der Einstellung zur Arbeit, zum Verein und zur Leistungsbereitschaft, zur eigenen Motivation müssen die Spieler eindeutig in jeder Trainingseinheit, in jedem Testspiel und erstrecht in den Spielen im DFB – Pokal und der Bundesliga beantworten. Ebenso selbstverständlich ist es die Aufgabe des gesamten Trainerstabes, des Sportdirektors und der Masseure und Physiotherapeuten sowie der Mentalcoaches daraufhin zu wirken, dass die Spieler ihre bestmögliche Leistung abrufen. Was nützt „großes Potential“ wenn nicht einmal die Bereitschaft besteht es auch abzurufen.

In der vergangenen Saison und nicht nur in der haben wir es immer wieder erleben müssen, dass es in entscheidenden Spielen nicht gereicht hat. Wir immer wieder um bessere Resultate und Verein, Mannschaft und wir Fans keine Titel in Händen halten konnten. Jedem fällt dazu sicherlich mehr als nur ein Ereignis dazu ein. Obwohl der HSV vor der letzten Saison eine tiefe Zäsur im Kader durchgeführt hat und das Abschneiden in der vergangenen Saison dauerhaft beängstigend an der Abstiegsgrenze verlief scheinen einige Spieler nicht begriffen zu haben wofür unter anderem sie mitverantwortlich durch ihr Auftreten und ihre Spielweise waren. Und es geht schon wieder los. Thorsten Fink und alle anderen Verantwortlichen und Mitarbeiter sind aufgerufen, die immer noch faulen Früchte in der noch knapp zweimonatigen Wechselfrist auszusortieren. Andererseits ist insbesondere die sportliche Leitung jetzt (!) dazu aufgerufen diejenigen Spieler zu schützen, zu stärken und zu fördern die ganz offensichtlich gewillt sind ihr Bestes abzuliefern.

Wenn nicht jetzt, wann dann?

Was hat die diese erste Trainingswoche sonst noch gebracht?

Zunächst mal neue und alte Gerüchte über Spieler die noch gehen sollen. Die Liste beim HSV ja ziemlich lang. Drobny, Sowah, Chrisantus, Besic, Labus, Ingreso, Nagy, Sala, Skjelbred, Töre, Tesche, Berg und Guerrero. Und wäre er nicht verletzt Kacar. Dazu kommen die Spieler, die schon verabschiedet worden sind: Stepanek (Ziel unbekannt), Jarolim (voraussichtlich Ligue 1), Petric (FC Fulham) Tavares (Ziel unbekannt), Castelen (z. Zt. Probetraining in Salzburg), H. Behrens (Darmstadt 98), Brügmann und Bertram (VfL Bochum).

Schauen wir uns die Spieler mal und vor allem die Gründe, die dazu führen bzw. führten, dass sie den HSV verlassen bzw. verlassen haben oder mussten. Bei Jaroslav Drobny hat sich die Ausgangslage grundlegend geändert. Er ist wie in seinem ersten Jahr beim HSV nur noch die Nr. 2. Schon vor der Saison hat sich Thorsten auf Rene Adler als neue Nr. 1 (trotz Rückennummer. 15) festgelegt. Hatte Drobny vor seiner ersten HSV – Saison noch den Zweikampf mit Frank Rost knapp verloren, so gibt es jetzt nicht mal einen Zweikampf mit Adler in den sicherlich auch Tom Mickel eingreifen könnte. Drobny ist nahegelegt worden sich einen neuen Verein zu suchen, vor allem wohl auch deshalb weil er 1,7 Millionen € Jahresgehalt kostet. Das möchte verständlicher Weise Drobny weiterhin verdienen.

Das liebe Geld ist für den HSV auch bei einem eventuellen Verkauf Paolo Guerreros der ausschlaggebende Faktor. Sportlich heißt es, Paolo sei der beste Fußballer des HSV aber 4 bis 4,5 Millionen € Jahresgage inklusive einer jährlichen Signing Fee von einer Million € ist für die klammen Vereinskassen eine erhebliche Belastung. Anfragen soll es aus Valencia, Neapel und Kasan geben. Die Russen scheinen die finanzstärksten Interessenten zu sein.

Auf Grund ihrer sportlichen Leistung der abgeschlossenen Saison dürfen sich Tesche, Berg und Skjelbred den Verein verlassen, aber sie wollen – stand heute – bleiben. Wir dürfen gespannt sein ob es der sportlichen Leitung Frank Arnesen gelingt nicht nur diesen dreien neue Herausforderungen attraktiv zu machen.

Geht es bei Töre weiter wie in der ersten Hälfte der letzten Spielzeit ist er sicherlich ein Spieler, der nicht aus sportlichen Gründen gehen müsste. Allerdings kam er nach seiner schweren Verletzung im Wintertrainingslager nicht wieder an sein erreichtes Niveau heran. Zudem will er seinen Vertrag nicht vorzeitig verlängern. Unter diesen Gesichtspunkten ist auch er ein Wechselkandidat. Ebenso Sala der als schwer integrierbar gilt.

Die Talente Sowah, Chrisantus, Besic, Ingreso und Nagy konnten sich bisher  für die Profimannschaft nicht ausreichend in Szene setzen. Chrisantus war mindestens zwei Spielzeiten ausgeliehen und schaffte es in der zweiten Liga nicht zum Stammspieler. Zur Zeit trainiert er zwar mit den Profis, zeigt aber deutliche Schwächen im Training. Trotz selten aufblitzender Qualität ein sicherer Kandidat für einen Wechsel. Dies mal wohl kein Leihgeschäft mehr. Lennard Sowah hat sich beim HSV nicht Mal in der zweiten Mannschaft durchgesetzt und soll abgegeben werden. Besic hatte es sich schon vor rund einem halben Jahr auf Grund verschiedener Eskapaden bei Cardoso und Fink verdorben. Sein Probetraining bei Dynamo Dresden führte auch nicht zum gewünschten Erfolg. Sicher ist, dass gehen darf und soll. Ingreso und Nagy wie vielleicht auch Zhi Gin Lam sind Kandidaten für eine Ausleihe um Spielpraxis zu sammeln.

Erfreuliches hatte diese erste Trainingswoche auch zu bieten. Mit Rene Adler steht endlich wieder ein Torwart im HSV – Tor der seine Vorderleute mit klarer Sprache anweist, wie und was sie zu spielen haben. Selbst im Trainingspiel spricht er fast ununterbrochen mit ihnen. Das hat Klasse und noch mehr Klasse hat, dass ihm seine Verteidiger folgen und umsetzen was er von ihnen verlangt. Das hat Spaß gemacht und ich freue mich auf die kommenden Spiele mit ihm – trotz der guten Leistungen von Drobny im Abstiegskampf.

Negativ formuliert muss man wohl folgendes über den künftigen HSV – Angriff aussagen: Die Statik des HSV – Angriffsspiels der letzten Saison wird zusammenbrechen, einstürzen und so nicht mehr vorkommen. Mit Maximilian „Maxi“ Beister und Artjons „Rudi“ Rudnevs sind flinke, schnelle und äußerst bewegliche Offensivspieler zum HSV gekommen die beide vor Leistungswillen nur so sprühen. Rudnevs als Stürmer immer an der Grenze zur Abseitslinie agierend und ein richtig schneller Beister der sowohl links wie rechts und auch zentral offensiv spielen kann sind ein echtes Plus an Tempo, körperlicher Beweglichkeit und geistiger Handlungsfähigkeit. Wir dürfen alle miteinander gespannt sein wie die beiden miteinander harmonieren werden. Dabei darf ein dritter Mann keineswegs vergessen werden: Tolgay Arslan. Er kann und er füttert die beiden in den Trainingsspielen mit gut verwertbaren Bällen.

Abschließend noch ein paar kurze Worte zum Thema Neuverpflichtungen. Und da geht es zunächst um das liebe Geld. Arnesen hat in der Öffentlichkeit immer wieder betont, dass er zunächst verkaufen muss um Spielraum für neue Spieler zu bekommen. Lange sah es so aus als ob es keine Möglichkeiten für Veränderungen (wie oben geschrieben) geben würde. Inzwischen bestätigt Arnesen, dass es für einige Spieler zusätzlich zu Paolo Guerrero gibt. Gleichzeitig scheint sich der HSV auf vier Kandidaten für das Mittelfeld festgelegt zu haben. Angeblich zwei Sechser und zwei Zehner. Spätestens an dieser Stelle wird es richtig teuer und ein oder mehrere Investor/en  kommen ins Spiel. Kühne scheint bereit zu sein wieder in seine Schatulle greifen zu wollen. Aber dieses Mal nicht er alleine sondern nur in einer Gruppe gleichgesinnter und finanzstarker Unterstützer. Angeblich sind weit und breit keine weiteren Anleger auffindbar. Schafft es der HSV Vorstand dann Herrn Kühne davon zu überzeugen, sich auch allein für den HSV finanziell zu engagieren und das obwohl er keinerlei Lust darauf verspürt wieder Zielscheibe öffentlicher Angriffe ob seines Engagements zu werden. Wie auch immer, angeblich hat der HSV Vorstand schon eine Liste mit Spielernamen mit Herrn Kühne abgesprochen.

Zwei Spieler die darauf enthalten sein sollen sind Rasmus Elm und Rafael van der Vaart. Rasmus Elm gehört zu jener schwedischen U 21 Nationalmannschaft in der auch Berg und Toivonen bei der Heim EM der U 21 Nationalmannschaften mitgewirkt haben. Elm und Berg haben – so habe ich die EM – Spiele in Erinnerung – gut zusammengespielt. Bei der EM 2012 habe ich Elm gut gesehen und wäre aus meiner Sicht sicherlich eine Verstärkung für das Mittelfeld.

Nun zu van der Vaart. Ich muss es gestehen, ich habe bin völlig uneins was diesen Spieler angeht und das ist nicht etwa seine Trikotgeschichte von anno Tobak. Die mit dem heutigen handeln nichts zu tun und außerdem hat er sich in der darauffolgenden Saison für den HSV so eingesetzt wie es viele aktuelle HSV Spieler bisher noch nicht ansatzweise getan haben. Insofern ist die alte Geschichte kein Thema für mich.

Zugeben muss und will ich gerne, dass van der Vaart gerne im HSV Trikot habe spielen sehen und sehe ich sehe ihn auch heute noch gerne spielen. Das liegt zum Einen daran, dass er in meinen Augen einen Schuss Genialität besitzt und diesen auch immer wieder zeigt und so manchen Gegner düpiert. Seine Freistöße gehören zu den besseren in der Fußballwelt und sein Spielverständnis, seine Übersicht und seine Ideen auf dem Feld empfinde ich als große Bereicherung sollte ein Wechsel zum HSV über die Bühne gehen. Auch seine kämpferischen Qualitäten sind gegeben. Diese sind leider auch der Übergang zu den Qualitäten die er leider nicht in dem Maß besitzt wie sie heute von einem Spieler internationalen Zuschnitts gefordert werden. Van der ist zwar bissig im Zweikampf aber läuft seinem Widerpart im Mittelfeld nun mal nicht hinterher und ihm fehlt zu dem die läuferische Dynamik und Spritzigkeit für die heutige so wichtigen Sprints für Balleroberung und Ballbehauptung. Je nach dem wie Trainer Fink seine Mannschaft spielen lassen will ist läuferische Leistungsfähigkeit sehr wichtig bis unerlässlich. Die Frage die sich mir stellt ist ebenso simpel wie entscheidend. Passt van der Vaarts Spielweise zum HSV unter Arnesen und Fink oder eben nicht. Das können und müssen Arnesen und Fink beantworten. Ich würde mich freuen ihn wieder häufiger spielen zu sehen und habe dennoch Befürchtungen, dass er das zukünftige HSV – Spiel für die Gegner berechenbar macht weil auf ihn zugeschnitten und gleichzeitig verlangsamt.

Wir dürfen alle sehr gespannt sein wie sich der HSV zu seiner doppelten Jubiläumssaison präsentiert.

Eine Mitgliederversammlung und die Folgen

Als ich gestern von der Mitgliederversammlung nach Hause kam war mir die Bedeutung des Erlebten mit all seiner Reichweite noch nicht klar. Als ich vor paar Stunden anfangen wollte mich auf die aus meiner Sicht wichtigsten Punkte der Versammlung zu konzentrieren um darüber zu berichten schlug die Nachricht vom Rücktritt Ernst Otto Rieckhoffs vom Vorsitz des Aufsichtsrats sprichwörtlich wie eine Bombe ein. Zwar bleibt Rieckhoff noch bis zum Ende seiner Wahlperiode im Januar 2013 Mitglied des Aufsichtsrates, aber er hat mit seiner Demission ein deutliches Zeichen gesetzt. Ein Zeichen das Auskunft und Rückschlüsse auf die Befindlichkeit des HSV im gesamten zulässt.

Zunächst zu den aus meiner Sicht vier wichtigsten Ereignissen der außerordentlichen Mitgliederversammlung.

Dr. Peter Krohn (Copyright: Andreas Irmer)

Die Veranstaltung begann mit einem Eklat zwischen Rieckhoff, Dr. Peter Krohn und einigen Teilnehmern. Peter Krohn war einer der ersten Redner und wollte, bevor die Diskussionen über die zu debattierenden Satzungsänderungsanträge beginnen sollten, eine Aussprache mit allen Beteiligten über das sportliche Abschneiden des HSV herbeiführen. Dies unterband der Sitzungsleiter, der zu diesem Zeitpunkt noch Rieckhoff war. Daraufhin fragte Krohn das Publikum und erfuhr eine Absage. Hierauf verließ Krohn die Veranstaltung. Krohn hat zweifelsohne Recht wenn er eine Aussprache über die in keiner Weise befriedigende Saison haben wollte, aber die anwesenden waren gekommen um über wichtige Satzungsänderungen zu diskutieren und schließlich auch abzustimmen.

Ich beschränke mich hier auf die drei wesentlichen aus meiner Sicht: die Einführung einer Fernwahl und die Verkleinerung des Aufsichtsrates auf 7 Mitglieder.

Zunächst zog Ingo Thiel seinen Antrag auf Anhörungspflicht der Mitgliedschaft und deren Zustimmung bei bestimmten Verträgen nach intensiven Gesprächen mit Vorstand und Aufsichtsräten zurück. Er betonte dabei, dass er im Gegensatz zum alten Vorstand dem aktuellen vertraue und er dem Ehrenwort des Vorstandvorsitzenden Carl Edgar Jarchow vertraue. Damit wurde ein mögliches großes Hindernis für das operative Tagesgeschäft aus der Welt geschaffen.

Danach wurde der Antrag auf Einführung der Fernwahl lebhaft, überwiegend fair und sehr kontrovers diskutiert. Auf der einen Seite die Befürworter mit Jan Talleur (Antragsteller) und unter anderen Alexander Otto. Nach gut zweistündiger Diskussion wurde abgestimmt. Zum Zeitpunkt der Abstimmung waren 585 stimmberechtigte Mitglieder anwesend. Ergebnis: 256 dafür, 324 dagegen und 5 Enthaltungen. Damit war der Antrag abgelehnt. Während der Diskussion hatten verschiedene Redner darauf verwiesen, dass in dem Antrag keine konkreten Angaben für eine Durchführung gemacht wurden. Andere verwiesen mit Vehemenz darauf, dass alle bei ihrem Eintritt in den HSV gewusst hätten, dass das Vereinsleben sich in Hamburg und zwar auf allen Ebenen abspiele. Dem wurde entgegen gehalten, dass der HSV überall dort stattfindet wo er gelebt wird. Dort wo Menschen für die blau – weiß – schwarze Raute einstehen. Bei mir stellte sich schon nach relativ kurzer Zeit der Diskussion das Gefühl ein, dass es den Gegnern um zwei Dinge geht: zum einen um den Status mit wenig Stimmen in ein Amt oder eine Position zu kommen, um eventuell etwas dazustellen. Gleichzeitig nur keine „neuen Moden“ einführen, die angeblich enorme Risiken hinsichtlich ihrer Zuverlässigkeit stehen.

Ernst Otto Rieckhoff (Copyright: Andreas Irmer)

Die zweite große Entscheidung wurde über Horst Beckers Antrag auf Verkleinerung des Aufsichtsrates auf sieben Mitglieder getroffen. Zeitweilig war die Diskussion über dieses Thema ein offener Schlagabtausch zwischen zwei unterschiedlichen Lagern mit verhärteten Fronten und betonierten Standpunkten. Auf der einen Seite sprachen sich SC Chef Bednarek, die Aufsichtsräte Ertel, Hunke und Klüver gegen eine Verkleinerung aus und auf der anderen sprachen sich u. a. die Aufsichtsräte Alexander Otto, Jörg Debatin, Horst Becker und Ernst Otto Rieckhoff für eine Verkleinerung des Aufsichtsrates aus. Hierbei machte Rieckhoff einen mit dem Aufsichtsrat in seiner Gesamtheit nicht abgestimmten Vorschlag. Im Zusammenhang mit einer Verkleinerung sollten alle Räte zur Mitgliederversammlung im Januar 2013 zurücktreten um dem dann neu zu wählenden Aufsichtsrat einen sauberen Start zu ermöglichen. Die Empörung der Aufsichtsratsmitglieder Ertel und Hunke reichte von Empörung darüber, dass dies nicht vorher im Aufsichtsrat besprochen worden sei bis hin zur Missachtung des Wählervotums der Mitgliederversammlung vom Januar 2011. Gewiss lehnte sich Rieckhoff mit seinem Vorschlag weit aus dem Fenster, aber wollte damit lediglich ein Zeichen setzen und damit zeigen, dass zumindest er nicht an seinem Posten klebt.

Das Abstimmungsergebnis von inzwischen nur noch 510 stimmberechtigten Mitgliedern: 262 dafür, 244 dagegen bei 4 Enthaltungen.

Gegen 18.30 wurde dann der Antrag gestellt, die noch nicht diskutierten Anträge zu vertagen fand unter der Maßgabe diese auf einer weiteren außerordentlichen Mitgliederversammlung vor Januar 2013 zu diskutieren und abzustimmen eine große Mehrheit.

von links: Peters, Scheel, Hilke, Arnesen, Jarchow, Rieckhoff, Otto, Ertel (Copyright: Andreas Irmer)

Im Anschluss daran fand ab 18.30 Uhr vor noch 316 stimmberechtigten Mitgliedern die Informationsveranstaltung des Vorstandes statt. Es waren Kurzberichte von Rieckhoff für den Aufsichtsrat, Jarchow für das Gesamte im Vorstand, Scheel für den Mitgliederbereich, Hilke für Marketing und Kommunikation sowie Arnesen für das sportliche. Es gab eine kurze Aussprache insbesondere über die Leistung der Bundesligamannschaft, die in der Aussage, dass das nicht wieder passieren dürfe gipfelte.

Fazit: Das einige und ruhige Bild, dass der HSV in den letzten Monaten und vor allem Wochen nach außen gezeigt hat war ganz offensichtlich dem Existenzkampf der Bundesligamannschaft geschuldet. Dieser war mit dem Klassenerhalt erfolgreich. Aber schon die Mitgliederversammlung im Januar 2012 hatte deutlich aufgezeigt, dass es nach wie vor mindestens einen Graben nicht nur quer durch den Aufsichtsrat sondern durch den ganzen Verein gibt. Dieser ist seit Sonntag noch ein ganzes Stück breiter geworden. Mein Eindruck von der gestrigen Veranstaltung war einmal mehr, dass es in vielen Positionen und Ämtern Selbstdarsteller gibt, die dem HSV nicht nur nicht nützen sondern ausschließlich auf das eigene statt auf das Vereinswohl fixiert sind. Ohne die Mitgliedschaft wird sich daran nichts, aber auch rein gar nichts ändern. Es könnte sogar noch dramatischer kommen. Der Verlust der Erstligazugehörigkeit, die weiteren öffentlichen und auch halböffentlichen oder nicht öffentlichen Kontroversen für den Eigennutz wird dem HSV auch wirtschaftlich großen Schaden zufügen. Muss der HSV erst absteigen bevor er aufwacht? Gestern war zeitweise gerade mal ein gutes Prozent der stimmberechtigten Mitglieder anwesend. Allein in Hamburg sollen ca. 30.000 stimmberechtigte Mitglieder leben. Wo waren sie während wichtigste Entscheidungen für den HSV getroffen werden. Sieht so das viel gerühmte Vereinsleben der Familie HSV aus?

Leid tut es mir um Ernst Otto Rieckhoff, der eine großartige Leistung für den HSV in den letzten 14 Monaten erbracht hat. Er ist einer der wenigen, dem man zurufen möchte: Mach weiter! Leider wird er im Januar 2013 nicht wieder zur Wahl stehen.

Nachsatz:

Nicht in den Berichten gestern kam nicht zur Sprache, dass die Frauenfußballmannschaft für die 1. Und 2. Liga nicht gemeldet werden wird. Der Verein spart! Aber sinnvoll?

Wer wird verabschiedet?

Als vor rund einer Woche die Bildzeitung die ersten sieben Namen nannte war damit die Diskussion über die Saisonplanung 2012/2013 und auch zumindest die mittelfristige Personalplanung für die HSV – Öffentlichkeit eröffnet. Längst sind Frank Arnesen, Lee Congerton, Thorsten Fink und ihr Team dabei die Daten und Fakten neuer Spieler zu sichten und auszuwerten. Dies gilt allerdings auch für die Leistungsdaten der aktuellen HSV – Profis.

Seit dem 5. März ist es offiziell das Mladen Petric den Verein verlassen wird. Ein neuer Arbeitgeber ist noch nicht gefunden und Mladen muss sich bei den Vereinen ins Gespräch bringen. Sein Sturmpartner Paolo Guerrero wird hingegen beim HSV bleiben. So viel erscheint – Stand heute – sicher.

Schon länger bekannt ist, dass sich der HSV von David Jarolim für die Dauer seiner weiteren Spielerkarriere trennt. Danach soll David als Jugendtrainer beim HSV eingebunden werden.

Eindeutig sind auch die Vereinsentscheidungen bei Romeo Castelen und Mikael Tavares. Bei beiden steht das Signal auf Abschied zum Saisonende. Bei Romeo aus Gründen der Verletzungsanfälligkeit und bei Tavares aus Leistungsgründen.

Die „Bild“ brachte dazu fünf weitere und nicht unbedingt neue Namen ins Spiel.

Marcell Jansen, Gojko Kacar, Jaroslav Drobny, Markus Berg und Robert Tesche. Beim ersten hinsehen fällt insbesondere der Name von Marcell Jansen auf. Wie kommt denn der dahin. Trainer Fink hält doch große Stücke auf seinen Ex – Nationalspieler, der so gerne zur EM 2012 mit möchte und noch den Sprung auf Löws Zug schaffen will. Nach dem 25. Spieltag der laufenden Saison hat Marcell Jansen 22 Ligaspiele mit 3 Ein- und 8 Auswechslungen und insgesamt 1688 Spielminuten zu Buche stehen. Dabei erzielte er 4 Tore und einen Assist. In seinen nunmehr fast vier Jahren beim HSV hat er bislang an 81 von 127 möglichen Bundesligaspielen mitgewirkt.

Spielzeit 2008/2009:         25 BL-Spiele, 3 Ein- 8 Auswechslungen, 1.886 Spielmin.,

Spielzeit 2009/2010:         18 BL-Spiele, 3 Ein- 2 Auswechslungen, 1.394 Spielmin.,

Spielzeit 2010/2011:         16 BL-Spiele, 4 Ein- 5 Auswechslungen, 1.032 Spielmin.,

Spielzeit 2011/2012:         25 BL-Spiele, 3 Ein- 8 Auswechslungen, 1.688 Spielmin.,

Hinzu kommen seine Verletzungsanfälligkeit und seine relativ lange Zeit um wieder auf 100 Prozent nach Verletzungen zu kommen:

Hier sind nur die Verletzungen und Erkrankungen gelistet, die er in der Zeit beim HSV erlitten hat:

10/11 20.04.2011 01.07.2011 Hüftprobleme

10/11 14.01.2011 24.01.2011 Grippe

10/11 09.12.2010 02.01.2011 Achillessehnenprobleme

10/11 23.10.2010 14.11.2010 Zehenbruch

10/11 03.10.2010 13.10.2010 Viruserkrankung

09/10 26.03.2010 22.05.2010 Syndesmosebandriss

09/10 23.02.2010 04.03.2010 Grippe

09/10 20.08.2009 05.10.2009 Innenbandzerrung

08/09 31.03.2009 01.04.2009 Grippe

09/10 21.12.2009 02.01.2009 Prellung

08/09 05.10.2008 03.11.2008 Muskelfaserriss

08/09 13.06.2008 17.06.2008 Schulterverletzung

Angesichts der Tatsache, dass Marcell Jansen noch ein gültiges Arbeitspapier bis zum 30.06.2013 besitzt ist der Sommer 2012 als Datum schon Anlass genug für Spekulationen. Hinzu kommt, dass Marcell auf einer Position spielt auf der es seit dieser Saison richtigen Konkurrenzkampf gibt, der ab der nächsten Saison durch Maxi Beister noch verschärft wird. Er würde auf jeden Fall Geld in klamme Vereinskasse bringen um die Mannschaft für die kommenden Jahre zu verstärken.

Die Sachlage bei Gojko Kacar ist vorrangig durch seine eher durchschnittlichen Leistungen in der Mehrzahl der Spiele und einige Verletzungen geprägt. Zur Zeit ist der serbische Nationalspieler eher ergänzungs- denn Stammspieler. In dieser Saison hat noch kein Spiel gezeigt in dem er voll und ganz überzeugt hat. Zu häufig wechseln bei ihm Licht und Schatten.

Robert Tesche konnte sich in seinen bisher knapp drei Jahren beim HSV nicht durchsetzen. Er hat – so wird es ihm immer wieder von Experten bescheinigt alles was ein Fußballer haben sollte – aber er zeigt es nicht auf dem Platz. Er ist Ergänzungsspieler und selbst als Einwechselspieler kommt er immer seltener zum Zug. Er hat noch zwei Jahre Vertrag und würde auch so noch ein paar Euro in die Kasse bringen.

Jaroslav Drobny bringt – von den ersten Saisonspielen mal abgesehen in dieser Saison eine gute und auch sehr gute Leistung. Ohne ihn hätten wir sicherlich noch mehr Gegentore zu verzeichnen. Aus welchen Gründen auch immer will der HSV Rene Adler verpflichten. Damit wäre Drobny raus. Zum einen weil der HSV seiner Nr. 2 kein Millionengehalt wird zahlen können und wollen, zum anderen weil Drobny selbst gesagt hat, dass er keine zweite Saison auf der Bank Platz nehmen wird. Jedenfalls nicht beim HSV. Angeblich soll Bayern München ja seine Fühler ausgestreckt haben. Aber noch ist der Vertrag mit Adler nicht fix.

Markus Berg kam als Held der U 21 Europameisterschaft 2009. In der ersten Saison für den HSV absolvierte er 30 Spiele (14 Auswechslungen, 4 Tore, ein Assist, 1578 Minuten). Er wurde für ein Jahr ausgeliehen und kam verletzt zurück. Man erhoffte sich beim HSV, dass er durch die gewonnene Spielpraxis stärker, selbstbewusster zurückkehren würde. Doch kaum genesen und die ersten paar Minuten auf dem Spielfeld verletzte er sich erneut. Bis heute hat er sein Leistungsniveau der EM noch nicht in HSV – Diensten wieder erreicht. Gegenwärtig ist er – Paolos Sperre bleibt dabei unberücksichtigt – Stürmer Nr. 4. Da es gleichzeitig eine Reihe von Spekulationen um neue Stürmer (Lukaku, Bendtner, Petersen) gibt ist ein Abschied im Sommer wahrscheinlich.

Sollten diese neun genannten Spieler alle gehen wird der im letzten Sommer begonnene Umbruch in diesem Jahr konsequent fortgesetzt, was ich – unabhängig von den gehandelten Namen – als grundsätzlich richtig empfinde.

 

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