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Der HSV steht sich selbst im Weg

Ein Kommentar

Klaus Michael Kühne, Hamburger – in der Schweiz – lebende Unternehmer und HSV – Fan wehrt sich. Er wehrt sich dagegen vom Vorstand des HSV missachtet und ignoriert zu werden. Zunächst ließ er über seine Firma eine Pressemitteilung veröffentlichen und erläuterte diese wenig später in einer Telefonpressekonferenz.

Wenn ein seriöser Mann wie Herr Kühne sich an die Öffentlichkeit wendet um Sachverhalte um die Verpflichtung eines Toppregisseurs für den HSV mitzuteilen, um seine Befürchtungen hinsichtlich einer aus seiner Sicht Inaktivität des Vorstandes transparent zu machen und konkrete Ideen formuliert wie Mitinvestoren einbezogen werden können, dann ist das zunächst einmal nichts weiter als sein gutes Recht.

Leider bedient er damit gleichzeitig all jene im HSV die vor der Einflussnahme im Verein durch Geldgeber warnen. Aus welchen ehrenvollen Motiven sie es auch tun unter dem Strich wird dabei herauskommen, dass der HSV im besten Fall einen sehr langen Weg ohne jegliche reelle Chance auf eine Verbesserung seiner sportlichen und damit einhergehenden wirtschaftlichen Situation vor sich hat. Sicher ist aus Sicht vieler HSVer der gewählte Weg des Herrn Kühne nicht der geeignete um erfolgreich sein Anliegen zum Erfolg bringen zu können. Wobei ich mich frage welchen Weg er nach ausschöpfen anderer Möglichkeiten noch hätte wählen können um nicht noch mehr Zeit zu verlieren.

Mit seinem Anliegen einen Toppspieler für den HSV weitestgehend zu finanzieren und den in der Telefonkonferenz gemachten Angaben legt er zudem deutlich den Finger in die wirklichen Wunden des HSV. Schon 2010 stieß das Investorenmodell Anstoß hoch ³ auf massive vereinsinterne Kritik. Wobei ich bis heute glaube, dass die vorgebrachte Kritik im wesentlichen Kritik an Hoffmann und nicht so sehr an dem Modell war. Leider kam es nicht dazu, dass drei Investoren gefunden wurden.

Auf der Mitgliederversammlungen am 15.01.2012 und der außerordentlichen Mitgliederversammlung am 20.05.2012 sagte Herr Jarchow, dass es mit ihm keine Investorenmodelle gibt und geben wird. Im Januar leistet Arnesen noch Widerstand und insgeheim hofft er wohl auch jetzt noch an einen Mäzen. Liest man aber die Reaktion Jarchows auf die Aussagen Kühnes im Hamburger Abendblatt vom 14.07.2012 so wird schnell klar, dass über den bestehenden Vertrag mit Herrn Kühne keine weitere Zusammenarbeit mehr möglich sein wird. Das Tischtuch ist offensichtlich zerschnitten.

Die Crux des HSV ist dabei, dass wieder einmal aus falsch verstandenen Traditionsbewusstsein eine große Chance freiwillig und wissend nicht genutzt wird. Im Verein steht nicht erst seit Hoffmann, sondern seit der Einführung des Aufsichtsrates eine grundsätzliche Klärung der Frage aus, ob der HSV nicht ebenso selbstverständlich wie er eine Stadiongesellschaft betreibt auch eine Fußballgesellschaft betreiben muss und will um in der ersten Bundesliga auf Dauer bleiben zu können.

Nachfolgend die Pressemitteilung und das Protokoll der Telefonpressekonferenz wie es am 13.07.2012 bei matz ab veröffentlicht wurde.

Zitat der Pressekonferenz nach „Matz ab“ vom 13.07.2012:

Kühne: “Es war eine schwere Saison, die ich nicht zuletzt durch meine Investition in sechs Spieler mit großer Besorgnis verfolgt habe. Denn mein Engagement war nicht von Erfolg gekrönt. Es gab eher den gegenteiligen Effekt. Dazu kam der Wechsel im Vorstand und dem Aufsichtsrat. Ich hatte plötzlich immer andere Ansprechpartner, nachdem ich vor 3,5 Jahren mal angesprochen wurde, um Rafael van der Vaart in Hamburg zu halten. Dann kam die zweite Welle mit den Neuzugängen Westermann, Diekmeier und noch ein paar Neuen, bei deren Finanzierung ich mich beteiligt habe. Und das war nicht von Erfolg geprägt. Ich habe auch damals immer wieder gesagt, ‘Ihr müsst Topspieler holen’. Ich habe immer wieder Empfehlungen gegeben, daran zu arbeiten, die Mannschaftschaft richtig zu formen. Fink kam als Trainer und war ein großer Hoffnungsträger, war aber auch nicht nur von Erfolg geprägt. Ich sympathisiere mit dem HSV. Aber es ist keine Mannschaft, es ist keine Regie da. Und jetzt ist Rafael van der Vaart plötzlich doch zu bekommen – wenn sich dort was bewegt. Und das stimuliere ich. Ich will, dass das Thema ernst genommen wird vom Vorstand und man sich echt darum bemüht.”

Frage: Wie würde Ihr Engagement konkret aussehen?

Kühne: Ich habe vernommen, dass er eine hohe Ablösesumme und ein hohes Gehalt kosten würde. Und ich bin der Meinung, das ist zu stemmen. Dafür würde ich auf meinen Anteil von 1,5 Millionen Euro des Verkaufs von Guerrero verzichten. Ich würde den Betrag für Neuverpflichtungen zur Verfügung stellen und darauf noch etwas draufsatteln.

Frage: Befürchten Sie, dass sich der HSV nicht wirklich um van der Vaart bemüht?

Kühne: Mir ist wichtig, dass mal ein Konzept vom Vorstand auf den Tisch kommt, wie die Verpflichtung von Rafael van der Vaart gestemmt werden kann. Die Vergütung ist so hoch, dass ich die Vorsicht des Vereines verstehen kann. Aber ich könnte mir sehr gut vorstellen, bei einem Vertrag von drei bis fünf Jahren jährlich meinen Beitrag beizusteuern.

Frage: Sie sprachen zuletzt davon, nur noch als ein Teil einer Investorengruppe agieren zu wollen. Gibt es schon weitere Investoren?

Kühne: Ja, es gibt welche, die auch von mir genannt wurden, die angesprochen werden können. Man darf nicht immer nur mich bedrängen, dass ich etwas tun sollte. Der Ganze Segen kommt nicht von mir allein. Es muss eine gemeinsame Bewegung sein.

Frage: Immerhin wurde Paolo Guerrero verkauft und somit Freiraum für weitere Verpflichtungen geschaffen.

Kühne: Der erste Schritt wurde gemacht – aber eben mit einem Verkauf. Es muss aktiver daran gearbeitet werden, da ist es einfach noch zu ruhig. Man muss sich jetzt rüsten, das Momentum nutzen. Man darf nicht warten, bis die gesamte Finanzierung steht. Ich wünsche mir da einen zielstrebigeren Vorstand. Das habe ich den Herren auch mehrfach gesagt.

Frage: Haben Sie Sorgen, der HSV könne absteigen?

Kühne: Ich will mich nicht einmischen. Aber dieses Jahr wird es nicht noch einmal drei Mannschaften geben, die schlechter sind als wir, so wie im letzten Jahr. Denn wenn man ehrlich ist, sind wir nur deshalb nicht abgestiegen. Verdienten hätten wir es – leider. Was da gespielt wurde, ging auf keine Kuhhaut.

Frage: Der Vorstand hat die Verjüngung des Kaders weit nach vorn gestellt. Rafael van der Vaart ist schon 29…

Kühne: Ein junger Spieler der gleichen Klasse wäre auch okay. Aber der wurde ja nie gefunden. Ein Rafael van der Vaart würde gut passen, der kann eine Leitfigur sein.

Frage: Aber die Finanzierung ist bei kolportierten fünf Millionen Euro per annum für den HSV nicht zu stemmen.

Kühne: Ich würde mich natürlich an den laufenden Bezügen nicht unmaßgeblich beteiligen. Darüber habe ich den Verein auch informiert. jetzt herrscht Klarheit. Ich warte auf konkrete Vorschläge des Vorstandes. Da ich sehr interessiert bin an einer Verpflichtung van der Vaarts, würde ich sicher über meinen Schatten springen und mehr geben als ursprünglich gedacht.

Frage: Warum werden Sie in dieser Form öffentlich? Vorstandsboss Carl Jarchow nannte ihren Vorstoß gerade “überraschend und in dieser Form nicht zielführend”?

Kühne: Ich habe Herrn Jarchow mehrfach vorher angerufen und nicht erreicht. Er scheint sehr schwer zu erreichen zu sein. Ich hatte ihm gestern Abend noch die Pressemitteilung avisiert und sie ihm heute Morgen noch zur Verfügung gestellt. Er hat leider erst reagiert, als die Pressemitteilung schon raus war. Zudem haben wir meine Vorschläge mehrfach erörtert.

Frage: Sie meinen Ihre Vorschläge, wie der HSV zu Geld kommen kann. Dabei nannten sie eine mögliche Streckung des Stadionkredites und Anleihen der Fans.
Kühne: Leider ist mir der HSV etwas zuvorgekommen mit dem Darlehen der Mitglieder. Damit sind die Mitglieder schon in eine Richtung gelenkt. Ich hatte den HSV-Groschen empfohlen. Wir wollen hier Spieler zusammen verpflichten. Und wenn 60000 Mitglieder im Schnitt 100 Euro geben würden, käme schon eine sehr stolze Summe zusammen. Selbst wenn es nur die Hälfte würde, wäre das mehr als beachtlich. Warum das nicht so gelaufen ist, weiß ich nicht.

Frage: Sollte Rafael van der Vaart nicht verpflichtet werden können, wie reagieren Sie? Ziehen Sie sich dann komplett zurück?

Kühne: So drastisch würde ich das nicht formulieren. Aber ich würde mir sicher meinen Anteil an Guerrero erbitten. Dennoch würde meine Sympathie ja nicht aufhören. Aber wenn ich weiter keine Resonanzen habe, muss ich sicher passiv bleiben. Der HSV hat sich zuletzt immer schwer getan. Es gab immer Listen mit tollen Namen, die dann aber alle nicht gekommen sind. Weil die Attraktivität zu gering ist, der HSV nicht international spielt. Wenn die Attraktivität höher wäre, und dazu würde so eine Personalie wie van der Vaart führen, dann wäre es auch leichter, jemanden zu holen. Man muss mal wieder einen Coup landen.

Frage: Wie bei Guerreros Verkauf nach Sao Paulo?

Kühne: Der Verkauf war sicher sehr gut. Guerrero war unberechenbar und auch nicht so erfolgreich. Das war der erste gute Schritt. Aber eben ein Verkauf.

Frage: Glauben Sie, der Vorstand will van der Vaart verhindern?

Kühne: Mir ist gesagt worden, man will ihn haben und der Trainer will van der Vaart. Aber das letzte Feuer brennt da nicht in den Augen. Dabei muss man auch mal etwas wagen, um wieder international zu spielen. Hier muss der Vorstand mal Mut haben, so wie ich es auch habe.

Frage: Dagegen steht das Argument der finanziellen Limitiertheit. Glauben Sie den Zahlen der Verantwortlichen in Hamburg nicht?

Kühne: Da wird im Verein zu tief gestapelt. So schlecht ist das nicht. Und ich würde doch auch einen substanziellen Anteil beisteuern, wenn die Gesamtfinanzierung angepackt wird. Aber da habe ich leider zu wenig Einblick. Dennoch muss der Vorstand Fantasie entwickeln, Ideen haben. Ich wäre auch zu anderen Modellen bereit, könnte beispielsweise ein Darlehen geben. Man muss mal alle Zahlen aufstellen, dann sehe ich, ob ich die Lücke komplett schließen kann oder ob ich vielleicht noch jemanden hinzuhole.

Frage: Gibt es Gespräche mit weiteren Investoren seitens des HSV?

Kühne: Das eher nicht. Aber ich habe von Dritten gehört, die Gespräche führen, auch Sympathisanten sind und mit mir in Verbindung stehen.

Ende des Zitats.

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Stunden vor der Europameisterschaft

In wenigen Stunden wird die Europameisterschaft in Polen und der Ukraine mit einer feierlichen Eröffnung in Warschau endlich beginnen. Das erste Spiel dieser Europameisterschaft bestreiten anschließend Polen und Griechenland. Doch zuvor noch ein paar Informationen zum HSV.

Anfang der zu Ende gehenden Woche wurde Alexander Otto bis zu den Aufsichtsratsneuwahlen im Januar 2013 einstimmig zum neuen Aufsichtsratsvorsitzenden gewählt. Zu seinen beiden Stellvertretern als 1. Manfred Ertel und als 2. Stellvertreter Eckart Westphalen gewählt. Ziel des neuen Vorsitzenden ist es mehr Geschlossenheit und einvernehmliches Handeln des AR nach außen zu zeigen. Otto. „Der Aufsichtsrat ist nicht so zerstritten wie es zuletzt den Anschein hatte.“ Otto werden als einzigem AR – Mitglied die notwendigen Fähigkeiten zu geschrieben integrativ und verbindend auf die unterschiedlichen Fraktionen innerhalb des AR einwirken zu können.

Otto wird sich im Herbst entscheiden ob er noch mal für den Aufsichtsrat kandidiert. Der vielbeschäftigte Unternehmer muss sein Unternehmen, diverse Aufsichtsratsposten und die Tätigkeit als Aufsichtsratschef des HSV mit seiner Familie unter einen Hut bringen. Ertel und Westphalen werden Otto vor allem bei vereinsinternen Verpflichtungen entlasten.

Nach den verschiedenen Interviews von Fink und Arnesen ist es klar und eindeutig, dass zumindest in der sportlichen Leitung angekommen ist, wie bitter nötig der HSV einen Spielmacher, einen echten Zehner braucht. Zumindest einen Sechser mit der Qualität einen Spielaufbau leisten zu können. Arnesen wird während der EM zwischen Polen/Ukraine und Hamburg pendeln. Er wird für das dänische Fernsehen als Co – Kommentator tätig sein und gleichzeitig nach einem geeigneten Zehner Ausschau halten. Sollte sich ein solcher finden ist Fink auf dem Sprung um ihn sich ebenfalls anzuschauen.

Um genügend (?) Geld in die klammen Kassen für einen entsprechenden Transfer erlösen zu können will sich der HSV von acht Spielern trennen. Jarchow sagt dazu, dass kein Spieler unverkäuflich ist. Heiße und bevorzugt genannte Namen sind: Tesche, Skjelbred, Drobny, Rajkovic, Sala, Töre, Guerrero und Berg aus dem engeren Kader. Chrisantus und Sowah sollen ebenfalls gehen. Von den nicht zum Einsatz gekommenen Vertragsspielern und aus der 2. Mannschaft sind bereits Stepanek (Ziel unbekannt), Bertram, Brügmann (beide VfL Bochum), H. Behrens (Darmstadt 98) sowie Pressel (Holstein Kiel) beim HSV ausgeschieden. Bei den Profis sind bereits Jarolim, Tavares, Castelen und Petric verabschiedet worden. Die anstehende Aufgabe von Arnesen ist es möglichst guten Ertrag durch den Verkauf vieler Spieler zu erlösen. Insgesamt soll der Kader für die Saison nicht mehr als 24 Spieler inklusive drei Torhüter umfassen. Dazu sollen auch Matti Steinmann (17 J.- U 17) und Christian Norgaard (18 J. – U 23 und U 19) gehören, die an die Profimannschaft herangeführt werden sollen. In der Vorbereitung auf die kommende Saison werden beide mit den Profis trainieren. Vielleicht können sie sich ja schon aufdrängen.

Zwar ist bisher noch kein Vollzug gemeldet worden, aber nach allem was zu hören und zu lesen war sieht es bei den Vertragsverlängerungen von Jansen und Arslan gut aus.  Weniger gut ist hingegen die Entscheidung von Kuyt vom FC Liverpool zu Fenerbahce Istanbul zu wechseln. Gerüchte wie Hamit Altintop und de Guzman bestätigte Arnesen jüngst als Gerüchte. Ja-Cheol Koo um den sich der HSV auch in diesem „Sommer“ bemüht hat, verlängerte seinen Vertrag in Wolfsburg und bleibt ein weiteres Jahr in Augsburg. Felipe Santana hat seinen Vertrag in Dortmund verlängert. Auch noch nicht entschieden ist die Personalie Abraham. Der Spielerberater ist gegenwärtig damit beschäftigt, die von Getafe geforderte Ablösesumme auf deutlich unter 2,0 Millionen € zu drücken. Auch wäre der HSV bereit einen Spieler (Drobny, Rajkovic) an Getafe abzugeben. Laut Arnesen kann sich diese Angelegenheit noch bis zum Ende der Transferperiode hinziehen. Aufgegeben scheint man HSV diesen Transfer noch nicht zu haben.

Auch der Vorstand in Person von Carl Edgar Jarchow scheint fleißig zu arbeiten. Er arbeitet zusammen mit A. Otto daran mehr Finanzmittel in den Profikader stecken zu können. Ziel sei es künftig 40 Prozent des Umsatzes  für die Profis aufzuwenden. Dazu sind nicht unerhebliche Umschichtungen notwendig. Als erstes wird daran gearbeitet die Annuität für die verbliebenen rund 30 Millionen € deutlich zu verringern. So soll erreicht werden, dass die jährliche Zahlung um etwa 50 % reduziert werden soll. Das entspräche einer Summe von 4,5 Millionen €. Diese soll in den Folgejahren jährlich wachsen, bis eine jährliche Rate für das Stadion von 1 Million erreicht worden ist. In letzter Konsequenz bedeutet dies, dass die Laufzeit für den Stadionkredit über das Jahr 2020 hinausgestreckt werden soll. Ab der Saison 2015/2016 ist der HSV frei in seiner Vermarktung und will nur noch Projektgebunden mit Sportfive zusammenarbeiten. Hier steht noch die Rückzahlung eines Kredites von Sportfive mit etwa 5,5 Millionen auf der Agenda die im Zusammenhang mit den noch zu klärenden Projekten verhandelt werden sollen.

So und nun kann die EM 2012 endlich beginnen.

Eine Mitgliederversammlung und die Folgen

Als ich gestern von der Mitgliederversammlung nach Hause kam war mir die Bedeutung des Erlebten mit all seiner Reichweite noch nicht klar. Als ich vor paar Stunden anfangen wollte mich auf die aus meiner Sicht wichtigsten Punkte der Versammlung zu konzentrieren um darüber zu berichten schlug die Nachricht vom Rücktritt Ernst Otto Rieckhoffs vom Vorsitz des Aufsichtsrats sprichwörtlich wie eine Bombe ein. Zwar bleibt Rieckhoff noch bis zum Ende seiner Wahlperiode im Januar 2013 Mitglied des Aufsichtsrates, aber er hat mit seiner Demission ein deutliches Zeichen gesetzt. Ein Zeichen das Auskunft und Rückschlüsse auf die Befindlichkeit des HSV im gesamten zulässt.

Zunächst zu den aus meiner Sicht vier wichtigsten Ereignissen der außerordentlichen Mitgliederversammlung.

Dr. Peter Krohn (Copyright: Andreas Irmer)

Die Veranstaltung begann mit einem Eklat zwischen Rieckhoff, Dr. Peter Krohn und einigen Teilnehmern. Peter Krohn war einer der ersten Redner und wollte, bevor die Diskussionen über die zu debattierenden Satzungsänderungsanträge beginnen sollten, eine Aussprache mit allen Beteiligten über das sportliche Abschneiden des HSV herbeiführen. Dies unterband der Sitzungsleiter, der zu diesem Zeitpunkt noch Rieckhoff war. Daraufhin fragte Krohn das Publikum und erfuhr eine Absage. Hierauf verließ Krohn die Veranstaltung. Krohn hat zweifelsohne Recht wenn er eine Aussprache über die in keiner Weise befriedigende Saison haben wollte, aber die anwesenden waren gekommen um über wichtige Satzungsänderungen zu diskutieren und schließlich auch abzustimmen.

Ich beschränke mich hier auf die drei wesentlichen aus meiner Sicht: die Einführung einer Fernwahl und die Verkleinerung des Aufsichtsrates auf 7 Mitglieder.

Zunächst zog Ingo Thiel seinen Antrag auf Anhörungspflicht der Mitgliedschaft und deren Zustimmung bei bestimmten Verträgen nach intensiven Gesprächen mit Vorstand und Aufsichtsräten zurück. Er betonte dabei, dass er im Gegensatz zum alten Vorstand dem aktuellen vertraue und er dem Ehrenwort des Vorstandvorsitzenden Carl Edgar Jarchow vertraue. Damit wurde ein mögliches großes Hindernis für das operative Tagesgeschäft aus der Welt geschaffen.

Danach wurde der Antrag auf Einführung der Fernwahl lebhaft, überwiegend fair und sehr kontrovers diskutiert. Auf der einen Seite die Befürworter mit Jan Talleur (Antragsteller) und unter anderen Alexander Otto. Nach gut zweistündiger Diskussion wurde abgestimmt. Zum Zeitpunkt der Abstimmung waren 585 stimmberechtigte Mitglieder anwesend. Ergebnis: 256 dafür, 324 dagegen und 5 Enthaltungen. Damit war der Antrag abgelehnt. Während der Diskussion hatten verschiedene Redner darauf verwiesen, dass in dem Antrag keine konkreten Angaben für eine Durchführung gemacht wurden. Andere verwiesen mit Vehemenz darauf, dass alle bei ihrem Eintritt in den HSV gewusst hätten, dass das Vereinsleben sich in Hamburg und zwar auf allen Ebenen abspiele. Dem wurde entgegen gehalten, dass der HSV überall dort stattfindet wo er gelebt wird. Dort wo Menschen für die blau – weiß – schwarze Raute einstehen. Bei mir stellte sich schon nach relativ kurzer Zeit der Diskussion das Gefühl ein, dass es den Gegnern um zwei Dinge geht: zum einen um den Status mit wenig Stimmen in ein Amt oder eine Position zu kommen, um eventuell etwas dazustellen. Gleichzeitig nur keine „neuen Moden“ einführen, die angeblich enorme Risiken hinsichtlich ihrer Zuverlässigkeit stehen.

Ernst Otto Rieckhoff (Copyright: Andreas Irmer)

Die zweite große Entscheidung wurde über Horst Beckers Antrag auf Verkleinerung des Aufsichtsrates auf sieben Mitglieder getroffen. Zeitweilig war die Diskussion über dieses Thema ein offener Schlagabtausch zwischen zwei unterschiedlichen Lagern mit verhärteten Fronten und betonierten Standpunkten. Auf der einen Seite sprachen sich SC Chef Bednarek, die Aufsichtsräte Ertel, Hunke und Klüver gegen eine Verkleinerung aus und auf der anderen sprachen sich u. a. die Aufsichtsräte Alexander Otto, Jörg Debatin, Horst Becker und Ernst Otto Rieckhoff für eine Verkleinerung des Aufsichtsrates aus. Hierbei machte Rieckhoff einen mit dem Aufsichtsrat in seiner Gesamtheit nicht abgestimmten Vorschlag. Im Zusammenhang mit einer Verkleinerung sollten alle Räte zur Mitgliederversammlung im Januar 2013 zurücktreten um dem dann neu zu wählenden Aufsichtsrat einen sauberen Start zu ermöglichen. Die Empörung der Aufsichtsratsmitglieder Ertel und Hunke reichte von Empörung darüber, dass dies nicht vorher im Aufsichtsrat besprochen worden sei bis hin zur Missachtung des Wählervotums der Mitgliederversammlung vom Januar 2011. Gewiss lehnte sich Rieckhoff mit seinem Vorschlag weit aus dem Fenster, aber wollte damit lediglich ein Zeichen setzen und damit zeigen, dass zumindest er nicht an seinem Posten klebt.

Das Abstimmungsergebnis von inzwischen nur noch 510 stimmberechtigten Mitgliedern: 262 dafür, 244 dagegen bei 4 Enthaltungen.

Gegen 18.30 wurde dann der Antrag gestellt, die noch nicht diskutierten Anträge zu vertagen fand unter der Maßgabe diese auf einer weiteren außerordentlichen Mitgliederversammlung vor Januar 2013 zu diskutieren und abzustimmen eine große Mehrheit.

von links: Peters, Scheel, Hilke, Arnesen, Jarchow, Rieckhoff, Otto, Ertel (Copyright: Andreas Irmer)

Im Anschluss daran fand ab 18.30 Uhr vor noch 316 stimmberechtigten Mitgliedern die Informationsveranstaltung des Vorstandes statt. Es waren Kurzberichte von Rieckhoff für den Aufsichtsrat, Jarchow für das Gesamte im Vorstand, Scheel für den Mitgliederbereich, Hilke für Marketing und Kommunikation sowie Arnesen für das sportliche. Es gab eine kurze Aussprache insbesondere über die Leistung der Bundesligamannschaft, die in der Aussage, dass das nicht wieder passieren dürfe gipfelte.

Fazit: Das einige und ruhige Bild, dass der HSV in den letzten Monaten und vor allem Wochen nach außen gezeigt hat war ganz offensichtlich dem Existenzkampf der Bundesligamannschaft geschuldet. Dieser war mit dem Klassenerhalt erfolgreich. Aber schon die Mitgliederversammlung im Januar 2012 hatte deutlich aufgezeigt, dass es nach wie vor mindestens einen Graben nicht nur quer durch den Aufsichtsrat sondern durch den ganzen Verein gibt. Dieser ist seit Sonntag noch ein ganzes Stück breiter geworden. Mein Eindruck von der gestrigen Veranstaltung war einmal mehr, dass es in vielen Positionen und Ämtern Selbstdarsteller gibt, die dem HSV nicht nur nicht nützen sondern ausschließlich auf das eigene statt auf das Vereinswohl fixiert sind. Ohne die Mitgliedschaft wird sich daran nichts, aber auch rein gar nichts ändern. Es könnte sogar noch dramatischer kommen. Der Verlust der Erstligazugehörigkeit, die weiteren öffentlichen und auch halböffentlichen oder nicht öffentlichen Kontroversen für den Eigennutz wird dem HSV auch wirtschaftlich großen Schaden zufügen. Muss der HSV erst absteigen bevor er aufwacht? Gestern war zeitweise gerade mal ein gutes Prozent der stimmberechtigten Mitglieder anwesend. Allein in Hamburg sollen ca. 30.000 stimmberechtigte Mitglieder leben. Wo waren sie während wichtigste Entscheidungen für den HSV getroffen werden. Sieht so das viel gerühmte Vereinsleben der Familie HSV aus?

Leid tut es mir um Ernst Otto Rieckhoff, der eine großartige Leistung für den HSV in den letzten 14 Monaten erbracht hat. Er ist einer der wenigen, dem man zurufen möchte: Mach weiter! Leider wird er im Januar 2013 nicht wieder zur Wahl stehen.

Nachsatz:

Nicht in den Berichten gestern kam nicht zur Sprache, dass die Frauenfußballmannschaft für die 1. Und 2. Liga nicht gemeldet werden wird. Der Verein spart! Aber sinnvoll?

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